BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE - All These Fiendish Things

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VÖ: 08.02.2019
Bandinfo: BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE
Genre: Rockabilly
Label: Schlitzer-Pepi Records
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Lineup  |  Trackliste

Man kann sie ja mittlerweile schon als österreichische Institution bezeichnen, als Musik-Botschafter und Aushängeschild, nicht nur der Horrorpunk-Szene, denn die Zombies machen uns gerne auch mal den gepflegten Crossover, vermischen immer schon verschiedenste Einflüsse vom Chanson bis zum Thrash Metal und bleiben sich dabei immer treu. So auch auf ihrem mittlerweile achten Longplayer „All These Fiendish Things“, der stilistisch vielleicht ein bisschen weniger Schlenkerer macht als seine Vorgänger, aber unterm Strich dafür so ziemlich das solideste Werk der Horror-Truppe sein dürfte.

Das hat vor allem damit zu tun, dass „All These Fiendish Things“ zunächst wie aus einem Guss klingt. Zwar sucht man schrullig-morbide Lieder wie „Der Kopf deiner Mutter“ oder „Singende Kinder“ diesmal vergebens, wird aber durch zwölf punkig-rock’n’rollige Tracks entschädigt, die vielleicht manchmal zu sehr an NOFX oder GREEN DAY erinnern (das Qualitätslevel jedoch immer noch zusätzlich anheben, wie etwa bei „Sleepaway Camp `95“ …), aber immer erdig, ehrlich, eben immer noch echt Zombie sind. Die Platte macht dadurch vom Start weg Spaß, die Songs bleiben so dermaßen klebrig-süß im Gehörgang picken, dass man sie selbst mit killernietengespickten Wattestäbchen nicht mehr richtig da raus bekommt. Soll man ja auch nicht.

Hier gibt’s – ganz wie zu erwarten – just Killers, no Fillers. Und auch wenn die Zombies ihren altgedienten Bassisten Dr. He-Man Schreck wegen familiärer Verpflichtungen ziehen lassen mussten (…der gute Mann hat mittlerweile zwei kleine Zombies in die Welt gesetzt, ließ es sich aber nicht nehmen, bei vier Songs mit seinem unvergleichlichen Double Bass-Spiel zu glänzen!), so haben sie mit Dejan Decay einen adäquaten Ersatz-Zombie gefunden, der fürderhin sowohl die stehenden als auch die hängenden Bassgitarren malträtieren wird. Aber - auch wenn die Platte von vorne bis hinten nach einer fetten, blutig-morbiden Horrorparty klingt – Dead Richy Gein, Jim Evilize, Reverend Bloodbath und Dejan Decay haben sehr wohl auch ein wenig nachdenklich-kritische Dinge mit eingewoben, manchmal ironisch versteckt, manchmal eher offensichtlich, wie in der Halbballade „God’s Own Mistake“, die sich am Ende in eine unerwartete IRON MAIDEN-Huldigung aufschwingt. Das soll nicht funktionieren? Aber hallo krawallo!

Der flotte Speed-Rock-Song „Helluzinations“ ist das beste Beispiel, wie der Zombie-Schmäh dich von hinten nimmt (ja ja, denkt euch nur wieder euren schweinischen Teil! Ihr Ferkel!), wie dich die hypnotischen Horror-Tunes einlullen um dich mit spinnwebenartigen Geräuschen gefügig und wehrlos zu machen! Das bereits als Single ausgekoppelte „Bela Kiss“ mit Melodie und Refrain für die Ewigkeit führt uns einmal mehr vor Augen und Ohren, warum die Zombies heute dort sind, wo sie sind: Das ist nämlich ganz großes Kino (ja, auch das zugehörige Video natürlich!), ebenso wie „Nice Day For An Exorcism“, das man als schicke Ouija-Board-Single-Version schon vorab bestellen konnte.

Ein wenig zu sehr Richtung Radio-Mainstream wagen sich die Burschen dann zwar  mit „Night Flyer“, bleiben aber dabei immer noch als Zombies erkennbar, und die Nummer ist so dermaßen hitverdächtig, dass sie uns in Zukunft wohl noch öfters auf den verschiedensten Tanzfächen der Undergroundrepublik heimsuchen wird! Die gewohnt überspitzt abgehandelten Horror-Themen verfolgen uns diesmal in Form von „Janet Leigh“ (Ihr Psycho-Schrei ist nicht nur bei Zombies legendär!), der Hommage an den seichten 80s-Horror „Sleepaway Camp `95“, den „Rock’n’Roll Vampires“ und einer „Good Guy Rag Doll“, die uns ja eigentlich gar nichts Böses will. Oder etwa doch…?!

Nicht umsonst haben die Zombies bereits den Amadeus in der Tasche (auch wenn das bekanntlich ja wenig aussagt über die wirklichen Qualitäten einer Band), genießen in der Szene – vor allem in Deutschland - so was wie einen unantastbaren Kultstatus und Happenings wie die legendären „X-Mas Jamborees“ werden uns wohl auf ewig in wohlig-warmer Erinnerung bleiben. Aber auch Zombies schauen in die Zukunft, und die wird spooky, horrorbilly, rockig, klebrig und immer schön am schmalen Pfad zwischen Genie und Wahnsinn entlang. Und wie wir alle wissen, ist dieser Weg heutzutage der einzig richtige.

Was Ober-Zombie Dead "Richy" Gein zu alledem zu sagen hat, erfahrt ihr in unserem INTERVIEW !



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (08.02.2019)

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