AMARANTHE - Helix

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VÖ: 19.10.2018
Bandinfo: AMARANTHE
Genre: Melodic Death Metal
Label: Spinefarm Records
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Lineup  |  Trackliste

AMARANTHE verkörpern seit ihrem selftitled Debüt eine absolute Releasemaschine und selbst Besetzungswechsel schieben dem Ganzen offensichtlich keinen Riegel vor. Mitgründer Jake E. verließ die Band aufgrund von musikalischen Differenzen und während das neue Material bereits reifte, fiel die Wahl auf Nils Molin (DYNAZTY), was einen neuen männlichen Clean-Sänger angeht. Prinzipiell naheliegend, da die vergangenen DYNAZTY-Alben gar nicht so weit entfernt sind vom AMARANTHE-Sound. "Helix" heißt der neue Longplayer, der den schwachen Vorgänger doch hoffentlich vergessen macht...

"The Score" schafft das mit einer ordentlichen Portion Energie ganz gut, auch wenn mir die Vocals von Elize etwas zu penetrant eingesetzt werden mit dem ständigen Gejaule nach jeder gesungenen Zeile. Allerdings bekommen wir einen Refrain nach Maß serviert, der sich fast schon zwanghaft in die Gehörgänge fräst. Nicht wirklich was Neues, aber eine funktionierende Rezeptur. Die Single "365" wirkt dagegen fast schon unscheinbar, zündet nicht wie gewohnt beim ersten Durchgang. Aber das ist gut so! Das gibt dem Gesamtgerüst mehr Substanz und so wirkt "365" den klassischen Ohrwürmern entgegen und entfaltet seine Kraft erst im Gesamtumfang der Platte. Diese Abwege besuchen AMARANTHE dann aber doch zu selten, denn "Inferno" setzt wie gewohnt auf das alte Rezept, auch wenn ich zumindest anerkennen muss, dass der Härtegrad wieder etwas angezogen hat. Faktisch betrachtet offenbart "Helix" glaube ich die meisten Growls/Screams aller Veröffentlichungen dieser Band! Interessant gestaltet sich "CG6", das fast schon dem Industrial-Bereich zugeordnet werden könnte. Brachiale Strophen und diverse elektronische Elemente, die ein stückweit an die Veteranen von FEAR FACTORY erinnern. Wirklich beeindruckt hat mich die im Midtempo angesiedelte Nummer "My Haven", die von den Strophen bis zum Refrain eine wunderbare Steigerung hinlegt. Diese Momente gehen dem Album manchmal ab. Derartiges Songwriting würde AMARANTHE gut tun, um die typischen eher schnell voranpreschenden Hits etwas abzufangen. Allein aus dem Grund gehört "My Haven" locker zu den besten Songs, den die Jungs und das Mädel bisher veröffentlicht haben. Allein die epische Steigerung rein bis in den letzten Chorus erzeugt pure Gänsehaut!

Abgesehen von der Ballade "Unified" übernimmt Elize fast jegliche Lead Vocals und hier vermisse ich insgesamt mehr Bandbreite. Man hat drei Ausnahmetalente und lässt fast nur eines davon glänzen. Das bringt mich automatisch dazu, mich an Elize total satt zu hören. Keine Ahnung, ob Nils zu spät hinzugestoßen ist, aber bei DYNAZTY schwebt er auch nochmal in ganz anderen Sphären. Da hat man ihn hier leider überhaupt nicht positiv für sich genutzt. Hauptsächlich in Tieflagen genutzt verschenkt man hier sein Potenzial fast vollständig, so hat er doch in den Höhen seine Stärke. "Helix" bessert sich im Vergleich zum Vorgänger, bietet aber zu wenig Neues, um AMARANTHE mit diesem Release in die höchsten Höhen zu pushen. Ich wünsche mir bei einer Band, die als Experiment begann, einfach was? Genau, mehr Experimente!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Sonata (13.12.2018)

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