ELECTRIC BOYS - The Ghost Ward Diaries

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VÖ: 23.11.2018
Bandinfo: Electric Boys
Genre: Hard Rock
Label: Mighty Music
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Lineup  |  Trackliste

Die ELECTRIC BOYS sind keine Anfänger mehr, sondern man hört auch auf dem neuen Werk die Wurzeln aus dem letzten Jahrtausend. Sie machen bei „The Ghost Ward Diaries“ im Prinzip dort weiter, wo sie angefangen haben – bei dem funky-groovy Spaß-Rock, der mehr oder weniger auf all ihren Alben zu hören ist. Natürlich ist das Outfit inzwischen etwas anders als 1988. Es wurde soundtechnisch an die heutige Zeit angepasst und zeigt moderne Sequenzen sowie bluesige und klassische Rockparts, wie auch den einen oder anderen Seitenblick nach Metal oder Punk.

Aber eben nicht zu viel davon, und das wird der ELECTRIC BOYS Fan lieben, denn seine alte Band ist sich selbst treu geblieben und trägt erneut zum Spaßfaktor bzw. zur Partystimmung bei. Aktuell wird das eher eine Weihnachtsparty werden und kein Grillfest, aber egal. Der Rockfan trinkt auch gerne im Winter, und so ist ein Hangover in der kalten Jahreszeit nicht unüblich. Wenn dieser auch noch in Hannover stattfindet, kommt schon das Schmunzeln (siehe Video „Hangover in Hannover“).
Mit dieser Nummer starten die Schweden in das Album und legen textlich die Schienen Richtung Fun-Sleazy und Blödsinn. Da veröffentlicht, sollte man meinen, dass dies eine TOP Nummer vom Album ist. Ich finde den Song eher durchschnittlich. Er ist zwar eingängig aber gleichförmig im Sound. Da hätte es in meinen Augen mehrere Kandidaten auf dem Album gegeben, die ein größeres Anrecht auf ein Video haben. Mal abwarten, was sich da noch entwickeln wird.
 
Wir machen weiter. Der gefühlvollere Nachfolger „There She Goes Again“ ist vor allem geprägt vom langsamen, ruhigen Chorgesang beim Refrain, der einen ziemlichen Kontrast zum flotten Rock des restlichen Songs darstellt. „You Spark My Heart“ klingt nach großem Herz-Schmerz-Kino und somit sehr breitentauglich. Die Rhythmus- und Tempowechsel sind gut gewählt, und auch bei diesem Song bringen sie viel Herzblut mit, das man erneut im Refrain/Chorus und in den Soli hört.

Der Schwerpunkt der ELECTRIC BOYS liegt – wie schon oben gesagt – bei den funky Nummern, wie „Love Is A Funny Feeling“. Dieser Song erinnert streckenweise an Disconummern aus den 80ern gepaart mit rockigen Gitarren. Einerseits ist das so was von retro, andererseits gerade deswegen schon wieder überraschend gut. Von „Love Is A Funny Feeling“ kann man nach mehrmaligem Durchhören gar nicht genug bekommen. Eine weitere lässige, rockige Nummer ist „First The Money, Then The Honey“ – das groovt und geht ins Ohr, und man freut sich auf die nächste Party, wo man diesen Kracher loslassen kann. Die härteren Riffs zwischendurch bremsen die Stimmung nicht im Geringsten, sondern verstärken das Locker-Lässig-Feeling nur.

Die Ballade „Gone, Gone, Gone“ verlässt sich auf die Vocals und eine ruhig gespielte Gitarre mit gemütlichen Riffs sowie einem leidenschaftlichen, schmerzhaften Gitarrensolo. In fast sechs Minuten ergeht sich Conny an Erinnerungen, die bewegen und die er im Songwriting mit schönen Chören und einfühlsamen, akustischen Riffs versehen hat, und die sich schließlich mit heulendem Solo zu einem unerwartet flotten Ende hin arbeiten.

„Swampmotofrog“ klingt nicht nur beim Titel frech und schräg, sondern ist es auch beim Spielen. Die Instrumentalnummer lebt von den Riffs und verschiedenen Instrumenten und wildert in unterschiedlichen Rock-Richtungen, wie Sleaze, Blues, Rock’n’Roll, Rock-pur. „Rich Man, Poor Man“ ist ein recht ursprünglicher Rock-Song mit bluesigem Southern-Einfluss, der zeigt, dass die Band trotz nördlichem Breitengrad auch den südlichen Blues drauf hat, weil die Gitarren so schön dahinschmelzen und Mundharmonikaklänge auftauchen. Nicht ganz so bluesig, aber weiterhin guter Rock mit Blues-Anleihen ist bei „Knocked Out By Tyson“ zu hören. Die bearbeiteten Vocals sind stimmig mit dem groovigen Sound, die Riffs eher einfach, dafür aber heavy und sehr eingängig.

Mit der letzten Nummer „One Of The Fallen Angels“ zeigen sie noch mal eine große Bandbreite. Diese Nummer hat Stadion-Rock-Qualität, ist recht nahe beim Mainstream angesiedelt und besticht mit Melodie, guten Riffs, mitsingbaren Refrains und einem insgesamt runden, lockeren Gesamtkonzept bis ca. zur Mitte des Songs. Dann wird es düster und dezent gespenstisch und auf jeden Fall instrumental. Mit anderen Worten: ein schräger Abgang ist gewiss.

Die ELECTRIC BOYS haben für mich mit ”The Ghost Ward Diaries” ein lässiges Album abgeliefert, das sowohl groovige Partysongs als auch emotionelle Balladen und klassische Rock/Blues-Rock Nummern abliefert, von denen man sich lange Zeit nicht satt hören kann.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (26.11.2018)

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