OBSCURE INFINITY - Into The Vortex Of Obscurity + Evocation Of Chaos

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VÖ: 22.03.2019
Bandinfo: OBSCURE INFINITY
Genre: Death Metal
Label: FDA Rekotz
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Wie schon mehrmals erwähnt, ist es wenig förderlich, Kritiken von KollegInnen, ob analog oder im Netz, zu lesen, bevor man sich an sein eigenes Review macht. Natürlich muss ich gestehen, passiert es auch mir immer wieder, vor allem wenn man Infos zur Band, zur Veröffentlichung, zum Universum und dem ganzen Rest sucht. Spätestens, wenn man Besprechungen auf nicht-sturmbringenden, deutschsprachigen Seiten liest, kommt man bisweilen nicht aus dem Schütteln des karg bewachsenen Hauptes heraus. Ist es tatsächlich dieselbe Scheibe, dieselbe Band von der/die KollegIn schreiben, hat doch das Rezi allein gar nichts mit dem von mir selbst Gehörten zu tun. Obacht, werte LeserInnen, ich fordere hier nicht kritiklose Zustimmung ein, aber wenn ich mir wie im aktuellen Fall diverse Reviews zu OBSCURE INFINITYs neuem Achtgang-Dreher "Into The Vortex Of Obscurity" ansehe, weiß ich nicht, ob sich die VerfasserInnen das vorliegende Tondokument tatsächlich mehr als 0,7 Mal angehört haben.

Ich will hier nicht lobhudeln, aber ich denke, dass wir, die wir euch gerne fundiert den Sturm bringen, uns mit der Materie, über die wir so gerne schreiben, auch auseinandersetzen. Das Album sollte ein paar Mal konzentriert im Kopf rotieren bevor ich mir eine Meinung bilde. Wenn ich aber lese, dass OBSCURE INFINITY bei einem Kollegen schon beinahe Black Metal sind während der andere von schwedischem Death Metal laviert dann, liebe Freunde, ist mir relativ klar, dass "Into The Vortex Of Obscurity" allerhöchstens zügig durchgeskipped wurde. Da kann ich dann auch gleich bei der Krone oder der Bild-Zeitung schreiben. 

Übrigens geht mir das Wort "drölfzigst" ziemlich auf den Wecker.

Warum die große Aufregung? Die Aufregung ist mitnichten so groß, aber es gehört dann auch einmal gesagt, dass Musikjournalismus, wenn auch unentlohnter, eine einigermaßen seriöse Geschichte sein soll. Sonst könnt ich auch gleich für die Krone schr... was? Aso, hatten wir schon.

OBSCURE INFINITY sind nichts weniger als ein weiteres Steinchen im großen Mosaik, das sich da deutscher Death Metal nennt. Ob CHAPEL OF DISEASE, DESERTED FEAR,  SULPHUR AEON und eben OBSCURE INFINITY, neuer, spannender und aufregender Death Metal kommt dieser Tage aus Deutschland. Das man dabei nicht von einem homogenen Gesamtsound, von einer stilgebenden Schiene sprechen kann zeigen die unterschiedlichen Auslegungen des Stils. Die gegenständlichen Rheinland-Pfälzer nehmen geschickt Einflüsse aus Holland und Florida auf, vermengen sie gerne mit Crust-Abfahrten und streuen gerne alleinstellungsmerkmalgebende Heavy-Metal-Soli ein, wie sie auch von IRON MAIDEN oder älterem Teutonen-Stahl stammen könnten.

Dazu kommt noch, dass die Platte massiv abwechslungsreich und mit 40 Minuten Spielzeit an und für sich optimal ausgelegt wurde. Zwei Songs "Lightning Spear "A Forlorn Wanderer, Pt. 2)" und das abschließende "Swallowed By Time And Darkness" lassen die Acht-, respektive Neun-Minuten-Grenze zerbersten, ein kurioserweise als vorletzte Nummer platziertes Interludium namens "Withering Starseed Under The Cosmic Vault" verliert sich nach einer knappen Minute, der Rest füllt die Spielzeit angenehm mit einer Vielfalt an Ideen und deftigen Umsetzungen derselben.

Bisweilen fehlt etwas der Faden, der rote. Die beiden Mutterschiffe lassen mich immer wieder etwas abdriften. Abwechslung schön und gut, aber da hätte eine editierende Schere möglicherweise straffender wirken können. Das klingt mir dann immer wieder ein bisschen zu sehr nach PRIMORDIAL, einer der wohl überschätztesten Bands der gesamten Szene (wenn jemand wissen will, warum, ich stehe gerne Rede und Antwort). Soundmäßig gibt es nichts zu meckern, musikalisch ist der Vierer mit Steuermann über jeden Zweifel erhaben. Die Gitarren ergänzen einander immer wieder aufs Feinste, der Gesang ist richtig schön derb, außer wenn Jules wie in "Lightning Spear "A Forlorn Wanderer, Pt. 2)" auf cleane Vocals umstellt. Das geht ziemlich daneben. Das Drumming ist abwechslungsreich und der Sound des Schlagzeugs zur Abwechslung einmal nicht ultramodern.

Insgesamt hat das Album Potenzial, es wackelt noch ein wenig beim vierten Volloutput der Band, aber ich bin der Überzeugung, dass hier etwas Großes im Entstehen ist.

Schon seit einiger Zeit ist mit "Evocation Of Chaos" eine Compilation von unveröffentlichten Tracks, Split-Beiträgen, Live-Recordings und dem 2008er-Demo "Into The Depths Of Infinity" erhältlich. Eine durchaus interessante Zeitreise von den Anfängen bis zum Jetzt. Kann man so machen.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (15.04.2019)

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