TURBOBIER - King Of Simmering

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VÖ: 08.03.2019
Bandinfo: TURBOBIER
Genre: Punk
Label: Pogo's Empire
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Lineup  |  Trackliste

Jetzt beginnt der Ernst des Lebens, die Jahre des unbeschwerten Musizierens sind vorbei, der vorangegangene Erfolg will bestätigt werden - kurzum TURBOBIER #3 steht in den Startlöchern. Beim Erscheinen von „Irokesentango“ (2015) hätten der Gruppe die Meisten wohl zumindest nationalen Erfolg gegönnt, dass das Debütalbum aber der Auftakt zu einer bis heute anhaltenden internationalen Karriere (ich sag nur Tourneen in England, Japan & China) sein würde, war mit Sicherheit nicht zu erwarten.

Angesicht solcher Erfolge steigt natürlich auch der Druck auf TURBOBIER, das Niveau und die Qualität zu halten und die Erwartungen der Fans zu erfüllen. Hinter den oberflächlich betrachtet seicht erscheinenden Liedern steckt nämlich bei näherer Betrachtung weit mehr. Turbobier sind mitnichten eine primitive Partyband, sondern halten der Gesellschaft einen herrlich ironischen Spiegel vor und wollen die Zuhörer nicht nur unterhalten, sondern diese mit ihren sozialkritischen, musikalischen Momentaufnahmen zum Nachdenken anregen und sind meiner Meinung nach die geistigen Erben oder besser gesagt Enkel der EAV.

Ihre härtesten Konkurrenten sind sich TURBOBIER letzten Endes aber selbst, denn mit ihrem makellosen Erstling hat die Band die Messlatte quasi am Plafond einzementiert, ein Maßstab an dem sich auch „King Of Simmering“ messen lassen muss. Die ersten Klänge von „Heute fahr ma Polizei“ überraschen mit doomig, sphärischen Bass- und Synthesizer-Klängen, die zusätzlich noch mit funkigen Gitarrenleads garniert werden, ehe sich beim Refrain dann doch kurzzeitig das gewohnte Klangbild durchsetzt, was aber nur kurz währt. Die Nummer bleibt ihrem experimentellen Beginn treu, was in einem Gastauftritt von Paul Pizzera gipfelt, welcher erst gewöhnungsbedürftig wirkt, sich dann doch irgendwie in den Song einfügt und spätestens wenn TURBOBIER an die Taxidienste des aktuellen österreichischen Innenministers appellieren, haben TURBOBIER die Hörer auf ihrer Seite. Das folgende „King Of Simmering“ setzt den eingeschlagenen Weg fort, die Gruppe bricht aus dem bekannten Punkrockkorsett aus und erlaubt neue musikalische Elemente. Funkige Gitarren und Bassläufe in Kombination mit einem Mischmasch aus wienerischem und englischem Gesang verpassen dem Sound der Gruppe eine willkommene neue Dimension. Demgegenüber stehen mit „Zgrosse Schuach“, „Fassl“ oder „Im Zweifel“ klassisch geradlinige Punksongs in allerbester Bandtradition, welche die Fans der ersten Stunde befriedigen und mit den ungewohnten klanglichen Experimenten versöhnen sollten.

Nein, wie schon sein Vorgänger ist „King Of Simmering“ kein neues „Irokesentango“, was auch gut so ist. TURBOBIER machen nicht den Fehler sich ausschließlich selbst zu kopieren und in bekannten Schemata zu erstarren. Musikalisch deutlich gereift, kompensieren TURBOBIER die diesmal etwas schwächer ausgefallenen Texte kompositorisch und liefern mehr als genug Qualitätsware für künftige Konzerthighlights. „King Of Simmering“ zündet vielleicht nicht beim ersten Hören, doch es lohnt sich dem Album eine faire Chance zu geben und tiefer zu schürfen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Michael Walzl (06.03.2019)

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