TROLLWAR - Oath Of The Storm

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VÖ: 16.11.2018
Bandinfo: TROLLWAR
Genre: Folk Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Wem FINNTROLLs "Blodsvept" inzwischen zu viele Umdrehungen auf dem Buckel hat und wem ENSIFERUMs "Two Paths" alleine nicht genug Folk-Metal-Futter bringt, der sei an Bord von TROLLWARs Kriegsschiff herzlich willkommen. Die sieben Trolle segeln unter kanadischer Flagge, spielen einen episch ausufernden Folk-Metal und dürften besonders Freunde der genannten Finnen-Combos ansprechen. Mit "Oath of the Storm" laden die Mannen zum zweiten Mal zum Tanz (mit dem Seeungeheuer).

Das sehr gelungene Coverartwork zeigt ein zähnefletschendes, die Tentakel schwingendes Seeungeheuer inmitten einer stürmischen See, im Hintergrund erheben sich verschneite Berge in den schwarzen Himmel. Strömender Regen, donnerndes Gewitter und meterhohe Wellen sprechen nicht für Gemütlichkeit und schlagen zugleich die Brücke zum Albumtitel "Oath of the Storm". Im Intro erklingen zunächst das Knarzen eines hölzernen Schiffs und das Rauschen von Wind und Meer. Nach dem anschließenden Gebrüll, das von dem Haustierchen auf dem Frontcover stammen könnte, geht mit "Summoning" die Reise flotten Fußes los. Der erste reguläre Song des Albums zeigt, wie man den Schwur des Sturmes ableistet - mit treibenden Rhythmen, eingängigen, powermetallischen Leadgitarrenläufen und eingestreuten Doublebass-Salven ziehen die Kanadier in die Schlacht. Das Akkordeon ist der ständige Begleiter und sorgt nicht nur für einen stattlichen Anteil an Folk-Melodien, sondern auch für eine gewisse Seefahrer-Aura. Die ausufernde Komposition geizt nicht mit Dynamik und fesselt ab dem ersten Durchgang. Meine Damen und Herren, vorliegend sehen wir einen echten Ohrwurm, einen gerne gesehenen Nützling, der im Gegensatz zu dem an Bord eher unerwünschten Holzwurm vornehmlich Tonträger der Gattungen Rock und Metal bewohnt. Bei "Summoning" stimmt einfach alles - gleichzeitig zeigt die Nummer auch, wie auf "Oath of the Storm" der Hase läuft.

Auch wenn TROLLWAR ihre womöglich größte Granate gleich zu Beginn zünden, wird es in deren Nachbeben keineswegs langweilig. Den Hörer erwartet noch ein ganzer Sack erhabener und stimmig arrangierter Kompositionen. "Into Shadows", "In Defiance" oder "Hymn For The Vanquished" entwickeln schnell ihren eigenen Charme und begeistern mit starken Hooklines und einem Hang zur Epik. Hier zeigen TROLLWAR Stärke, denn trotz des "Trolls" im Bandnamen kreieren sie nicht diese verrückten und trinktauglichen Folk-Melodien wie ihre Kollegen von FINNTROLL. TROLLWAR schreiben überwiegend pathosgeladene Epen, die die Heldenbrust vor Stolz anschwellen lassen. Sie zeigen damit eine gewisse Nähe zu ENSIFERUM, wozu auch der fauchige und ein wenig schwarzmetallische Gesang passt. Aber trotz aller Vergleiche mit den bekannteren finnischen Viking- und Folk-Metal-Combos zeigen die Kanadier ein hohes Maß an Eigenständigkeit, und das nicht nur, weil sie ihren Folk in erster Linie mit dem Akkordeon einbringen. So verstärken die Kanadier bspw. durch den Einsatz von Power-Metal-Einschüben und Klargesang die epische Wirkung ihrer Stücke. Auf der anderen Seite sorgen Blastbeat-Ausbrüche und eine kleine Prise melodischen Death Metals für einen angemessenen Härtegrad. All diese Elemente werden verbunden zu tiefgehenden, dynamischen und in sich schlüssigen Kompositionen. Lediglich in der zweiten Albumhälfte flacht die Stimmung ein wenig ab. Die Lieder sind zwar nach wie vor gut, ähneln sich dabei aber ein wenig und reißen einfach nicht mehr so mit wie die Songs der ersten Hälfte. Mit "Winter’s Night" ist hingegen wieder ein später Hit enthalten, nach dem mit dem heroisch anmutenden Outro stolz von Bord (oder der Bühne) gegangen werden kann.

Produzent Christian Donaldson (u. a. CRYPTOPSY, THE AGONIST) hat saubere Arbeit geleistet und einen modernen, aber nicht überladenen Sound hinterlassen, an dem es nichts zu meckern gibt. Das Material der EP "The Traveler’s Path" (2017) wurde bei der Gelegenheit einem Remastering unterzogen und gleich mit aufs Album gepackt, was Besitzer der EP beachten sollten.

TROLLWAR liefern mit "Oath of the Storm" ein starkes Zweitwerk ab, das nicht nur für Freunde von FINNTROLL und ENSIFERUM interessant sein dürfte. Bis auf eine leichte Stimmungsstagnation zum Ende hin hat das Album keine gravierenden Kritikpunkte und macht durchgehend Spaß. Der eigenständige, vom Akkordeon getragene Folk-Black-Metal der Kanadier beweist, dass echte Kampftrolle nicht nur Skandinavien und Umgebung bewohnen. Darauf ein schallerndes "kippis!" bzw. ein elegantes "à votre santé!".



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (17.11.2018)

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