ELLENDE - Lebensnehmer

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VÖ: 29.03.2019
Bandinfo: ELLENDE
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: AOP Records
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Lineup  |  Trackliste

Multiinstrumentalist L.G. und sein Projekt ELLENDE sind mit ihrem dritten Album zurück. Nach dem 2016 veröffentlichten, vielfach gelobten „Todbringer“ überbrückte man die Wartezeit auf den Nachfolger mit dem Re-Release der EP „Rückzug in die Innerlichkeit“ via AOP Records, welcher wir uns in einer der letzten Ausgaben unserer Underground-Story annahmen. Doch nun gibt es endlich musikalischen Nachschub im Langspiel-Format, mit dem vorliegenden Album „Lebensnehmer“, das mit seiner gekonnten Wortvariation den Brückenschlag zum Vorgänger schafft. Diese feine Klinge der fast poetischen Sprache, die die todessehnsüchtigen Lebensfetzen mit bittersüßer Lieblichkeit umschmeichelt und dazu die feinen musikalischen Nuancen der Kompositionen sind es, die ELLENDE nachhaltig aus dem musikalischen Untergrund hervorschimmern lassen. Längst ist das steirische Projekt kein Rohdiamant mehr, sondern ein geschliffenes Juwel mit Ecken und Kanten, das verführerisch im Dunkel der Nacht funkelt und sich eine treue Fanbase erspielt hat.

Diese darf sich nun auf einen weiteren Teil aus dem sorgsam zusammengestellten Klangkosmos von ELLENDE freuen. Ein wunderschönes, orchestrales Intro baut gekonnt Soannung auf, bis „Augenblick“ losblastet und mit elegischen Gitarren in ein wunderbar düsteres Universum trauriger Weisen einlädt. Die Titel ergehen sich sowohl auf kantigere Weise in breitwandigen, schwarzmetallischen Gitarrenwänden, die sich mannshoch auftürmen und den Hörer schier zu zerquetschen suchen, als auch in besonders fragilen Passagen und raumgreifenden Spannungsbögen, die die schweren, düsteren Klänge in eine erhabene Atmosphäre hüllen. „Die Wege“ erweist sich als wuchtiger Titel mit schöner Dynamik, die sich vor allem in sachten Tempovariationen und einem stimmungsvoll ins dramatische Finale überleitenden Akustikpart zeigen. Zerbrechlich wirkende Melodien wechseln sich in „Der Blick wird Leer“ mit rasender Agonie ab, während der Weltenschmerz zu stampfendem Rhythmus und flirrenden Gitarrenmelodien in die Welt geschrien wird.

„Ein Stück Verzweiflung“ und „Liebkosung des Eiswind“ verzichten gänzlich auf garstig-verzweifelte Vocals, während letzteres, besonders atmosphärisch und emotional, einen mit seinen sanften, verträumten Klängen schier den frostigen Hauch der Ewigkeit auf der Haut fühlen lässt und seinen tiefen Eindruck in der Seele hinterlässt. Melancholische Wut sprudelt aus „Du wärst eine schöne Leiche“ - der achteinhalb Minuten zählende Brecher gräbt sich mit singenden Riffs und voluminöser Präsenz in die Gehörgänge. Dramatischer Aufbau und die feine Balance zwischen sanften Tönen und brettharter Raserei, die ELLENDE so gut beherrschen, lassen den überlangen Titel zu keiner Zeit langweilig wirken. „Atemzug“ beansprucht als Schlusspunkt am Ende des Albums die meiste Spielzeit und kann diese mit melodisch-atmosphärischen Riffwänden auch ausgiebig nutzen. Das letzte Drittel des Songs fungiert als eine Art Outro, das das Album, mit einem kurzen Aufbäumen gegen Ende hin, beruhigt und stimmig mit akustischen Gitarren und Streichern ausklingen lässt.

Wer atmosphärischen Black Metal mit einem Hang zu Post-Metallischen Welten goutiert und seinen Blick gerne ein wenig unter die Oberfläche des Genres schweifen lässt, der wird schon bisher kaum an ELLENDE vorbeigekommen sein. Für alle anderen ist das stimmungsvolle, von emotionaler Atmosphäre durchzogene Projekt von L.G. ein Geheimtipp, in den sich das Reinhören unbedingt lohnt. ELLENDE kleiden die Vergänglichkeit in Töne, dass einem die Schönheit des Verfalls die Tränen in die Augen treibt.

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (25.03.2019)

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