SUZI QUATRO - No Control

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VÖ: 29.03.2019
Bandinfo: SUZI QUATRO
Genre: Rock
Label: SPV / Steamhammer
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Lineup  |  Trackliste

SUZI QUATRO ist den alten Rockfans garantiert ein Begriff. Das Mädel war schon den 60ern aktiv, spielte ab 1970 in der eigenen Band und hatte 1973 ihren ersten großen fetzigen Rock-Hit „Can The Can“. Danach folgten mehrere Weltklasse Nummern, wie „48 Crash“, „If You Can’t Give Me Love“, „Rock Hard“ oder „Stumblin’ In“. Suzi war oft in den Charts, eine heiße Rockrakete am Bass und am Mikro und somit auf jeden Fall eine Wegbereiterin für viele Frauen in der Rock-Branche. Ab den 80ern wurde es stiller um sie, obwohl sie sich nie zur Ruhe setzte. Sie veröffentlicht in regelmäßigem Abstand Alben, aber die großen Hits fehlen beziehungsweise sie blieb dem Rock treu und modernisierte nicht, somit fehlten die jungen Fans. Ihre Basis blieb ihr aber immer treu.

2019 – Suzi wird heuer 69 – steht das neueste Werk in den Startlöchern. Bei einer Frau mit dieser Vergangenheit ist es nicht leicht, „No Control“ ohne Blick zurück zu beurteilen. In den 50 Jahren, seitdem sie aktiv ist, hat sich vieles getan. Und eine fast 70-jährige, auch wenn sie noch fesch und flott ist, ist eben keine 20-jährige, die wie ein Wirbelwind auf der Bühne rum fetzt und ins Mikro kreischt. So gesehen hat sich SUZI QUATRO altersgerecht entwickelt. Sie beherrscht den Bass noch immer perfekt, aber die Stimme ist anders und die Songs ebenso. Alles ist ruhiger, beherrschter und gereift. Es wird nicht mehr gekreischt und mit Speed ins Mikro geplärrt, sondern mit leicht rauchiger Stimme gesungen, die Geschwindigkeit ist nicht mehr auf Vollgas wie bei „Rock Hard“, sondern bei Rock mit mehr oder weniger Schwung, und vor allem beim Blues. Alles Stücke, die man eben auch mit 70 noch live bringen kann. Wobei Suzi es sich auch jetzt nicht verkneifen kann, in knallengen Suits auf die Bühne zu kommen und mit dem Hintern zu wackeln. Haut jetzt nicht die jungen Leute um, aber es wird sicher gleichaltrige Rocker geben, die nun sabbernd dastehen und eingefleischte Fans, die begierig zum neuen Album ihres Idols greifen werden.

Womit kann „No Control“ dienen:
Es ist ein Album, das Suzi überwiegend mit ihrem Sohn Richard geschrieben hat. Es war ihre erste Zusammenarbeit und man hört, dass das Songwriting der beiden gut zusammenpasst. Suzi fühlt sich bei den Songs wohl, das ist bei jedem Stück zu hören, obwohl es nur wenig in die Rock Richtung geht, sondern der Blues überwiegt und es sind auch keine Balladen auf dem Album zu finden.

Der Opener und Titletrack ist stark auf sie zugeschnitten, der Schwerpunkt liegt auf Bass und Keyboard, sodass die Vocals zur Geltung kommen. Mit dem Chor wirkt der Song bluesig und erinnert an ihren musikalischen Start in den 70ern und davor. Das folgende „Going Home“ ist ähnlich. Viel Blues, viel Ursprungsrock. Mit dem schwummrigen Gitarren, den Orgel- und Mundharmonikaklängen erinnert der Song vor allem an alte Blueslegenden. Ein bisschen Big Band, ein bisschen Jazz, viel Chor, ein bluesiger Vibe – warum nicht, es ist ein Musikstil, der einem im Alter auf jeden Fall abgekauft wird.

Bei „Love Isn’t Fair“ kommt Reggae durch, sowohl Rhythmus als auch die typischen Beckenklänge sind vorhanden. Die happy Sonne und Meer Rhythmen stehen für meinen Geschmack zwar im Kontrast zum Text, aber es klingt recht nett. Zum Glück gibt Suzi rockmäßig Gas bei „Macho Man“. Das ist knackiger Blues Rock der alten Schule und klingt fast wie Suzi früher in ihren besten Zeiten, nur ein wenig langsamer. Sie schnurrt und jault wie damals, lässige Riffs und Soli machen diese Nummer zu einem Highlight des Albums. Happy Party Rock liefert „Every Duty“, Saxophon und Orgel bilden die Basis der Zeitmaschine geradewegs zurück in die 70er. In ähnlicher Art ist „I Can Teach You To Fly“, wobei Suzi hier gesanglich mehr spielt und der Big Band Sound fast in eine Tanzschule passt und mit seinen abgehackten Takten für Tango-Rhythmus sorgt. Nur das Gitarrensolo spricht dagegen.

„Bass Line“ wird dem Namen gerecht. Der Text dreht sich um den Bass, im Song tritt ihr Instrument aber nicht so stark heraus. Dafür erinnert mich die Melodie an einen alten Hit, nämlich „Venus“ von SHOCKING BLUE, natürlich nicht mit dem Disco Speed, sondern in einer bluesigen Langsamkeit, die angenehm über einen hinwegfließt.

Mit „Easy Pickin’s“ geht es straight zurück zum großen Blues. Jetzt macht sie BETH HART Konkurrenz. Gut gemachte Nummer. Mit Blues und Country Stil hat sie es auf diesem Album. „Don’t Do Me Wrong“ geht auch in diese Richtung. Lässiger Blues mit Piano und erneut dem Damenchor im Hintergrund, der sehr passend regelmäßig „Wooo-hooo“ haucht. Das Album wird auch mit einer Blues-Nummer beendet, dem „Going Down Blues“. Wieder ein starkes Teil, sauber gemacht und mit ihrer ausdrucksstarken Stimme versehen, das sich zu einem grandiosen Höhepunkt und Ende hinarbeitet, wo alles gespielt und gesungen wird, was man von einem Blues-Highlight erwartet.

Ich finde „No Control“ ein sehr gelungenes Album, das breitentauglich ist und für gemäßigte Rock- und Blues-Liebhaber einiges zu bieten hat. Man darf nicht die fetzige Suzi von früher erwarten, aber die reife Suzi macht noch immer sehr gute Musik, nur eben in einer anderen Stilklasse.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (22.03.2019)

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