BLUTENGEL - Un:Gott

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VÖ: 15.02.2019
Bandinfo: BLUTENGEL
Genre: Electro Gothic
Label: Out of Line
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Lineup  |  Trackliste

Da BLUTENGEL Fans nicht genug von ihrer Lieblingsband bekommen können, haben sich Chris Pohl und Ulrike Goldmann wieder ins Studio begeben, um einen neuen Longplayer aufzunehmen. Wobei bei BLUTENGEL das Wort „Longplayer“ der Wahrheit entspricht, dann mit nur zehn neuen Nummern geben sie sich nie ab. Diesmal sind es 15 neue Lieder plus 9 Bonustracks. Wie üblich sind die Bonus-Songs Nummern aus dem ersten Teil, neu abgemischt und aufgepeppt, sodass man auch noch andere Blickwinkel auf die Stücke erhält.
 
Wie auch früher sind auf dem Album englischsprachige und deutschsprachige Liedtexte bunt gemischt, wobei sich die Fremdsprachentexte in der Überzahl befinden.

„Un:Gott“ versucht eine Brücke zu schlagen zwischen dem, wie BLUTENGEL vor 20 Jahren begonnen haben, und dem, was sie heute sind. Zum Teil ist dies gelungen, es gibt mehrere Songs, die wieder an die Werke von früher erinnern. Die Tanz-Beats sind da, die Texte dramatisch und dunkel wie gewohnt und der Sound beinhaltet viel Elektronik, die typischen Gesangs-Duette und eine gehörige Portion Melancholie. Insgesamt kommt das Album aber noch nicht an frühere heran, manche Songs plätschern leider nur dahin und liefern einen gleichmäßigen Einheitssound, den man nicht durchhält, sondern zum nächsten Song hüpft.

Auch die Thematik, die sich durch das Album zieht, ist wieder ganz typisch dunkel-düster: „Un:Gott“ – also „nicht Gott sein“ – erlaubt einiges an unterschiedlichen Inhalten zu transportieren. So ist es nicht verwunderlich, dass das beliebte Vampir-Thema, für das BLUTENGEL in der Szene bekannt ist, wieder aufgenommen wurde.

Ob nun die deutschsprachigen Songs oder die englischen besser sind, kann man nicht sagen, es ist Song-spezifisch. Das deutsche „König“ kommt recht nahe an Lieder von früher ran, „Praise The Lord“ auch. Aber mit Stücken wie „Not My Home“ komme ich nicht klar, hier erzeugen die sphärischen Klänge nach einer gewissen Zeit Langeweile. „Seductive Dreams“ ist zwar auch langsam und sphärisch und mit technischen Spielereien gespickt. Diesem Song hilft aber Ulrike zu einem neuen Höhenflug, da sich ihre Vocals sehr harmonisch mit den Beats und Chören vereinigen. Der danach folgende Themenklassiker „Vampire“ ist so richtig typisches BLUTENGEL Fan Futter, viel Keyboard, Midtempo Beats und textlich das ewig dankbare Thema Vampire, umgesetzt in einem aufregenden Video.

Nach den Vampiren bleiben wir in der Dunkelheit und geben uns dieser hin. „Surrender To The Darkness“ ist eine Art Duett, aber man hört die beiden eher selten singen, es dominieren elektronische Töne, die im Prinzip die dritte Singstimme übernehmen. Dann zieht sich „I’M Alive“ wieder ein bisschen dahin, bevor „Am Ende der Zeit“ an alten Mustern ansetzt und mehr von dem liefert, was der eingefleischte BLUTENGEL Fan erwartet. Grundsätzlich wird der Fan im letzten Drittel des Albums immer mehr mit dem bedient, was er von den Gothic Größen erwartet. „Teufelswerk“ ist ein dunkles, mit beklemmenden Texten versehenes Beat-Monster, dessen hypnotischem Rhythmus man sich nicht entziehen kann. Und auch „Resurrection Of The Light“ erzeugt ein ordentliches Kribbeln.

„Morningstar“ ist für mich das Highlight auf dem Album. Der coole Beat lässt einen nicht entkommen, die Kirchenorgel spielt mit der Erwartunshaltung, Ulrikes Part ist zart und engelsgleich, die harten, metallastigen Takte sind ein Widerspruch zu ihrem Gesang, erzeugen aber eine faszinierende Spannung. Der Song zeigt sehr stark die Magie, die beim Gesangs-Gegenspiel der beiden entsteht, und man lauscht überrascht, dass harte BLUTENGEL lässig klingen.

„The Last Song“ ist düster und traurig und vermittelt dies mit einfacheren, beklemmenden Beats und waberndem Sound. Trotz englischem Titel wird das Lied von Chris auf Deutsch gesungen. Der Inhalt ist perfekt geeignet, um die letzte Nummer des Hauptparts zu sein.

Bleiben also noch die Remixes. Diese sind überwiegend mit noch mehr elektronischen Effekten versehen und sehr tanzbar (zB „Into The Void“), andererseits aber auch reduziert, zB lange keine Vocals bei „Am Ende der Zeit“ und sie werden dann auch spärlich eingesetzt. Aufarbeitungen von anderen Bands fehlen natürlich auch nicht. So nehmen sich ANGRIFFSPAKT „Teufelswerk“ vor und versehen es mit etwas Industrial Sound. Dieses Lied scheint sehr beliebt zu sein, denn es gibt noch eine weitere Version mit einem Battle Scream RMX.

Fazit: Das neue Album schafft großteils den Bogen zu den anderen, beliebten älteren Alben, ist aber trotzdem kein 100 % Nachfolger. An ihre Hochzeit kommen BLUTENGEL mit „Un:Gott“ nicht heran, aber mit Stücken wie „Vampire“ oder „Morningstar“ hat man Songs geschrieben, die den Fans gefallen werden und die der Erwartungshaltung entsprechen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (18.02.2019)

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