WHITECHAPEL - The Valley

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VÖ: 29.03.2019
Bandinfo: WHITECHAPEL
Genre: Deathcore
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Nach dem auch bei uns einigermaßen wohlwollend aufgenommenem "Mark Of The Blade" aus dem 16er-Jahr kommt der Sechser aus Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee mit einer neuen Scheibe, "The Valley" betitelt ums Eck. Beim titelgebenden Tal handelt es sich um das Hardin Valley, in dem Phil Bozeman aufgewachsen ist und die Scheibe dreht sich textlich größtenteils um die Mutter des Sängers respektive deren psychische Befindlichkeit. Das lyrische Element des Albums ist "based on true events" und bringt eine Traurigkeit mit, die bisweilen schon sehr schmerzt. Phil Bozeman macht hier einen Seelenstriptease, welchen man so erst einmal hinlegen muss. Er hat laut eigenen Aussagen "gelitten und überlebt". 

WHITECHAPEL sind im Genre mittlerweile so groß, dass es beinahe schwer ist, etwas über eine neue Veröffentlichung zu schreiben. Die Qualität ist generell sehr hoch und die Fanbase ist da, um das Aufgenommene auch käuflich zu erwerben (Anmerkung: "The Valley" kommt in fast 20 verschiedenen Versionen auf den Markt - für jeden ist da quasi etwas dabei). Was man aber auf jeden Fall sagen kann ist, dass "The Valley" ein deutlich aufgeräumteres Album ist als die Vorgänger es sind. Ein Punkt, der dafür spricht ist der vermehrte Gebrauch von cleanen Vocals. Die tragen die Band leicht in Richtung TOOL ("leicht", hab ich gesagt!) und unterbrechen die derben Core-Eruptionen immer wieder. Es geht dann sogar soweit, dass der Song "Hickory Creek" gänzlich auf Growls und Gekeife verzichtet und nur mit reinem Gesang funktioniert. Und das tut er: funktionieren nämlich. 

Generell erfreut sich der Kapellen-Freund erneut an äußerst gelungenem Songwriting. Der Übergang vom kontemplativen Mittelteil zur Vollgasabfahrt muss so auch erst mal komponiert werden. Hier liegt auch der Knackpunkt beim Album. Sobald das Songwriting abwechslungsreicher wird blüht "The Valley" richtiggehend auf. Wenn man sich zurücklehnt und die klassischen Death Metal/Core-Songs herauslässt wird es, man verzeihe mir die nicht-elfenbeiturmtaugliche Umschreibung, öde. "Forgiveness Is Weakness", der zweite Song auf dem Album wäre hier beispielhaft anzuführen. Gröhl-Keif, knatterndes Schlagzeug, deftige Gitarren, ein maximal durschnittlicher Refrain und ein Breakdown, welches man so schon das eine oder andere Mal gehört hat.

Klar, es ist Death-Core und damit nicht so ganz meine Baustelle, aber wenn die Ohrläppchen aufgedehnt werden, und das passiert bei einigen Songs, dann erwische ich mich immer öfter damit, dass ich einfach etwas abdrifte. 

Man verstehe mich nicht falsch, die Jungs können spielen (das ist bekannt), sie können Songs schreiben (das auch) und sie haben einen modernen Sound auf "The Valley" der allerdings nicht zu klinisch ist. Auch das hatten wir schon. Es ist halt die reine Lehre des Death-Core die ich für vernachlässigbar halte. "Wiederwald, dann hör dir halt was anderes an!", hör ich die ganzkörpertätowierte, ohrläppchengedehnte Meute sagen, aber ich sehe die Stärken, die neuen Stärken von WHITECHAPEL in den ruhigeren Momenten. Wenn man die noch etwas geschickter in vielleicht etwas abwechslungsreicheres Songwriting bei den harten Teilen einbetten könnte, dann wäre man ganz vorn. 

Für ihre zahlreichen Fans sind WHITECHAPEL das sowieso schon, und mit "The Valley" habe auch ich ein wenig Zugang in die Welt der Amis gefunden. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich die Jungs weiterentwickeln.

 

"Hickory Creek"

,

 

"When A Demon Defiles A Witch"

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (01.04.2019)

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