ARCH ENEMY - Covered In Blood

Artikel-Bild
VÖ: 18.01.2019
Bandinfo: ARCH ENEMY
Genre: Melodic Death Metal
Label: Century Media Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Die schwedischen Melo-Deather ARCH ENEMY befinden sich gefühlt, bzw. beobachtet seit der Mikro-Übergabe an Alissa White-Gluz, in einer Art Höhenflug. Seit dem Erfolg von "War Eternal", dem Debut der blauhaarigen Kanadierin an der ARCH-ENEMY-Front besuchen einen die Schweden quasi jährlich vor der Haustür und werden auf prominenten Festivals mit Headlinerslots geehrt. Die Wartezeit zum Nachfolger der aktuellen Platte "Will to Power" verkürzt man den Fans mit "Covered in Blood", auf dem ARCH ENEMY Coverversionen aller Musikzeitalter zusammenstellen.

Die metallisierten Stücke reichen von klassischem Heavy Metal der Marke IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST oder MANOWAR über den deftigeren Metalbereich (CARCASS) bis zurück zu den Vorläufern des extremen Metal aus der Hardcore- / Punk-Ecke (SKITSLICKERS, DISCHARGE, G.B.H.). Auch vor genrefremden Popsongs schrecken ARCH ENEMY nicht zurück und beginnen "Covered in Blood" direkt mit dem TEARS FOR FEARS-Cover "Shout". Das interessante an metallisierten Popsongs ist, dass man nicht selten zu der Erkenntnis gelangt, dass diese Songs gar nicht mal so übel sind, wenn sie denn mit gescheiten Instrumenten gespielt und mit wohlklingendem Gutturalgesang vorgetragen werden. In anderen Fällen bleibt hingegen nach einem ungläubigen Heben der Augenbraue das ernüchternde Gefühl, dass man das besagte Stück zwar im Metalgewand covern kann, es im Umkehrschluss aber auch nicht zwingend muss. Und ehrlich - ich wollte "Shout" zuerst gnadenlos in die zweite Kategorie verfrachten. Nach dem ein oder anderen Durchgang fängt die Nummer dann aber doch an, zu gefallen, was für mich besonders an Alissas Gesangskünsten und dem etwas schizophrenen "Selbstduett" aus gutturalen und cleanen Vocals liegt.

JUDAS PRIESTs "Breaking the Law" stuften die Schweden ursprünglich als "nicht coverbar" ein, weil es zu sehr Klassiker und zu beliebt ist. Ein ehrenwerter Vorsatz, an den sie sich ganz dem Songtitel anbiedernd nicht gehalten haben. Der Entschluss war für mich aber, Sakrileg hin oder her, richtig. Die Version wurde so weit archifiziert, dass sie nicht nur vergnügsam anzuhören ist, sondern auch mehr ist als das stumpfe Nachspielen eines Klassikers. Mit ihrer Interpretation von "Breaking the Law" springen uns ARCH ENEMY angriffslustig mit gepfefferten Melodeath-Riffs und donnerndem Doublebass ins Gesicht - da kauft man ihnen glatt (nochmal) ab, dass sie den Songtext mit Leib und Seele leben.

Einen großen Tribut zollen ARCH ENEMY dem Hardcore Punk und speziell dem D-Beat. So wird neben "Warning" der genrebezeichnenden DISCHARGE gleich die ganze "GBG 82"-EP der SKITSLICKERS (a.k.a. THE SHITLICKERS) durchgebügelt. Damit erinnern Alissa und Co. auskömmlich an die längst aufgelöste Kultband und tun es den Jungs von PANZER SQUAD gleich, die auf ihrem Debut kürzlich ebenfalls "Warsystem" zum Besten gaben. Über Sinn und Unsinn lässt sich hier wahrlich streiten, denn, wenn man den Kultstatus besagter Hardcore Punk Kombo außen vor lässt, klingen die vier Songs doch naturgemäß recht ähnlich. Zudem gibt es mit MODERAT LIKVIDATIONs "Nitad" und ANTI-CIMEXs "When The Innocent Die" noch reichlich D-Beat auf die Ohren. Glücklicherweise hat man mit G.B.H.s "City Baby Attacked By Rats" noch eine gelungene, sich hiervon abhebende Punknummer eingebaut.

Neben diesen neueren, von Alissa eingesungenen Coverversionen finden sich auf "Covered in Blood" auch die ganzen älteren Coversongs mit Angela Gossow und sogar mit Ur-Sänger Johan Liiva, darunter der böse Zwilling von IRON MAIDENs "Aces High". Ebenfalls an Bord ist der (un)freiwillig komische Vortrag von MEGADETHs "Symphony of Destruction", zu dem man Michael Amotts Beschrieb als "A ridiculously dark and heavy version of the Megadeth classic" voll und ganz unterschreiben kann.

Die älteren Coverversionen dürften alteingesessenen ARCH ENEMY Fans geläufig sein, schließlich sind sie alle über die Jahre hinweg in irgendeiner Form bereits erschienen. Mit den neuren, auf Hardcore und Punk fokussierten Interpretationen kommt auch die noch relativ "dienstjunge" Sängerin Alissa White-Gluz gebührend zu Wort. Über 24 Songs und 70 Minuten kann man sich nicht wirklich beschweren, zumal die meisten Coverversionen recht gut anzuhören sind. Letztlich scheiden sich an Coverversionen oft die Geister und so stellt sich auch für "Covered in Blood" die Frage, ob man diese Veröffentlichung braucht oder nicht. Die Antwort darauf bleibt wohl Geschmackssache.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (17.01.2019)

WERBUNG: Uzziel
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE