QUEENSRÿCHE - The Verdict

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VÖ: 01.03.2019
Bandinfo: QUEENSRÿCHE
Genre: Progressive Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Seitdem sich QUEENSRYCHE in zwei konkurrierende Combos aufgesplittet haben, dürfte zumindest die Kreativitätsschraube bei der „einzig wahren“ (Eigendefinition) Version der Kultband aus Seattle wieder fester angezogen werden. Und nachdem die Ich-AG Geoff Tate sowieso fast ausschließlich „Operation:Mindcrime“-Songs unters Volk bringt, kann man von Konkurrenz ja eh nicht wirklich sprechen. Waren die vorhergehenden beiden Alben der (nennen wir es mal) Phase II schon recht fein, kann man auf „The Verdict“ das Level glatt noch mal um ein paar Millimeter anheben, so dass Herr Tate höchstwahrscheinlich aus Scham in seinem Hut verschwinden wird. Was hier noch zusätzlich für Aha-Effekte sorgen wird, ist die Tatsache, dass sich nach dem (…temporären? …endgültigen?) Ausstieg von Ur-Drummer Scott Rockenfield aus familiären und Karrieregründen nach 35 Jahren mal eben Sänger Todd LaTorre ans Kit gehockt hat um die zehn Songs einzukloppen! Und – es sei gleich vorweg erwähnt – der Unterschied zu früher ist verschwindend gering bis gleich null. Der Mann kann einfach alles! Super-Todd! Irgendwann spielt er alles ein. Als Ein-Mann-Band. Aber so weit sind wir noch nicht, also der Reihe nach.

„The Verdict“ ist die 14. QUEENSRYCHE-Scheiblette (wenn man „Take Cover“ mal ausblendet) und die dritte mit LaTorre am Mikro. Und hört man sich das Teil genauer an, so sprüht es eigentlich vor Ideen, ohne den Spirit der Band zu schänden - im Gegenteil: Michael Wiltons Gitarrenarrangements erkennt man mittlerweile meilenweit gegen den Wind, er und „Jungspund“ Parker Lundgren sind über die Jahre zu einem veritablen Sechssaiter-Dreamteam gewachsen. Das Rad kann man zwar selbst im einflussoffenen Prog Metal nicht mehr wirklich neu erfinden, aber wenn man in dieser Phase einer Band immer noch Alben macht, die aus dem weiten Ozean an Top-Releases herausstechen können, ist man schon mal recht gut unterwegs. Überdies riffen die Gitarren diesmal wieder so richtig Metal-Like und ohne Kompromisse. „The Verdict“ ist aber bei weitem mehr als nur Image- und Denkmalpflege. Das mit einem göttlichen Doom-Riff gesegnete „Light-Years“ groovt sich mit einer fast orientalischen Melodie ins Gehör, wird nur durch den Refrain etwas aufgebrochen, und die Bass-Arbeit von Eddie Jackson ist hier einfach nur genial. Auch „Inside Out“ schlägt in dieselbe Kerbe, kann sogar ein wenig Grunge-Vibes in sich vereinen, nur um dann in einen dieser typischen Proto-QUEENSRYCHE-Refrains zu münden.

„Propaganda Fashion“ ist ein weiterer hochmelodischer Uptempo-Shredder, nicht übermäßig spektakulär, jedoch zu hundert Prozent QUEENSRYCHE. „Bent“ zeigt schlussendlich, warum der Löwenanteil dieser Platte jedoch Todd LaTorre zuzuschreiben ist: Neben dem außerirdischen Gesang ohne merkenswerten Durchhänger sind auch die Trommelkünste des Florida-Boys schlicht eine Klasse für sich. Auch wenn ich diese paar Songs explizit hervorheben möchte, ist die gesamte Platte in einem nahezu unerreichbaren Level angesiedelt und kann selbst von Die-Hard-Fans der Frühphase bedenkenlos abgegriffen werden. Die Aushilfs-Arbeit am Drumkit führt jedoch dazu, dass man sich für die kommenden Live-Auftritte mit einer Aushilfe verstärken müssen wird – momentan in der Person von Casey Grillo (ex-KAMELOT, CONSORTIUM PROJECT). Aber mit FATES WARNING als Special Guests kann da sowieso nichts mehr schiefgehen – wer dieses Package verpasst, ist selber schuld! „The Verdict“ ist nicht die stärkste Scheibe im QUEENSRYCHE-Gesamtwerk, aber mit Sicherheit die stärkste der Phase II und hat schon alleine deswegen das Zeug zum Klassiker. Ob die Songs den Live- und Langzeit-Test bestehen werden? Ich bin mir da ziemlich sicher.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (11.03.2019)

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