ARIA - Curse Of The Seas

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VÖ: 13.11.2018
Bandinfo: ARIA
Genre: Heavy Metal
Label: M2BA
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

"Die Russen kommen!"

Was noch vor nicht allzu langer Zeit dazu geführt hätte, dass Oma sich im Keller versteckt, Opa sich hurtig das Blutgruppenpeckerl mit einem Tschick aus dem Oberarm brennt, während Vati wenig freiwillig in Kolyma nach Ressourcen schürft, führt heute metallisch-entspannt zu nickenden Häuptern und wehenden Haaren (Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!)

ARIA sind entweder Russlands am besten gehütetes Metalgeheimnis oder Russlands größte Stadionmetalband. Man darf sich aussuchen, wie man es sehen will. 

ARIA sind zuallererst eine leicht von IRON MAIDEN beeinflusste Band, die das, was sie macht, gut macht. Zum 13. Mal bereits geht es über die volle Distanz und man darf sich freuen, am nächsten KEEP IT TRUE-Festival vor dem versammelten Metal-Expertenrat (N.E.R.D.S) vortragen zu dürfen. IRON MAIDEN also, ein wenig ARMORED SAINT vielleicht und viel frühe 80er eben. 

Deutlich moderner im Sound, als es möglicherweise der norwegischen Post genehm sein könnte, aber auch nicht zu modern. Ein wenig abgestaubt und schon hat man den jurassischen Sound erfolgreich in die Gegenwart gebracht.

Als Alleinstellungsmerkmal haben wir hier natürlich den russischen Gesang, der anfangs gewöhnungsbedürftig ist, dank Mikhail Jitnyakovs superbem Ausdrucks aber das Album noch ein wenig weiter nach vorne schiebt. Klar, auch hier haben wir den Pathos, der den Heavy Metal einst so groß machte, aber Genosse Jitnyakov schafft es, die Songs ohne allzu viel Vibrato zu intonieren und damit den Mahlstrom des so beliebten "Tritt mir bitte mit Anlauf in die Eier"-Gesangs großräumig zu umfahren. Bisweilen kommt ein wenig Fabio Lione durch, aber mit deutlich mehr kräftigem Tenor und mehr Ecken und Kanten als das Apenninen-Einhorn.

Prinzipiell hätten wir hier alle Zutaten für ein starkes Album. Leider, ach leider, sind die Songs und damit dann auch das Album viel zu lang. Dem Release stünde eine straffende Hand gut zu Gesicht. Hier sehen wir uns auch mit dem Problem konfrontiert, welches die einstig so mächtigen IRON MAIDEN schon ewig mit sich herumtragen: Nur weil ein Song acht bis zwölf Minuten lang ist, ist er nicht automatisch episch, mächtig, eine Reise durch Emotionen oder ein progressives Feuerwerk, sondern manchmal einfach nur zu lang. Bei ARIA sei hier der an letzter Stelle platzierte Titeltrack genannt, der alles so macht, wie es die Ost-Londoner machen. Und zwar genauso falsch. Ewiges Wiederholen des Leitmotivs, ein unmotivierter Mittelteil und dann will man auch nicht zum Ende kommen.

Und von diesen Tracks gibt es mehrere auf "Curse Of The Seas". Achtminüter, die einfach nicht so wirklich auf den Punkt kommen. Hier komponierte man wohl mit guten Intentionen, aber zu lang kann eben auch einmal einfach nur zu lang bedeuten.

Es gibt viele gute Momente auf diesem Album und für Alteisenfreunde ist das Album auf jeden Fall einige Durchhörrunden wert, ich hätte es gerne etwas fokussierter gehabt.

 

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (28.03.2019)

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