BUCKCHERRY - Warpaint

Artikel-Bild
VÖ: 08.03.2019
Bandinfo: BUCKCHERRY
Genre: Rock
Label: Century Media Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

BUCKCHERRY sind schon seit langer Zeit aktiv, mit den üblichen Auf und Abs inklusive Auflösung, Neustart und Umbesetzungen. Aktuell ist nur mehr Sänger Josh Todd aus der Originalbesetzung vorhanden, aber er ist aufgrund seines Aussehens und des Songwritings bzw. wegen seiner markanten Stimme auch das wichtigste Mitglied und die Person, die BUCKCHERRY zu BUCKCHERRY macht. Trotz seiner straighten Linie und Wiedererkennbarkeit schafft er es aber nicht, die Band vor allem in Europa weiter zu bringen oder bekannter zu machen. Es gibt Songs, die vielen ein Begriff sind, wie „Crazy Bitch“, das vor ca. einer Dekade veröffentlicht wurde, oder “Gluttony”, das in den letzten Jahren zu den bekanntesten Sachen gehörte. Das 2015 veröffentlichte „Rock’n’Roll“ kam aber an diese Hits nicht ran und man kann gespannt sein, ob nach fast vierjähriger Wartezeit das neue Werk „Warpaint“ mehr Potenzial hat.

Die Band hält sich beim neuen, achten Studioalbum einerseits an das alte Konzept: Texte die aus Josh Todd sprechen und stark von seinem Leben beeinflusst sind, umgesetzt in knallharten Songs mit Punkeinflüssen und Halbballaden. Andererseits kommen aber neue Einflüsse dazu. Josh sagt dazu selbst „… the goal was to be sonically current. We didn’t want it to sound retro.” Stimmt. Aber… tja. Die Band schafft es in meinen Augen trotzdem nicht, stärker zu überzeugen oder erneut einen TOP-Seller zu liefern.

Der Titletrack „Warpaint“ kann mit seinem dirty Rock’n’Roll wie anno dazumal punkten. Wiedererkennung ist auf jeden Fall gegeben. Da sind die für Josh Todd typischen aggressiven Vocals und die feinen Riffs. Musikalisch geht es in Richtung Punk oder Hardcore. Für Todd ist es ein Partysong, der Start in eine unvergessliche Nacht. Leider trifft er damit nicht unbedingt den Geschmacksnerv aller. Dann der Wechsel zu einem von Southern Rock beeinflussten Song mit dem Titel „Right Now“. Wieder dominieren die starken Vocals, aber der Song haut mich an sich nicht um und vor allem gegen Ende tu ich mir schwer, hiermit was anzufangen. Kann sein, dass es daran liegt, dass es die moderne Ausrichtung ist, die Todd erreichen wollte und die vor allem beim Cover von NINE INCH NAILS „Head Like A Hole“ auf die Spitze getrieben wird. BUCKCHERRY interpretieren diesen Industrial Metal einleitenden Song aggressiv und grungy, versehen mit knallharten Riffs, Bass und rauem Sound. Wohl einer der besten Songs auf dem neuen Album, aber irgendwie peinlich, wenn von zwölf Nummern vor allem ein Cover hängen bleibt und keine Eigenkreation.

Nach den ersten drei „modernen“ Krachern gibt es eine Gitarren-Ballade. „Radio Song“ ist gefühlvoll und transportiert Herzschmerz, ist sehr melodiös und bewegend, Todds Gesang kommt hier richtig schön zur Geltung. Das hat Hitpotenzial, weil wie der Name sagt, sehr radiotauglich und auf den Mainstream zugeschnitten. Genau diese Richtung hatten sie auch schon beim letzten Album gut drauf und nun zeigen BUCKCHERRY erneut, dass das eher ihr Ding ist. Das hört man auch bei „The Hunger“ und anderen Songs, die vor allem durch die Stimme belebt werden.

Neben diesen modernen und balladenhaften Stücken gibt es auch einige, die Richtung Hard Rock und klassischem Rock gehen, aber immer mit starken Gitarren und einem Bass, der in den Hintergrund gedrängt wird. „The Vacuum“ ist nicht zu schnell, beinhaltet ein paar wohl gewählte Harmonien mit knackig gesetzten Riffs und einem tollen Solo, das an RED HOT CHILI PEPPERS erinnert. Trotzdem ist das noch immer kein Stadion-Material, es ist zu normal. Die Riffs, die sie bei „Bent“ spielen, hört man bei mehreren Songs, daher hat man Probleme, diese zu unterscheiden. Klingt hier zum Beispiel sehr vergleichbar mit „Warpaint“.

Es gibt aber immer noch retro: 60er Vibe bei „Back Down“ (wie LENNY KRAVITZ oder THIN LIZZY). Man hört einen guten Chorus beim Refrain, der bleibt hängen. Blues und funky 70er-Sound werden bei „The Alarm“ gemischt. Die abgehackten Riffs gehen, die funky Grundstimmung ist nicht schlecht. Es gibt viele Backingvocals Einsätze, sodass im Endeffekt irgendwie zu viel Gesang herrscht.

Man kann sagen, dass das Album von Song zu Song besser wird und man das eine oder andere Stück in Kauf nehmen muss, um beim letzten Song „The Devil’s In The Details“ zu landen, der sozusagen der Höhepunkt des Albums ist. Das gute Stück klingt überlegter als andere, auch wenn es ein abgehacktes Werk ist, das auf Lärm und lähmend-beklemmende Gleichförmigkeit setzt. Wütende Gitarrenriffs und die rasche Sangesabfolge (Wordrap) verstören, aber das ist beabsichtigt, die Lyrics wollen genau dies erreichen.

Fazit: Einmal beherrscht und nett, einmal aggressiv und punkig-rotzig, das ist BUCKCHERRY – die Band der Gegensätze. Durch die Abfolge von harten Nummern, Balladen und Halb-Balladen hat man bei diesem Album oft den Eindruck, dass es sich um zwei verschiedene Bands handelt. Für mich ist das neue Album ein wenig schwächer geworden als sein Vorgänger, da es mir vor allem aufgrund eines Covers in Erinnerung bleibt.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (04.03.2019)

WERBUNG: Uzziel
ANZEIGE
WERBUNG: FLESHGOD APOCALYPSE - Veleno
ANZEIGE