AENIMUS - Dreamcatcher

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VÖ: 22.02.2019
Bandinfo: AENIMUS
Genre: Deathcore
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

With an arsenal of technical skills ready to unleash upon the world, Bay Area natives AENIMUS are proud to announce their upcoming sophomore album, "Dreamcatcher".

Es ist ziemlich ungewöhnlich für mich, zwei quasi aufeinanderfolgende Rezensionen mit demelben Trick, dem Zitieren einer Promosheet-Passage, zu beginnen, aber im hiesigen Fall fällt mir einmal mehr besonders stark auf, warum das Core-Genre für mich allenfalls noch ein Randthema darstellt: weil man alle paar Jahre eine neue Masche entdeckt und diese dann scheinbar endlos lange ausgelotet wird. Aktuell im Trend: Ein "Progressive"- oder "Technical"-Etikett vor die Genrebezeichung setzen und schon gilt man als erfinderisch. So einfach ist es aber nicht, und auch wenn dieser Einstieg zu AENIMUS' "Dreamcatcher" dem ein oder anderen eine Spur zu tendenziös erscheint, passiert den Amerikanern - meiner Meinung nach - genau dasselbe Malheur wie vielen anderen ihrer Kollegen: Sie verwechseln technische Expertise mit dem Talent für Songwriting und mit stereotypen Vocals angereichertes, zielloses Gitarrengefummel mit guten Songs.

Ein hartes Urteil? Womöglich. Aber hat mich der Einstieg mit "Before The Eons" (die Single war einer der Gründe, warum ich mich diesem Thema überhaupt angenommen habe), dem Switchen zwischen hartem Geknüppel und verspielt-melodischen Ruhephasen, noch überzeugt, ist mir dieser Vortrag auf fast eine Stunde Spielzeit gestreckt viel zu eindimensional, als dass er mich auch nur im Ansatz fesseln würde. Das ist deshalb schade, weil das lyrische Konzept, das von Stephen Kings "Es", Kubricks Film "The Shining" und Harris' "Hannibal Lecter" inspiriert ist, in Kombination mit dem Artwork durchaus einiges mehr hergäbe als es die tatsächliche musikalische Herangehensweise vermuten lässt. Diese hingegen ist alles andere als progressiv oder neuartig, eher stagnant und im negativen Sinne State of the Art, sodass selbst die namhaftesten Gastbeiträge von Herrschaften wie Mike Semesky (RAUNCHY, INTERVALS) bis Brian James (FALLUJAH) wenig Kaschierarbeit leisten können.

Desöfteren kommt es vor, dass ich mich und meine Standards in einem Anflug von Selbstreflexion hinterfrage. Gehe ich speziell bei Core-Releases oftmals zu hart mit den Bands in die Analyse, wende ich dieselben Maßstäbe auch bei Genres an, für die ich eine Affinitität hege? Ich bin mir relativ sicher, dass ich letzteres tue und oftmals lediglich das Pech habe, mir gerade deshalb im Core-Bereich die Negativbeispiele herauszupicken, weil ich, anders als in anderen Genres, die ich mittlerweile schon deutlich konsequenter filtere, immer noch der Überzeugung bin, es müsse doch zwischen all den tausenden Abziehbildern zumindest mehr als ein oder zwei brauchbare Bands geben, die ein bisschen Wiedererkennungswert besitzen - und die gibt wahrscheinlich auch, aber für den Weg dahin braucht man, nein, bräuchte ich wohl eine beträchtlichere Schmerzgrenze. Und auch bei AENIMUS geht es mir gar nicht zwingend darum, dass ich eine musikalische Revolution vorraussetze, sondern vielmehr darum, seiner Kunst etwas mehr Leben einzuhauchen, als das auf "Dreamcatcher" letztlich geschehen ist. Bis auf wenige Spielereien von elektronischer Ambience bis hin zu melodischen Soli ist das zwar nämlich alles technisch einwandfrei und fett produziert, irgendwo aber auch komplett durchschnittlich und belanglos, wodurch man sich selbst nach zahlreichen Durchgängen tränenden Blickes und völlig verzweifelt nach der verlorenen Zeit umdreht, weil man immer noch nicht eine einzelne erinnernswerte Passage gefunden hat.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (18.02.2019)

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