RELINQUISHED - Addictivities Part 1

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VÖ: 25.01.2019
Bandinfo: Relinquished
Genre: Dark Metal
Label: NRT-Records
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Lineup  |  Trackliste

Gut Ding will Weile haben. Und im heiligen Land Tirol, das viele starke Acts aus der extremen Metal-Ecke beheimatet, gehen die Uhren sowieso anders. Fünf Jahre nach dem letzten Album „Onward Anguishes“ und pünktlich zum 15-jährigen Bandjubiläum kommen die Düster-Metaller von RELINQUISHED mit einem neuen Langspieler um die Ecke. Thematisch wieder als Konzeptalbum angesiedelt, erzählt „Addictivities Part 1“ die Geschichte eines Drogensüchtigen und geht mit dem Protagonisten Daniel durch die Höhen und Tiefen einer Suchterkrankung. Dabei versteht sich das dritte Album als eine Art Prolog, das die Brücke zurück zum Debütalbum „Susanna Lies In Ashes“ schlägt, dessen Vorgeschichte wir nun serviert bekommen.

Musikalisch haben RELINQUISHED an ein paar kleineren Stellschrauben nachjustiert, bleiben dabei aber ihrem außergewöhnlichen Stil, der sich gekonnt jeder Klassifikation entzieht, treu. Zwischen Prog, Melodic Death, Black und Doom loten die Tiroler, passend zu ihrem Themenkreis, auch musikalisch die finstersten Tiefen diverser metallischer Strömungen aus. Mit beeindruckender stilistischer Bandbreite tanzen RELINQUISHED auf einem akustischen Vulkan brodelnden Riffings, der mit progressiven Einschüben und harschen Eruptionen alles andere als fluffigen Easy-Listening-Stoff liefert.

Dabei beginnt das Album sehr atmosphärisch und offenbart im Opener „Expectations“ gar ein wenig flirrende post-metallische Einschläge, während die charakteristische Verbindung aus harschen Vocals und geflüsterten Passagen den Hörer schnell in den Themenkreis des Albums zieht.  Zwischen finsteren Gitarrenläufen mit Gegrunze und atmosphärischer Traurigkeit, die von eindringlichen Vocals in Szene gesetzt wird, erweist sich „Bundle Of Nerves“ gerade durch seinen Schlusspart als besonders nachhaltig. Schwer, niederschmetternd, dennoch getragen und mit fast leichtfüßiger Progressivität erfreut der achtminütige Brocken „Avalanche Of Impressions“ danach die Gehörgänge von Freunden komplexer Klangkost.

Das effektgeladene Zwischenspiel „Pulse“, das als Intro für das folgende „Damaged For Good“ fungiert, verortet man zunächst fälschlicherweise als elektronisches Experiment, doch ist hier ausschließlich die Effektburg eines Gitarristen am Werk, wie uns Bandleader Vast im Interview bestätigte. Entsprechend finden sich die Sounds dann in der Bridge des düster und bedrohlich klingenden Folgetitels wieder, welcher mit tonnenschwerem, fast doomigen Riffing an den Wänden des Verstandes kratzt. Das aggressive „Syringe“ setzt auf partielle Uptempo-Eruptionen im komplexen, von Tempowechseln geprägten Grundgerüst. „Zero“ beginnt getragen, offenbart dann aber eine deutlich schwarzmetallische Schlagseite, während „Into The Black“ mit komplexer Rhythmik fragile, melancholische Passagen mit Flüstergesang und harsche Passagen vereint, während die schweren, in den Keller gestimmten Gitarren erneut die Tore ins Doom-Universum weit aufstoßen. Besonders der aggressive, geradezu verzweifelte Schlussteil kann nachhaltig beeindrucken.

Mit dem abschließenden „Void Of My Ashen Soul“ kommen RELINQUISHED gemäß den Anlagen, die sich über das Album verteilt herauskristallisieren, im wohl düstersten musikalischen Bereich an. Monotones Zeitlupengehämmere im tiefsten Gitarrenfrequenzbereich, mit mal dissonanten, dann wieder atmosphärisch-spacigen Einsprengseln führt zu einem langen, ganz sachte ausfadenden Schlussteil, der das Album sanft ausleitet.

Wer RELINQUISHED auflegt, der sollte schon etwa fünfzig Minuten Zeit mitbringen, sowie seine Scheuklappen erst einmal ablegen. Denn die Tiroler verquicken auf „Addictivities Part 1“ erneut eine beeindruckende Bandbreite an Einflüssen zu einem aus der Masse herausstechenden kleinen Juwel von Album. Wer gerne auf düsteren musikalischen Pfaden wandelt, der kann dies mit RELINQUISHED auf komplex-progressive Weise tun, die trotz alledem nicht zu verkopft und hochtrabend einherkommt. Die eingewobenen doomigen Elemente erden den Hörer immer wieder und die harschen Vocals und die pointierten Eruptionen im Black- und Death-Bereich lassen auch die Connaisseure extremerer Spielarten nicht zu kurz kommen. Ein Album von internationalem Format, das tumbem Gebolze mit Stil eine lange Nase zeigt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (21.01.2019)

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