PUPPY - The Goat

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VÖ: 25.01.2019
Bandinfo: PUPPY
Genre: Rock
Label: Spinefarm Records
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Lineup  |  Trackliste

You have until the new year to throw your current favourite records in the bin because our debut album “The Goat” will be released worldwide on January 25th 2019.

Hört hört, ganz schön großspurige Ankündigung von den im Jahre 2015 gegründeten PUPPY, die hier und da bereits als das nächste große Ding nach GHOST gehandelt werden. Und das, obschon GHOST selbst nach wie vor „das nächste große Ding“ sind, immer noch die Gunst der Stunde nutzen und daher meilenweit von der Irrelevanz, geschweige denn vom todesbedingten Abkühlungsprozess entlegen sind. Betrachtet man aber den Bandnamen (wäre bei anderen Künstlern sicherlich nicht die erste Wahl für eine Rock- oder Metalband) sowie die unterhaltsamen und aufwändig gestalteten Videoproduktionen des Trios, wird einem aber auch schnell klar, dass all das mit einem lässigen Augenzwinkern abgearbeitet wird. Keine Kostüme, kein allzu ausgeklügeltes Selbstvermarktungkonzept - stattdessen sieht man drei bodenständige, in allerfeinsten Streetwearzwirn gehüllte Jungs, die halt keinen Bock darauf hatten, die trillionste Metalcore-Band zu sein, sondern sich eben auf eine Mische aus klassischem Hard Rock sowie variierenden Anteilen aus Prog- und Alternative Rock festlegten, die laut Promobogen irgendwo zwischen THE SMASHING PUMPKINS, WEEZER und GHOST pendeln soll.

Glücklicherweise habe ich von den beiden Erstgenannten absolut überhaupt keinen Dunst, weswegen ich euch das nicht mit wissenschaftlicher Präzision validieren kann, aber zumindest die musikalischen - und vor allem gesanglichen - Parallelen zu GHOST lassen sich nur schwer widerlegen, wenn Gitarrist und Sänger Jock Norton in "Black Hole" zum allerersten Mal die Pforten öffnet. Da hören die Gemeinsamkeiten, abgesehen von ein paar stilistischen Überschneidungen hier und da, aber auch schon auf; wobei man sich auch im Aspekt Hitlastigkeit gewissermaßen schneidet: Es dauert keine drei vollständigen Hördurchläufe, da könnte man - unter der Dusche hört's und sieht's ja eh keiner - mehr als die Hälfte der Songs bereits inbrünstig mitschmettern oder die hervorragenden Gitarrenhooks auf der unsichtbaren Klampfe mitriffen. Wenn's selbst einem Nieselpriem meiner Coleur peinlich wäre, wenn er hier nicht mit einem verschmitzten Lächeln zur Darbietung abginge, haben PUPPY wirklich ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Auch wenn das Artwork anderes vermuten lässt: Was die Briten hier abspulen, ist beileibe kein Hexenwerk. Dafür aber eine Form der hohen Songwritingschule, wenn man bedenkt, dass lediglich drei der insgesamt zwölf Songs überhaupt mal über die vierminütige Marke schreiten. Das eine soll das andere ausschließen? Sicherlich ein herkömmlicher Irrglaube, denn auch prägnant komponierte und dermaßen eingängige Songs à la "Entombed" oder "Vengeance" wollen erstmal geschrieben werden. PUPPY haben ein Händchen für waschechte Hits, lassen das den Hörer aber nicht immer so auffällig wie bei diesen beiden Beispielen spüren. "Bathe In Blood" beispielsweise erinnert mich persönlich ein wenig an düsterere Nummern aus den Anfangszeiten von Grunge und Nu Metal, "Nightwalker" könnte auch eine balladeskere Nummer auf einem Horror Punk Album sein und "And So I Burn..." sowie "World Stands Still" gefallen sich gar in ihrer Rolle als Hybrid aus traditionellem Heavy Metal Anthem und Alternative Rock. Dazwischen und am Ende findet man dann noch geradlinigere Stücke wie "Just Like You", "Handlebars" oder auch "Demons", die man sich erst erarbeiten muss, aber das trägt dann eben auch zum Gesamteindruck bei, dass es sich bei "The Goat" nicht ausschließlich um Easy Listening handeln könnte, sondern vielleicht doch um etwas doppelbödiges, das dann dementsprechend auch eine hohe Halbwertszeit genießt.

Das aber ist momentan noch reine Zukunftmusik. Nach etwas mehr als einer Woche mit "The Goat" kann ich die Langzeitwirkung von PUPPY und ihrer einprägsamen Melange aus poppigen Refrains, gelungenen Stilsprüngen und durchaus unterhaltsamen Texten nicht wirklich verlässlich beurteilen, aber für den Moment lässt es sich zumindest für mich mühelos nachvollziehen, warum das Trio bereits jetzt schon in höchsten Jubelarien gepriesen wird. Welchen sich verselbstverständigenden Lauf eine solche Geschichte nehmen kann, weiß man ja bereits von GHOST, weswegen man fortan also gespannt beobachten darf, ob PUPPY ganz ohne Kostümierung und Kathedralen als Bühnenbild einen kometenhaften Aufstieg zelebrieren oder ob sie am Ende vielleicht doch nur ein One-Hit-Wonder bleiben werden. Für ein Debüt ist "The Goat" aber dennoch schon erstaunlich reif und daher natürlich auch für all diejenigen, die gerne mal abseits von herkömmlichen Metalpfaden wandern, empfehlenswert.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (21.01.2019)

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