ANTI-FLAG - American Reckoning

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VÖ: 28.09.2018
Bandinfo: ANTI-FLAG
Genre: Punk
Label: Spinefarm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

ANTI-FLAG begleiten mich nun schon fast mein halbes Leben und zwischenzeitlich hatte ich die Pittsburgher schon so manches Mal fast aus den Augen verloren. Als ihre ersten Platten in hiesigen Breitengraden modern wurden, zockte jede Lokalpunkband "You've Got To Die For The Government" in kleinen Spelunken, die man als Heranwachsender unter Kaltgetränkeeinfluss bereitwillig auseinanderpogte. Die Zeit verging und ich hatte die Polit-Punker nicht mehr so recht verfolgt, bis mich ihr großartiges "The General Strike" wieder an sie erinnerte. Und ehe man sich versieht, hauen sie einem mit den "American..."-Alben gleich eine ganze Trilogie um die Ohren.

Nicht ganz. "American Spring" (2015) und "American Fall" (2017) waren reguläre Studioalben mit neuem und standesgemäß elektrisch gezocktem Material. Der Nachfolger "American Reckoning" hingegen ist mehr ein "Add-On" als eine Fortsetzung der "Trilogie". Denn der aktuelle Langspieler präsentiert in erster Linie Songs seiner beiden "American..."-Vorgänger in einer akustischen Version und obendrein drei Coversongs. Die Songauswahl ist sehr gut und besteht - wie soll es sonst sein - aus den einprägsamsten und gut singbaren Gassenhauern der ersten beiden "American..."-Alben. Denn eines muss man dieser Selektion lassen, wer "Brandenburg Gate", "When The Wall Falls" oder "Trouble Follows Me" nicht auf Anhieb mitsingen kann und will, der ist wohl einfach unpunkbar.

In den akustischen Versionen fehlt alles an Brimborium und Effekthascherei, hier muss die Musik durch sich selbst und weniger durch eine wuchtige Produktion sprechen. Zudem muss Fronter Justin Sane beweisen, dass er tatsächlich singen kann. Und beides gelingt ANTI-FLAG auf "American Reckoning". Ob die Songs in der Lagerfeuerversion nahe am Orignal bleiben oder in eine völlig andere Richtung gehen, auf alle Fälle entfalten die Songs ihren ganz eigenen Charme. Bei "American Attraction" z. B. wirkt das Entfallen der Effekte in gewisser Weise befreiend und lässt der Musik mehr Raum. Im Original - das keineswegs schlecht ist - prallen interessanterweise zwei eher ungleiche Welten aufeinander. Zum Einen drückt der Sound der Ur-Version wie Sau, auf der anderen Seite finden sich aber auch poppige Anleihen, z. B. in den Gesangseffekten. Das alles fehlt hier und die Musik spricht - wie schon erwähnt - für sich selbst. "When The Wall Falls" funktioniert auch in der leiseren Version, aber gerade hier vermisse ich den mitreißenden Ska-Punk-Vibe der lauten Version und die geile Hammond-Orgel. "Brandenburg Gate" oder "Racists" hingegen sind ihren elektrischen Vorbildern zumindest ebenbürtig und könnten sich zu einem Dauerbrenner bei Trinkereignissen im Freien entwickeln. Neben den sieben Akustikversionen der "American..."-Albumreihe präsentieren ANTI-FLAG zudem noch die drei Coversongs "Gimme Some Truth" (JOHN LENNON), "For What It's Worth" (BUFFALO SPRINGFIELD) und "Surrender" (CHEAP TRICK Cover) als flotte Punkrock-Interpretationen. Die drei Coversongs sind wieder "elektrisch und laut" aufgenommen.

"American Reckoning" liefert zwar keinen neuen Stoff und auch keine neuen, für eine politische und sozialkritische Band wie ANTI-FLAG essentiellen Texte, aber trotzdem einen kurzweiligen Nachsatz zu "American Spring" und "American Fall". Manche Lieder bleiben nahe am Original, andere werden durch ihre andere Ausstrahlung quasi zu einem anderen Song. Zusammen mit den drei Covers setzen die Pittsburgher damit einen gelungenen i-Punkt auf ihre "American..."-Reihe.

"American Attraction" (leise):

"American Attraction" (laut):



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (12.02.2019)

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