ЛЮТОМЫСЛ - Ecce Homo

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VÖ: 14.12.2018
Bandinfo: ЛЮТОМЫСЛ
Genre: Black Metal
Label: Drakkar Records
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Lineup  |  Trackliste

Die meisten von euch werden sich wohl fragen, was das schon wieder für seltsame kyrillische Zeichen sind, wobei auch die lateinische Schreibweise des Namens LUTOMYSL nicht viel verständlicher anmuten dürfte. Dabei geht es um ein quasi Solo-Projekt eines Ukrainers aus Zhytomir mit selbigem Namen, der sich aus den russischen Wörtern für "grimmig, leidenschaftlich" und "Gedanke" zusammensetzt, woraus sich offenbar so etwas wie "man of fierce thoughts" ergibt.

LUTOMYSL ist seit Anfang der 2000er Jahre aktiv und hat mittlerweile neun Alben draußen, wovon ich einst mit dem zweiten und dritten in Kontakt kam, soweit ich mich entsinne im Zusammenhang mit LUCIFUGUM und, natürlich, DRUDKH. Bei letzteren trommelte damals übrigens auch LUTOMYSLs aktueller Schlagzeuger, Yury Sinitsky, genauer gesagt auf der "Forgotten Legends" und "Autumn Aurora", wodurch er auch schwer mit dafür verantwortlich ist, dass ich die "Autumn Aurora", speziell "Wind of the Night Forest", so geil fand und finde. Zusätzlich durfte man diesen Schlagwerker auch auf den Platten von BLOOD OF KINGU hören, wo er ausgesprochen atmosphärisches Geballere lieferte, sage ich mal so. Das erwähne ich übrigens einerseits natürlich, um dem geneigten Leser mittels Name-Dropping ein paar Ideen zu geben, wo LUTOMYSL grob einzuordnen sind, andererseits aber auch, weil das Schlagzeug auch auf dieser Platte ziemlich wichtig ist.

Musikalisch werden LUTOMYSL meist eher im DSBM verortet, was ich von damals auch noch grob so in Erinnerung hatte. Überdies sagte mir die thematische Ausrichtung des Projektes auf eher philosophische Themen zu, weswegen ich bei der vorliegenden Scheibe ein Ohr riskierte, als ich letzten Dezember zufällig in einem Forum drüber stolperte. Vom DSBM-Eindruck ist übrigens (glücklicherweise) nicht so sonderlich viel übrig geblieben, wenn man mal vom Gesang absieht, der zwar recht eigen und emotional ist, dabei aber auch recht eindimensional und kraftlos daherkommt. Das mag vor allem am Gegensatz zur hier dargebotenen Musik liegen.

Diese ist nämlich ausgesprochen kraftvoll und wirkt auf mich bis zu einem gewissen Grade erhebend. Das liegt primär am Riffing, das zwar keineswegs mit Pathos versehen, dennoch aber sehr melodisch und stimmungsvoll gehalten ist, wobei es aber natürlich auch genug Rauschegitarren gibt. Letztlich dominieren für mich aber die Leads, was sich dann auch gleich im ersten Lied "Without the Light of the Guiding Star" zeigt. Bei diesem sind schon die meisten Elemente zu vernehmen, die auch in der Folge die 5 bis 6 Minuten langen Lieder ausmachen. Die Musik ist allgemein durch etliche Tempowechsel und interessante Spannungsbögen charakterisiert, die zumindest mich stets zu fesseln vermögen. Dabei spielt auch das Schlagzeug eine wichtige Rolle, da Yury Sinitsky das Ganze ausgesprochen präzise und dynamisch begleitet, seien es nun die Knüppelparts oder die treibenden, stimmungsvollen Momente. Das liegt vor allem an der Dynamik der Bassdrum und des Beckenspiels.

Aufgrund dieser Aspekte wird das Album nie langweilig, bleibt für mich jederzeit mitreißend und - auch wenn sich das bei diesem Stil fast befremdlich anhört - wirkt zwar erschütternd, gleichzeitig aber auch majestätisch-erhebend. Beispiele dafür sind z.B. der Endpart von "Fallacies of Life", praktisch das ganze Lied "Cain", die zweite Hälfte des Titelsongs "Ecce Homo" und der Closer "Must Go". LUTOMYSL haben mit diesem Album auf jeden Fall ein Ausrufezeichen gesetzt, insbesondere, als dass ich mittlerweile mit dieser stilistischen Ausrichtung nur noch selten etwas anfangen kann. Viel kritisieren kann ich hier beileibe nicht, denn für den Stil ist diese Platte wirklich klasse. Allerdings ist das Album natürlich gewöhnungsbedürftig und keineswegs ein Kanditat für musikalische Untermalung.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Felix Thalheim (10.03.2019)

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