DESERTED FEAR - Drowned By Humanity

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VÖ: 08.02.2019
Bandinfo: DESERTED FEAR
Genre: Melodic Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Die Thüringer von DESERTED FEAR kann man getrost als Aufsteiger bezeichnen. Gegründet in 2007, legen die Death Metaller dieser Tage ihr viertes Studioalbum vor. Dauerte es bis zur Veröffentlichung ihres Debuts "My Empire" (2012) noch fünf Jahre, läuft es seit diesem Startschuss Schlag auf Schlag. Im stabilen Zwei- bis Dreijahresrhythmus hagelt es neue Prügel aus Eisenberg und auch die Fachmedien sind zufrieden. Zum Release ihres dritten Werks "Dead Shores Rising" schlug Century Media Records zu und nahm DESERTED FEAR unter Vertrag, obendrein schaffte der Silberling es auf Platz 41 der deutschen Albumcharts. Nicht, dass der gemeine Mattenträger etwas auf Charts geben würde, aber den bisherigen Erfolg der Band dokumentiert diese Platzierung allemal.

Konsequente Weiterentwicklung ohne Identitätsverlust

Und ehe man sich überhaupt mal so richtig an "Dead Shores Rising" gewöhnt und den Langläufer qualmend aus dem heimischen Soundsystem bugsiert hatte, steht nach nur zwei Jahren schon der Nachfolger "Drowned By Humanity" vor der Tür. Die Thüringer scheinen sich gerade in einem kreativen Höhenflug zu befinden, wonach sich direkt die Frage aufdrängt, ob man sich bei einem solchen Feuereifer nicht gerne die Flügel verbrennt.

Mitnichten. "Drowned By Humanity" zieht zwar die ohnehin schon vorhandene Melodieverliebtheit der Thüringer abermals an und macht ihre Musik damit noch einen Ticken bekömmlicher. Beim Herausdestillieren der eingängigen Komponente ihrer Musik behalten sie jedoch ihren bewährten Härtegrad bei und lehnen sich stilistisch nicht allzu weit aus dem Fenster. Damit bleiben DESERTED FEAR sie selbst, verfeinern aber ihren gewachsenen Stil in einer logischen Art und Weise. Sie servieren nach wie vor ihren ausgefeilten Melodic Death Metal, angereichert mit gepfefferten Breakdowns und verfeinert mit zahlreichen melodischen Finessen wie Oktaven-Riffs, Leads, usw. Die Einflüsse aus dem traditionellen Schweden-Death sind noch ansatzweise vorhanden, werden aber zusehends von moderneren Ansätzen abgelöst. So ähneln DESERTED FEAR auf "Drowned By Humanity" mehr ARCH ENEMY oder AMON AMARTH als UNLEASHED, um es weiterhin "auf schwedisch" auszudrücken.

Live-Stoff für die anstehende Festivalsaison

"Drowned By Humanity" beginnt standesgemäß mit einem Intro, dieses Mal von der heroisch anmutenden Sorte, das flankiert von Chören und Bläsern die neue Scheibe einläutet. Nach diesem Appetitmacher steigt "All Will Fall" ein und gibt direkt die Stoßrichtung des neuen Werks vor. Fette Breakdownriffs, die massiven Granit zum Bersten bringen, treffen in perfekter Symbiose auf eine überzeugend ausgebaute Arbeit an der Leadgitarre. Während "An Everlasting Dawn" erst einmal kräftig auf's Gaspedal tritt, lässt "The Final Chapter" mit Abstrichen an Zeiten von "My Empire" zurückdenken. Hier streuen DESERTED FEAR wieder einen kleinen Deut von altem Schweden-Death ein und spielen uns einen Song, zu dem auch ein Johan Hegg vermutlich nicht um ein Gast-Ständchen verlegen wäre. Im Refrain schaffen sie verträumt-harmonische Klanglandschaften zum Abtauchen. "Reflect The Storm" punktet mit starken Hooklines und huldigt in der Bridge BEHEMOTHs "Conquer All", zu dem die Polen einst von ANTHRAX "inspiriert" wurden. Mit "Across The Open Sea" gibt es ein obligatorisches Interlude, das hier allerdings erfrischend kurz gehalten ist. So kann es ohne große Umschweife mit dem moshpittauglichen "Welcome To Reality" weitergehen. Es folgt weiterhin starker Stoff, wobei mir persönlich "Scars Of Wisdom" mit am stärksten im Gedächtnis bleibt. Obendrein gibt es den Bonussong "Die In Vain" und eine Neuaufnahme der 2010er Demo "Tear Of My Throne". Mit knapp 50 Minuten Laufzeit bekommt man hier also einiges geboten und das Beste ist, die Songs sind absolut livetauglich - die Festivalgigs im kommenden Sommer dürften damit ein voller Erfolg werden.

Ein Album für die Geschichtsbücher?

Mit "Drowned By Humanity" konnten DESERTED FEAR ihren Stil  weiter verfeinern, ohne dabei ihre Trademarks zu vernachlässigen und ohne käsige Pop-Allüren einzuspielen. Für diese abermals gelungene Symbiose aus Härte und Eingängikeit darf man ihnen dankbar sein und sich wünschen, dass sie den eingeschlagenen Weg auch weiterhin beschreiten. Mit ihrem neuen Werk zeigen sich die Eisenberger in Bestform und hämmern förmlich gegen die Pforte zum Metal-Olymp. Ob sie diese nicht schon längst durchschritten haben, werden einst die Annalen der extremen Tonkunst überliefern.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (07.02.2019)

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