OAK PANTHEON + AMIENSUS - Gathering II

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VÖ: 05.11.2018
Bandinfo: AMIENSUS
Genre: Black / Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Nachdem mich AMIENSUS mit ihrem 2015er Album durchweg begeistern konnten (Review hier) und auch im Interview einen sehr sympathischen Eindruck machten, verfolge ich das Schaffen der Jungs etwas genauer. Während das gespannte Warten auf das neue Album weiter anhält, bietet diese für mich etwas überraschend veröffentlichte Split mit OAK PANTHEON eine willkommene Abwechslung, sowie einen möglichen Einblick in die neue Scheibe.

"Gathering II" macht im Prinzip dort weiter, wo "Gathering I" aufgehört hat, und das gleich auf mehrfache Art und Weise. Aber es gibt auch etliche Unterschiede und Weiterentwicklungen zu beobachten, doch dazu der Reihe nach.

OAK PANTHEON sind eine ebenfalls aus Minnesota stammende Zwei-Mann-Kombo bestehend aus Tanner Swenson und Sami Sati, die sich atmosphärischem Black/Folk Metal verschrieben hat. Bis auf "Gathering I" bin ich mit dieser Band noch nicht in Kontakt gekommen, was ich aber spätestens nach dem Hören ihres Splitbeitrages "A Demonstration" langsam mal ändern sollte. Das Cover des Splitbeitrages ziert übrigens ein Gemälde des italienischen Malers Caravaggio mit dem Titel "The Sacrifice Of Isaac", was ausgesprochen gut passt, da diese "Opferung" ja im Prinzip genau das war - A Demonstration.

Musikalisch geht der Splitbeitrag mit akustischen Gitarren los (die im weiteren Verlauf immer wieder auftauchen), bevor sich das Lied allmählich steigert und einige brachialere Riffs folgen, die teilweise eher an Death als Black Metal erinnern. Allgemein ist der Song sehr abwechslungsreich gehalten, sowohl gitarrentechnisch als auch gesanglich. So werden die kraftvollen Grunzer und Schreie der Protagonisten immer mal mit atmosphärischem Klargesang abgewechselt. Auch rhythmisch macht das Lied einiges her und wird nicht langweilig. Beim ersten Hören kamen mir sofort AGALLOCH in den Sinn, ein Eindruck, der sich auch in der Folge aufrecht erhielt, denn die evozierten Eindrücke überschneiden sich zumindest für mich mit denen bei v.a. AGALLOCHs "The Mantle" recht stark, wenngleich die metallischen Riffs hier um einiges brachialer ausfallen - und ebenso die Vocals im Vergleich zu John Haughms eher schwächlichem Gekrächze.

Nachfolgend reichen sich beide Bands die Hände und erzeugen dabei "Tanequil", ein Lied, welches ebenfalls mit akustischen Gitarren beginnt und damit einen perfekten Übergang darstellt. Ebenso wie das vorherige Lied kommt "Tanequil" sehr abwechslungsreich daher, mit ruhigen, rockigen, atmosphärischen bis brachialeren Passagen, wobei hier vor allem der Wechsel aus Extremgesang und klaren, mehrstimmigen Vocals auffällig ist, die stellenweise fast ein wenig zu sehr an Nu Metal erinnern. Nichtsdestotrotz ist das ein wirklich gelungenes Stück, welches zudem schon den Weg zum Beitrag von AMIENSUS weist, der "Now Enters Dusk" heißt.

Der Beitrag von AMIENSUS ist mit einem Bild des bekannten englischen Malers John Martin versehen, dessen Gemälde auch schon bei "Gathering I" und "All Paths Lead To Death" verwendet wurden. Dieses hier trägt den Namen "Destruction of Tyre", wodurch auch beim zweiten Splitbeitrag ein biblischer Bezug gegeben ist. "Now Enters Dusk" zeigt AMIENSUS wieder in dem Stilmix, den sie auf "Restoration" und "Ascension" dargeboten und hier wiederum etwas weiterentwickelt haben. Von den Songfragmenten ausgehend, die es vom neuen Album bislang zu hören gab, dürfte dieser Splitbeitrag einen ganz guten Vorgeschmack bieten. Damit wird also nicht der schwarzmetallischere Stil von der letzten EP weiterverfolgt - was aber auch so angekündigt war.

"Now Enters Dusk" beginnt mit einer traurig-erhebenden E-Gitarren-Melodie, die den Ton für das gesamte Lied angibt, welches sich ebenso wie der Opener auf mehr als 7 Minuten erstreckt, dabei aber nicht einmal Gefahr läuft, langweilig zu werden. Nach dem eher ruhigen Anfang steigert sich das Lied immer weiter, Schreie und Growls setzen ein, bewährter Wechsel mit dem Klargesang findet statt, Blastbeats, gefühlvolle Leads und mitreißende Soli lassen sich ebenso finden und tragen ihren Teil zu dieser unterhaltsamen, erhebenden Reise bei. Diese scheint sich zwar um 5:30 herum zwar etwas zu beruhigen, aber das ist letztlich nur die Ruhe vor dem Sturm, der sich etwa eine Minute später in einem furiosen Endpart entlädt!

Das ist eine wirklich gelungene Split-Veröffentlichung, die wie aus einem Guss wirkt, was natürlich daran liegt, dass beide Bands hier wirklich kollaboriert haben. So wirken auch bei allen Stücken der Drummer und Basser von AMIENSUS mit. Zu meinem Amüsement durfte ich übrigens feststellen, dass sich AMIENSUS im zweiten Teil ihres Beitrags massiv selbst zitieren. So sind Textzeilen wie auch Riffs aus "Arise " von der "Gathering I" zu hören - was aber keineswegs stört, da es ein zitierenswerter Part ist und zudem zur Kohärenz beiträgt.

Bei dieser tollen Split-Veröffentlichung und den darüber verlorenen Worten komme ich nicht umhin, hier eine ordentliche Punktzahl zu zücken, und kann dieses Stück Musik allen Freunden melodisch-progressiven Black/Death Metals ans Herz legen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Felix Thalheim (24.01.2019)

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