ELUVEITIE - Slania - Ten Years

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VÖ: 16.11.2018
Bandinfo: ELUVEITIE
Genre: Pagan Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Chronos dreht unerbittlich am Rad der Zeit. So abgegriffen eine Formulierung à la „Wie die Zeit geht...“ mittlerweile auch ankommen mag, trifft sie doch immer und immer wieder zu. Und schon sind wir hier, besprechen den Meilenstein einer Band, die dadurch - ohne größere Anlaufzeit übrigens - zu einer der bekanntesten neuzeitlichen Gruppierungen in ganz Europa erwachsen ist: "Slania" von ELUVEITIE. Im Februar ist es zehn Jahre alt geworden, im November erscheint eine Neuauflage mit dem sympathischen Gimmick, dass Hauptdarstellerin Slania (ein kleines Interview mit ihr ist ebenfalls im Bonusmaterial enthalten), natürlich ebenfalls älter geworden, für das Coverartwork erneut Modell stand - eine geeignete Analogie zum Jubiläum für eine Band, die mit diesem Album von einer Nischenband hin zu einem Megaseller, dessen Hymnen man bald überall und über viele Jahre hinweg hören sollte, avanciert ist. 

Mit New Wave Of Folk Metal hatte man dafür rasch einen adäquaten Untertitel zur Melange aus schwedischem Melodic Death Metal und keltischem Folk gefunden. Man muss heutzutage auch neidlos anerkennen, dass es eine derart einflussreiche Band in diesem Genre seither nicht mehr gegeben hat und ELUVEITIE immer noch einen eigentümlichen, unverkennbaren Sound vorzuweisen haben, der wahrscheinlich noch lange Bestand haben wird. Und alleine die Tatsache, dass ich diese Rezension komplett aus dem Stegreif heraus verfassen könnte, ohne nebenbei auch nur eine Note des Albums gehört haben zu müssen, spricht für die Qualität von "Slania" - und dafür, dass man daraus eigentlich sogar einen "Metalmuseum"-Beitrag hätte formen können.

Man findet darauf eben nicht nur das seinerzeit totgenudelte "Inis Mona", das sicherlich einen nicht unwesentlichen Anteil am damaligen Erfolg hatte, sondern ein in sich schlüssiges Gesamtkunstwerk mit einer Fülle an großartigen Momenten und Detailreichtum. Die Geschichte dahinter ist trotzdem interessant, wenn man sie mit dem heutigen Wissen liest: Nuclear Blast, das ELUVEITIE nach "Spirit" unter Vertrag genommen hatte, wusste zu diesem Zeitpunkt aber schon, dass das Internet für Promotionzwecke immer wichtiger werden würde und war eines der ersten Metal-Labels, welches diese Gegebenheit geschickt für sich und seine Interpreten zu nutzen wusste. Oder würdet ihr, ungeachtet eures Status gegenüber der Band, leugnen, den Song zu kennen, sobald die eröffnende Whistle-Melodie oder der Refrain ertönen? Eben.

Was mich damals wie heute beeindruckt, ist der Umstand, mit welchem Geschick für den geeigneten Zeitpunkt die Schweizer auf der Bildfläche der europäischen Metalszene erschienen sind. Während ENSIFERUM, FINNTROLL, TURISAS und Co. gerade mit finnisch beeinflusstem Folk Metal dominierten, stachen ELUVEITIE mit ungewohnter Härte und ungewohnter Folklore dazwischen und gaben dem Genre zu diesem Zeitpunkt eine völlig neue Facette. Auch wenn ich "Spirit" immer noch über "Slania" ansiedeln würde, was alleine schon eine Nebensächlichkeit ist, hatte auch letzteres die wuchtigen skandinavischen Riffs, die in ihrem eigenen Genre ja ebenfalls rarer wurden, und diese großartigen keltischen Harmonien, die nicht nur atmosphärisch nachhallen, sondern auch im Langzeitgedächtnis verweilen - nicht nur bei "The Somber Lay" und "Calling The Rain" kommen bei mir auch zehn Jährchen danach immer noch der Drang zum Headbangen und Gänsehaut ob der stimmigen Kulisse zugleich auf. Hier stimmte und stimmt einfach alles: das stimmungsvolle Intro "Samon", die akustisch-folkigen Interludes "Anagantios" und "Giamonios", die keltischen Streitkolben "Grey Sublime Archon", "Tarvos" und "Bloodstained Ground", die Hymnen "Primordial Breath" und "Slania's Song" (der Frauengesang hier ist auch eines von vielen entscheidenden Trademarks) und das beschwörende "Elembivos", das für mich nicht nur einfach einer der besten Songs der gesamten Diskografie ist, sondern auch der Inbegriff des perfekten Finales.

Wenn ich "Slania" heute höre, schwelge ich immer noch in wunderbaren Erinnerungen. Es ist eine musikalische Zeitreise mit einem zeitlosen Klassiker, der nicht mal vom etwas zu glatt geratenen Soundbild angetastet werden kann. Interessant übrigens: Dieses Album war eine der ersten Produktionen, an denen der heute omnipräsente Jens Bogren entscheidend mitgewirkt hat. Mit den fünf beiliegenden Demo-Songs kann man sich ein umfassendes Bild davon machen, wie "Slania" ohne all dies geklungen hätte, diese Versionen wiederum hätten dann aber selbst mir eine Spur zu anachronistisch geklungen.

Belassen wir es also dabei, dass "Slania" einfach ein fabelhaftes Werk zwischen melodischem Death Metal und keltischem Folk ist, das, gemeinsam mit seinem Vorgänger, auch heute noch als Referenz zu betrachten ist. Und ich hoffe inständig, dass ELUVEITIE irgendwann (vielleicht schon mit dem nächsten metallischen Album?) auch wieder an diesem Niveau anknüpfen können. Womöglich steht vielen Hörern - und so auch mir - die eigene Nostalgie im Weg, aber ein derart formvollendetes Album gelang den Schweizern seither nicht mehr - dafür mit dem neuen Line-Up mitsamt dem richtig guten "Evocation II - Pantheon" zuletzt eine überraschende Rehabilitation nach zuvor allenfalls ordentlichen Alben. Denn eines darf man, so großartig "Slania" auch sein mag, in der Rückschau nicht vergessen: Es war auch ein Wendepunkt, der das Bandgefüge nicht nur einmal auf den Prüfstand stellte und eine Reihe von Abgängen und Neuzugängen zur Folge hatte, die ELUVEITIE über viele Jahre hinweg geprägt haben. Ich möchte zum Abschluss aber auch nicht zu negativ klingen, denn das Wechselspiel zwischen Höhen und Tiefen passiert eben, wenn die Meinungen (u.A.über die zukünftige Ausrichtung) auseinandergehen, die Tourzyklen intensiver werden oder sich die einzelnen Protagonisten unterschiedlich entwickeln - das ist nur allzu menschlich und gewiss nicht verwerflich. Unter dem Strich bin ich ELUVEITIE nämlich ungemein dankbar dafür, dass sie mir das Tor in eine neue Welt geöffnet haben und ich sie in all den Jahren auf ihrer musikalischen Reise begleiten durfte, weswegen ich aufrichtig wie auch herzlich zum Geburtstag eines modernen Klassikers gratulieren möchte.

Epilog: Ob man die "Ten Years"-Ausgabe benötigt, kommt ganz darauf an, ob man das Album schon sein Eigen nennt oder eben nicht. Als Komplettist oder Die-Hard-Fan greift man ohnehin zu. Einen großen musikalischen Mehrwehrt sehe ich in dieser Veröffentlichung allerdings unabhängig all dessen nicht wirklich, zumal die ursprüngliche Pressung aus dem Jahre 2008 meines Wissens nach immer noch vereinzelt verfügbar ist. Die numerische Bewertung dieses Re-Releases spare ich mir daher also.



Ohne Bewertung
Autor: Pascal Staub (19.11.2018)

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