BLACK MASS - Warlust

Artikel-Bild
VÖ: 15.02.2019
Bandinfo: BLACK MASS
Genre: Thrash Metal
Label: Iron Shield Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Es scheint dieser Tage modern zu sein, den neuzeitlichen Einflüssen im Metal zu entsagen und sich auf die glorreichen Anfangstage seiner Stilrichtung zu berufen. In dieser Hinsicht konnte jüngst z. B. die deutsche Band PANZER SQUAD mit ihrem Debüt punkten und auch die belgischen Speed / Thrash Metaller EVIL INVADERS sind inzwischen keine Unbekannten mehr. Im Schwarzbrotsektor luden mitunter ÆRA zur Erlebnistour zurück in die frühen 1990er Jahre. Mit diesen (freilich nicht alleine da stehenden) Bands haben die US-Amerikaner BLACK MASS eine Sache gemein: ein ausgeprägtes Interesse für ihre Ursprünge und ein gewisses Faible für Nostalgie.

Bereits das Frontcover ihres zweiten Langspielers "Warlust" lässt vermuten, dass das Bostoner Trio nicht viel auf modernen Firlefanz gibt und auch lieber keine Gefangenen macht. Die surreale und überspitzte Szenerie einer zerbombten Stadt mit einem rauchenden Krater, Schädeln und dem obligatorischen Panzer erfüllt die gängigen Klischees. Es erscheint wie die in Graphit gefasste Visualisierung des Albumtitels "Warlust" und ist in diesem Kontext gut gelungen.

Nach dem Intro legen BLACK MASS mit ihrem auf Geschwindigkeit gebügelten 1980er-Jahre Thrash Metal los. Mit dem Titelsong "Warlust" gibt es direkt und ohne Umschweife auf die Zwölf. Die schnelle Abrissbirne prescht ohne jeglichen Popanz nach vorne und grenzt an eine Vergewaltigung der dicken E-Saite. Die Thrasher orientieren sich dabei an alten Recken wie SLAYER oder DESTRUCTION. "High Priest In Black" oder das grandiose "Hellhound" glänzen mit "südbadischen" Riffs, beim Höllenhund wird auch gerne mal die Blastbeat-Keule auspackt. Neben den Thrash-Altmeistern schimmern auch besonders Bands durch, die am Anfang der Black Metal Bewegung standen oder diese mit beeinflusst hatten. So möge man sich nicht wundern, wenn hier und da ein wenig VENOM oder DARKTHRONE hervortreten. Brendan O'Hares diabolischer Gesang und sein fieses Knurren leisten hier gute Dienste. Allen Songs gemein ist die ungestüme Geschwindigkeit und der Hang zur totalen Eskalation. Das gilt interessanterweise nicht nur für die Songs, die direkt von Null auf Hundert beschleunigen. Auch das groovende "Bible Stomp" beginnt zunächst im gemäßigten Tempo, mündet aber zum Ende hin doch wieder in ein herrliches Chaos. Dazu passt der sehr hektische Schlagzeugstil Alex Fewells, der nur selten lange in einem Beat verbleibt und permanent in der Schießbude ausrastet. Der lässige "Graveyard Rock" hebt die ohnehin schon vorhandene Portion Punk und Rock´n´Roll besonders deutlich hervor. Ausgefeilte Bassspuren und die erdige Alte-Schule-Produktion runden die Sache ab.

BLACK MASS nehmen den Hörer mit auf eine kurzweilige und gut gezockte Reise in die 1980er und pimpen ihren Thrash mit frühen Formen von Black Metal. "Warlust" bietet bekömmliche Kost, wenn man "Hell Awaits" und "Infernal Overkill" schon im Schlaf singen kann und mit modernerem Thrash Metal nicht so recht warm werden möchte.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (09.02.2019)

WERBUNG: Area 53 Festival 2019
ANZEIGE
WERBUNG: Escape Metalcorner
ANZEIGE