VANDERBERG - Phoenix from the Ashes

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VÖ: 29.03.2019
Bandinfo: VANDERBERG
Genre: Hard Rock
Label: darkSign Records
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Lineup  |  Trackliste

Eine Zeit, welche durch Social Media wie Facebook & Co. dominiert wird, birgt freilich nicht nur positive Möglichkeiten. Doch wenn diese Netzwerke tatsächlich zum originären Zweck, Vernetzen und Zusammenbringen, genutzt werden, dann kann das auch förderliche Momente zu Tage führen. Zum Beispiel die musikalische Bekanntschaft mit einem Gitarristen namens MARC VANDERBERG. Wie, den kennt ihr nicht? Naja, ich kannte ihn auch nicht, doch über diverse, von Zuckerberg zur Verfügung gestellte Kanäle stolperte ich immer häufiger über seinen Namen. Es stellte sich schnell heraus, dass VANDERBERG ein aktiver und produzierender Songwriter ist, welcher bereits im Jahr 2017 mit "Highway Demon" Aufmerksamkeit erlangen konnte. Nun steht mit "Phoenix From The Ashes" das nächste abendfüllende Werk des Gitarristen in den Startlöchern, und das kann sich durchaus hören lassen.

VANDERBERGs Musik richtet sich grob gesagt an alle Fans der gitarrenlastigen Spät-80er oder Früh-90er. Dabei lässt er keine Facette aus, was das Album enorm abwechslungsreich, aber auch ein Stück weit nach Patchwork klingen lässt. Zumal auch kein festes Line Up hinter dem Output steckt. Mr. VANDERBERG ist allein verantwortlich für das komplette Songwriting und alle instrumentalen Parts. Lediglich die Vocals übernimmt er nicht, hier überlässt er diversen Gastsängern und einer Gastsängerin den Platz am Mikro. Los geht es mit dem flotten "Odin's Words" mit dem mir unbekannten Gastsänger Paolo Cuevas aus Kolumbien. Tolles Riffing mit massiven MALMSTEEN-Einflüssen, direkt und ohne Umschweife auf den Punkt, tolle Gesangsmelodien und ein eingängiger Refrain mit MANOWAR-Chören. Sehr guter Einstieg. Der folgende "Warsong" ist um die Epik entschlackt und ist, genauso wie das spätere "Legalize Crime", eher in der NWoBHM Zuhause, schaut sich aber auch das eine oder andere aus dem US basierten Glam Metal à la MÖTLEY CRÜE ab. Nebst auch hier wieder allerhand MALMSTEEN-Verweisen, die eigentlich auf jeden Song zutreffen. Auch hier sind beide Stücke schön treibend und leben neben den gutklassigen Hooks natürlich in allererster Linie von VANDERBERGs Gitarrenspiel welches absolut auf höchstem Niveau einzustufen ist. Das Titelstück, wie auch das spätere "Bitter Symphony" lässt dann die großen Melodien sprechen. Auch wenn man heutzutage sehr früh das Wort "Kitsch" auf der Zunge hat: So gehen nun mal Stadienhymnen. Die gehören genauso zu den 80ern wie die NWoBHM. "You And I" ist ebenfalls eher in großen Arenen als in kleinen Clubs zuhause, EUROPE lassen grüßen. Mit "Warlords" wird es düster, vor allem lyrisch. Ein politisches Statement gegen Kriegstreiber und Elendschürer, welches unterm Strich sicherlich die richtige Aussage trifft. Allerdings stößt mir die Textzeile "All these wars will never end, if the warlords will not be killed" etwas sauer auf. Wie wir in Peter Bergs Kriegsfilm "Operation: Kingdom" aus dem Jahr 2008 schon lernen, liegt der Ursprung der Gewalt immer im Blickwinkel des Subjekts. Etwas differenzierter dargestellt hätte die Aussage des Songs sicherlich noch etwas mehr Gewicht erhalten.

Die Produktion, Songwriting, Arrangements: Alles Top! Wenn man Kritikpunkte sucht, dann findet man diese am ehesten in dem Stückwerk, aus welchem das Album zusammengesetzt wird. Heavy Metal, Stadionrock, 80s Pop Rock, NWoBHM und Balladen geben sich allesamt die Klinke in die Hand. Durch die unterschiedlichen Sänger wirkt "Phoenix From The Ashes" daher auch manchmal mehr wie ein Sampler denn als zusammenhängendes Album eines federführenden Künstlers. Bei der hohen Anzahl an Gastsängern sind Qualitätsunterschiede auch nicht zu vermeiden. Auch wenn alle unterm Strich eine sehr gute Leistung abliefern, gefällt ein Newcomer wie Paolo Cuevas ("Odins Words", "Legalize Crime") oder Oliver Monroe ("Phoenix From The Ashes") etwas besser als der etwas drucklosere Göran Edman ("You And I"). Auch das Duett zwischen Tave Wanning (ADRENALINE RUSH) und Chris Divine (LUNA RISE) namens "This Romance" will nicht vollends überzeugen, weil die beiden Stimmen nicht allzu gut miteinander harmonieren und gerade Chris Divine hörbar nicht in seiner favorisierten Tonlage singt. 

Fazit: VANDERBERG veröffentlicht mit "Phoenix From The Ashes" ein wirklich sehr gelungenes Album für Fans von YNGVIE MALMSTEEN, EUROPE und generell diejenigen, deren Herz am klassischen Hard Rock der 80er und Früh-90er hängt. Man hört dem Album den enormen Produktionsaufwand deutlich an, was durch die Tatsache verstärkt wird, dass Marc Vanderberg das Album praktisch allein eingespielt hat. Auch wenn der Samplercharakter des Werkes vielleicht nicht jedem gefallen wird, hört rein, hier gibt es jede Menge Hits zu entdecken! Mehr davon!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (29.03.2019)

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