SANGUE - Culs

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VÖ: 15.04.2019
Bandinfo: SANGUE
Genre: Death/Doom Metal
Label: Nuclear War Now!
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

Den frisch gezogenen Dünndarm schmackhaft auf den Sockel geklatscht und zum Herunterspülen gibt es einen Eimer voll SANGUE. Italien verdanken wir nicht nur die schmackhafte Pizza, sondern auch die widerwärtigste Musik. Unter die Truppe hat sich sogar ein bekannter Wiener geschlichen: Neben seinem Death Metal-Geschäft “Totem“ in Mariahif übernimmt Alexander Wank alias Rector Stench (PUNGENT STENCH) die Position als Drummer. 2017 kam SANGUEs Debüt in die Läden und jetzt haben die fünf Musiker ihr ganzes Herzblut gesammelt, um die erste LP „Culś“ zu erschaffen. Tretet näher und lauscht dem Herumgewühle in den Eingeweiden.


An den Vocals ist mittels gruseliger Effekte eifrig gebastelt worden. Wenn Mirko Scarpas Stimme in den Kirchenhallen hallt, fühlt man sich wie mitten im Auge eines blutigen Hurrikans. Der Sänger spuckt, schmatzt und rotzt ins Mikrofon hinein, solange die Laute schön widerlich klingen. Die Gitarrenriffs zersägen die Leber mit kreischenden Sägeblättern. Dazu klopft Rector Stench den Magen in wohlbekannter PUNGENT STENCH-Manier gut durch. In dieser Death-Doom-Kombo versucht der Bassist MeTa bei den schnelleren Tempi mühselig mitzuhalten, wobei er jedoch den Moment verpasst, auch einmal auf die Leber zu hauen. 
Inhaltlich hat SANGUE sich mit den Praktiken ihrer etruskischen Vorfahren auseinandergesetzt. Dieses längst vergessene Völkchen hatte es faustdick hinter den Ohren. Mit Tier- und sogar Menschenopfern erklärten sie sich Gott und die Welt. Das Ritual nannte man damals Leber- oder Eingeweideschau, und es fand sogar bei den Römern Anklang. Als ich verschiedene Bücher über die Etrusker wälzte, kam ich ebenfalls wie SANGUE zu dem Schluss: Eine verdammt gute Idee für ein Album. Mirko Scarpas alias Offender singt über Geschichten von schlangenähnlichen Menschen, die sich als Gorgonen bezeichnen, oder über eine etruskische Gottheit namens Culś (griechisch: Janos, der Zweigesichtige). Ein Schauermärchen mit musikalischer Gruselmucke par excellence für die ganze Familie. Oder was von ihr noch übrig ist.


Grundsätzlich bekommt SANGUE einen solidarischen Sympathiepunkt, da ein ex-Mitglied der österreichischen Kultband PUNGENT STENCH mit von der Partie ist. Der starke Einsatz der hallenden Soundeffekte bei den Vocalaufnahmen versetzt mein verrottetes Herz in die brutalen 90er. Trotz sägender Gitarren, die das Fleisch schön zerfetzen, wirken die Riffs an manchen Stellen ein wenig durchsiebt. Einige Akkorde verschwinden aus dem hörbaren Bereich und werden von einem monotonen Rauschen übertönt.  Selbstverständlich sind die geschichtsträchtigen Lyrics nicht nur lehrreich, sondern basieren auf brutalen Begebenheiten aus längst vergessener Zeit. Es ist gut zu wissen, dass die Faszination des blutigen Fleisches schon ein jahrtausendealter Trend ist.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Julian Dürnberger (08.04.2019)

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