PHONOPATHS - Sandwich, Ducks And Dishwasher: The Chronicles Of Supertaste

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VÖ: 03.01.2019
Bandinfo: PHONOPATHS
Genre: Experimental Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Was verbindet ihr mit Frankreich? Eine repräsentative Umfrage unter drei, zugegebenermaßen gering kosmopolitischen, Redaktionsmitgliederinnen (und divers) ergab folgende Schlagworte: „Paris“, „Baguette“, „Marseillaise“, „Camembert“, „Revolution“ und „seltsame Lautäußerungen“. Nun will es der Zufall - er will es wirklich sehr - dass diese Begriffe nicht nur beschreiben, wo PHONOPATHS beheimatet sind, sondern auch, wofür sie sich interessieren (belegte Brote!) und welche Art von Musik sie machen (genau, da bleibt jetzt nur noch Camembert übrig!).

Diese Plattitüden werden PHONOPATHS glücklicherweise nicht vollständig gerecht. Ihr musstet sie trotzdem lesen, damit ich eine seltsame Genugtuung bei der Vorstellung empfinden kann, andere Menschen verwirrt und genervt zu haben. Denn genau dieses Ziel unterstelle ich den Urhebern der maximal chaotischen Soundcollage „Sandwich, Ducks and Dishwashers: The Chronicles of Supertaste“. Bands wie diese sind das Produkt einer komplexen Umwelt. Der Versuch aus der rauschenden Reizüberflutung ein Signal zu destillieren. Zu einer Zeit, in der fast jede als Musik empfundene Krachkombi bereits in allen Variationen durchgenudelt ist, muss man entweder härtere Geschütze auffahren, oder mit dem Skalpell in der Mikrostruktur tätig werden.

Im Experimental Metal wird geschaut, was herauskommt, wenn man bekannte Substanzen kombiniert. PHONOPATHS verzichten dabei auf Feinarbeit und fahren mit dem Panzer in einem Genre-Autoskooter. Sie schieben knirschend zusammen, was sich wehrt und haben einen Heidenspaß daran. Grindcore-, Death-, Black-, Punk-, Elektro-, Weirdopop-Elemente wechseln sich auf Akkordlänge ab und lassen sich schwer identifizieren. Während man als Hörer dann, aufmerksam wie ein Golden-Retriever, vor der Ballmaschine sitzt, fängt man erstaunlich viele Teile ein, die richtig gut klingen, die man behalten möchte. Sobald man jedoch einen Gedanken fasst, bekommt man zehn weitere ins Gesicht.

Die Vocals sind beeindruckend. Nicht beeindruckend schön, nicht beeindruckend gut. Eher beeindruckend artistisch im Anspruch auch hier alle Stile zu vereinen. Mal heiser, mal sprechend, mal röhrend wie eine Dorfdisco-Hyäne, die mit glitzerbestäubten Wangen von einer eruptiven Sangria-Wiedervorlage ablenkt, indem sie den Luftstrom geschickt vom Ösophagus an die Stimmbänder leitet, euphorisiert in die Lage gerät melodisch zu singen, jedoch tragischer Weise dabei erschossen wird.

Ganz klar liegt bei PHONOPATHS Experi-mental die Betonung auf der Endsilbe. Nicht nur musikalisch, sondern auch durch das Artwork und Songtitel wie „Down With The Over Eater Of Ducks Egg Omelets“ und „QZDA81957539 - Anarchik Cream Party“ wird deutlich: das gesamte Album ist irgendwie völlig sinnlos und albern. Das macht Spaß, weil Albernheit ansteckt. Es ist zugleich aber auch anstrengend und lässt einen (anders als beispielsweise der ebenfalls aus diesem Land der Verrückten stammende IGORRR) ohne identitätsstiftendes Merkmal im Radieschenfeld stehen. Angesichts der Tatsache, dass es sich um PHONOPATHS erstes Album handelt, besteht keine Notwendigkeit voreilige Schlüsse zu ziehen. "Luft nach oben" ist aber noch vorhanden.

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Daria Hoffmann (25.03.2019)

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