DEATH INJECTION - Victim's Night

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VÖ: 15.09.2018
Bandinfo: DEATH INJECTION
Genre: Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

DEATH INJECTION sind eine junge Death Metal Band aus Greifswald, die aus Musikern verschiedener Stilrichtungen besteht und bis dato in Eigenregie arbeitet. "Victim's Night" ist das erste Lebenszeichen der 2014 gegründeten Kapelle. Die Platte bringt es mit einem Intro und sieben regulären Songs auf 38 Minuten Spielzeit. Die Texte sind in Englisch und in Deutsch verfasst. Stilistisch liegt der Schwerpunkt im klassischen bis melodischen Death Metal mit Einflüssen aus dem Thrash und Black Metal.

Es ist kein Geheimnis, dass der beachtliche Fundus an Newcomer- und Undergroundbands eine regelrechte Goldgrube sein kann und dass es um die Metalszene nicht so schlimm bestellt ist, wie mancher vielleicht behauptet. Und auch DEATH INJECTION sind eine hörenswerte Band, die sowohl Stärken als auch Potenzial hat. Unterm Strich bleibt "Victim's Night" für mich aber in gewisser Weise ein zweischneidiges Schwert.

Zweischneidiges Schwert in dem Sinne, dass es an vielen Stellen Licht und Schatten gibt. Stärken spielen DEATH INJECTION zum Beispiel in ihrer Instrumentalarbeit und im Songwriting aus. So finden sich in eigentlich allen Songs griffige Riffs, die gut ins Ohr gehen und dort bleiben wollen. Das gilt besonders für die vielen kleinen Leads und Interludes. Ab und an geht's hier zwar noch etwas holprig zu Werke, aber das soll man gerade bei einem Erstwerk nicht überbewerten. Auf der Haben-Seite steht für mich auch, dass die Songs allesamt stimmig komponiert und arrangiert sind. Die Nummern siedeln zudem auf einem gleichbleibenden Niveau, ohne dass es nennenswerte Ausreißer nach unten gibt. In diesen Punkten besteht definitv eine solide Basis, auf deren Nährboden noch größere Taten erwachsen können.

Thematisch zeigen sich die Jungs vielfältig. So kommen einerseits klassiche, fast schon profane Themen wie "Wikinger", "Krieg" oder "Wikinger im Krieg" aufs Tablett. Die auf deutsch vorgetragene Oldschool-Death-Nummer "Schildwall" bspw. handelt von Wikingern, die in die Schlacht ziehen. Daran ist auch nichts auszusetzen, geben doch die Nordmänner eine schier unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Vor diesem Hintergrund schmerzt es daher aber auch ein wenig, dass der Text relativ einfach gestrickt ist und besonders im Refrain etwas platt wirkt. Da sich aber Klampfer Oli sehr Wikinger-affin bekennt, wird es da sicherlich noch mehr zu hören geben. Ebenfalls vom Krieg handeln "Death Ticket" und "Ode der Vernichtung". Die erste Nummer driftet in den melodischeren Death-Bereich ab und hat mit ihren treibenden Rhythmen etwas von einer Hardcore-Nummer. Inhaltlich ist es ein kritischer Blick auf den ersten Weltkrieg als den ersten industriell geführten Konflikt.

Fernab dieser Themen beschäftigen sich DEATH INJECTION auch mit gesellschaftskritischen Themen wie Missständen in sozialen Einrichtungen ("The Hate in Me") und auch persönlichen Schicksalsschlägen. So widmet das Quintett mit "Wildes Wasser" und "Die Zeit" gleich zwei Songs einer Person aus ihrem persönlichen Umfeld. Dem Thema entsprechend sind beide Stücke mit tief traurigen Melodien und Leads gespickt. Das melancholisch-atmosphärische Outro von "Wildes Wasser" kann einem das Wasser in die Augen treiben und bei der "singenden" Solopassage in "Die Zeit" geht jedem WINDIR-Fan das Herz auf.

"Victim's Night" ist, gerade wenn man bedenkt, dass es sich um die erste Veröffentlichung in Eigenregie handelt, ordentlich produziert. Allenfalls am Gitarrensound hätte ich noch etwas gefeilt, weil er für meine Ohren etwas blechern klingt. Ansonsten aber eine respektabele Leistung. Wie bereits erwähnt sind DEATH INJECTION instrumentell schon ganz gut unterwegs. Am Gesang jedoch muss noch ein wenig gefeilt werden. Fronter Fiete übt sich überwiegend in Growls und setzt hin und wieder fiese Kreischlaute nach, wie man es bspw. von SIX FEET UNDER kennt, wenn Chris Barnes die Ziege von der Leine lässt. Die Vocals klingen zwar schon ganz annehmbar, wirken aber auch noch etwas durchwachsen und ein wenig gequält. Da geht noch mehr.

DEATH INJECTION zeigen mit ihrem ersten Lebenszeichen viele interessante Ansätze und beweisen ein gutes Gespür für Songwriting und griffige Riffs. Auf der anderen Seite offenbart "Victim's Night" aber auch noch etwas Luft nach oben. Damit ist der erste Schuss der Greifswalder vielleicht noch mehr eine starke Narkose als ein echter Killer, aber ich bin überzeugt, dass sich dies auf dem zweiten Album ändern wird.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (05.01.2019)

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