DEVIL'S HAND feat. MIKE SLAMER & ANDREW FREEMAN - s/t

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VÖ: 07.12.2018
Bandinfo: DEVIL'S HAND FEAT. SLAMER - FREEMAN
Genre: Melodic Hardrock
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Mike Slamer ist einer DER "Unsung Heroes" im Melodic Rock-Bereich. Er hat es zwar nie zu einer riesigen Berühmtheit gebracht, dennoch wird seinem bisherigen Schaffen allerorten mit gehörigem Respekt begegnet. Und das mehr als zu Recht. Bereits in den 70ern war er bei CITY BOY aktiv. Ansonsten sind einem noch auf Anhieb seine Zusammenarbeit mit Steve Walsh bei STREETS sowie die beiden genialen STEELHOUSE LANE-Alben ein Begriff. In den aktuelleren 2000er Jahren gab es dann Alben mit KANSAS' Billy Greer unter dem Banner SEVENTH KEY und auch ein überragendes Soloalbum namens "Nowhere Land". Gefragt ist Mike Slamer insbesondere auch als Session-Musiker, in den 80ern war er ja bekanntlich "Ghost-Gitarrist" bei etlichen bekannten Truppen wie z.B. WARRANT, für deren Gitarren-Soli er verantwortlich zeichnete, ohne dafür aber in den Credits aufgeführt zu werden.

Nach längerer Zeit gibt es nun also wieder ein Werk unter (fast) eigenem Banner. Betitelt wurde das Projekt, welches auf Frontiers Records erscheint, mit dem Namen DEVIL'S HAND FEAT. SLAMER - FREEMAN. Andrew Freeman kennt man als Sänger des LAST IN LINE-Projektes mit u.a. Vivian Campbell, wo er mehr als nur eine kleine Duftmarke hinterlassen hat.

Was bietet uns das selbstbetitelte Debut nun? Zu allererst einen fantastischen Sound. Mike Slamer gehört zu denjenigen, bei denen man nach nur ein paar Takten Musik sofort erkennt, wer dahintersteckt. Im Falle Slamer sowohl produktionstechnisch als auch gitarrentechnisch. Eine wirklich ausnehmend transparente Produktion, wie sie bei so manchen Melodic Rock-Scheiben ja nicht immer gegeben ist.

Mike Slamer erkennt man neben seinem formidablen Gitarrenspiele auch an Songs, die gigantische Hooklines aufweisen, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Und genau so geht es mit dem Album-Opener "We Come Alive" los. Treibend, melodisch und ein Chorus zum Anbeten. Genau das erwartet man von einem Album wie diesem. Auch die Stimme von Andrew Freeman passt recht gut, auch wenn er eher ein rauheres Timbre und nicht gerade die pure AOR-Stimme hat. So könnte es weitergehen. Doch an Stelle einer weiteren melodischen Hymne wird das Ganze erst einmal ziemlich bluesig. Nicht gerade das, was ich nach dem grandiosen Opener erwartet hätte. Der Song zündet auch nach weiteren Durchgängen leider nicht wirklich. Eher ein Song der "Naja"-Kategorie, leider. Bei "One More Time" wird es dann noch eine Spur langsamer und es werden Blues-Töne geliefert, die man von Mike Slamer in dem Übermaß nicht so gewohnt ist. Zwar nicht wirklich schlecht, aber ich bin nicht gerade ein Blues-Fanatiker, sodass die beiden genannten Songs für mich nicht gerade Favoriten darstellen. Einzig die sehr gute Gitarrenarbeit und die starken Vocals von Andrew Freeman sind hierbei erwähnenswert.

"Another Way To Fly" erhört mein insgeheimes Warten auf eine flotteren melodischen Song ohne Blues-Geblubber. Wieder ein famoser Track, bombastisch treibend mit einem exzellenten Chorus ausgestattet. Das ist der Mike Slamer, wie er mir vorschwebt. "Drive Away" legt sogar noch einmal geschwindigkeitstechnisch zu, ein für Slamer schon sehr harter Track, bei dem die glasklare Produktion besonders gut zur Geltung kommt. "Justified" ist eine willkommene Verschnaufpause. Die einzig richtige Ballade auf der Scheibe. Zwar fehlt mir hier ein richtiger Chorus aber dennoch ein nettes Lied für zwischendurch. Der Härtegrad wird dann auf "Rise Above It All" wieder ordentlich angezogen. Zwar keine Übernummer, aber mit einem herrlich wummernden, fast schon proggig zu nennenden, bassbetonten Mittelteil ausgestattet.

Das Quasi-Titelstück "Devil's Hand" hält das Niveau weiterhin oben. Ein sehr eingängiger Refrain, der das treibende Stück absolut  beherrscht. Definitiv Ohrwurmgefahr. Bei "Unified" hatte ich anfangs das Gefühl, dass es sich wieder um einen eher dahinplätschernden Blues-Song handeln würde, denn er beginnt ziemlich langweilig. Allerdings ist auch hier der Refrain das gewisse Etwas, das den Song aus der Masse abheben lässt. Die Verse dazwischen bleiben allerdings etwas blass. Wer bisher AOR in Reinkultur vermisst hat, wird mit "Heartbeat Away" entschädigt, einem smoothen Ohrwurm mit gewaltiger AOR-Schlagseite im Stil der seligen STREETS, nur in modernerem Soundgewand.

"Push Comes To Shove" tritt einem als Abschluss nochmal so richtig in die Weichteile, und das ist positiv gemeint. Ein harter und schneller Song, den ich auch gerne einmal live hören würde. Ob dieser Wunsch erfüllt wird, bleibt abzuwarten, denn Mike Slamer ist ja bekanntlich nicht gerade der tourfreudigste Musikant. Was bleibt: Neben den zweifellos genialen Songs der Marke "We Come Alive" oder "Another Way To Fly" haben sich leider auch ein paar wenige Skip-Tracks eingeschlichen. Insbesondere die langsamen Blues-Songs nach dem Einstand passen nicht so richtig zum Sound. Blues sollte rauh und dreckig klingen, da macht es Spass. Aber Blues-goes-AOR eher nicht so wirklich.

Dennoch ist "Devil's Hand" ein starkes, überdurchschnittliches Album geworden, welches wohl jeden Mike Slamer-Fan zufriedenstellen wird. Gute 3,5 Punkte ist mir das Werk jedenfalls locker wert.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (21.12.2018)

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