PANZER SQUAD - Ruins

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VÖ: 31.08.2018
Bandinfo: PANZER SQUAD
Genre: Thrash Metal
Label: Testimony Records
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Lineup  |  Trackliste

Muss es eigentlich immer eine Steigerung des Vorangegangenen geben? Muss es immer überzogen progressiver, verwinkelter, langgezogener Neo-Thrash sein? Muss die schlichte Genialität der frühen Vertreter mit überladener Technizität, Komplexität und abgehobenen lyrischen Ergüssen überboten werden? Die Fragen nach dem musikalischen Schwanzvergleich stellen sich wie die Frage danach, ob man heute immer 48 Stunden täglich erreichbar sein muss und das für drei Personen gleichzeitig. Unser vollgepackter und überschleunigter Alltag verursacht das Verlangen nach Entspannung. Und was für den Social-Media-Native der Digital Detox ist, das sind für den reizüberfrachteten Thrash Metaller PANZER SQUAD. Die Burschen aus dem niedersächsischen Osnabrück thrashen nach alter Schule und knallen uns mit "Ruins" ihren ersten Longplayer vor den Latz.

Die zwischenzeitlich zum Trio verschlankte Truppe bezeichnet ihre Musik als eine Mischung aus Oldschool Thrash Metal und D-Deat-Punk (Hardcore Punk im Stile von DISCHARGE und dergleichen). Und in der Tat erinnert ihr rohes Geknüppel insbesondere an ihre musikalischen Urahnen wie SODOM oder KREATOR, jedoch zu Zeiten, als der Legende nach noch mancher Plattenvertrag von Muttern unterzeichnet wurde. So bieten PANZER SQUAD einen sehr schnellen und kompromisslosen Thrash Metal, der zwar bewusst roh und altbacken klingt, aber gleichzeitig druckvoll und in ansprechender Qualität produziert ist. Fronter Tobi quält seine extrem verzerrte Gitarre nach allen Regeln der Kunst und bellt ins Mikro wie ein räudiger Straßenköter. Der Opener "Extinction" setzt direkt zu Beginn ein starkes Statement und drescht sich drei Minuten lang in die Gehörgänge. Eingestreute Leads, ein Bass-Intermezzo und ein Gitarrensolo sorgen für Abwechslung. In dieser Art prügeln und marodieren sich PANZER SQUAD 40 Minuten lang durch "Ruins", ohne dabei allzusehr aus ihrer Komfortzone zu rücken. Das ist auch nicht nötig, denn in zunächst zwölf Songs gibt es durchgehend und auch zufriedenstellend auf die Glocke. Zwischendurch werden immer wieder kleine Wiederhäkchen in das Thrash-Gesäge eingespielt, die jedem Song trotz aller Geradlinigkeit seinen eigenen kleinen Charme verleihen. Die düstere Atmosphäre und das fast schon blutig klingende Brüllen des Fronters Tobi schaffen eine dezente Verbindung zu frühem Black Metal. Und auch die von der Band bekundete Nähe zum Punk und Hardcore ist in den räudigen Riffs und Schlagzeugbeats jederzeit deutlich hörbar. Der letzte Song "War System" ist daher passenderweise eine Coverversion, die im Orignal von der schwedischen Hardcore Punk-Band THE SHITLICKERS stammt.

PANZER SQUAD leben in 2018, aber sie spielen zweifelsohne zu Anfang der 1980er Jahre. Sie singen ein Loblieb auf die Anfangstage des Thrash Metal, als an den Black Metal, der einst aus der extremen Musik dieser Zeit keimen sollte, noch kaum jemand dachte. Die Stücke auf "Ruins" sind nichts für schwache Gemüter, bereiten jedoch dem hartgesottenen Headbanger eine wahre Freude. Man wünscht den Jungs eine lange Karriere - und sollten sie sich irgendwann bis in die 1990er Jahre vorgespielt haben, wünscht man ihnen die Weisheit, den (Thrash-)Zeitgeist jener Tage in stolzer Lemmy-Tradition zu ignorieren oder einfach Black Metal zu spielen.

Horns up for fucking Osnabrück!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (27.11.2018)

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