ARCH / MATHEOS - Winter Ethereal

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VÖ: 10.05.2019
Bandinfo: ARCH / MATHEOS
Genre: Progressive Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Während uns Hr. Townsend in akkordverdächtiger Zeit mit schaumrollenartigen Produkten zuschüttet, DREAM THEATER noch immer keinen anständigen Sänger haben und ein belangloses Album nach dem anderen veröffentlich, OPETH, ähm, OPETH sind und jeder zweite Gitarrist, der sich beim Proben laufend vergreift und das als verschobenen Takt zu verkaufen versucht, haben Jim Matheos Und John Arch einen eher entschleunigten Zugang zum Thema Musikschaffen. 2011 erschien ihr letztes gemeinsames Album "Sympathetic Resonance", riss kurzerhand alle Mauern ein und klingt noch immer vehement nach. Dazwischen machte man sich mit der "Awaken The Guardian"-Besetzung auf, um zweimal dieses Werk, "Awaken The Guardian" nämlich, gemeinsam aufzuführen, ansonsten war es vor allem bei John Arch musikalisch etwas ruhig. Beide Protagonisten wussten damals nicht, ob es noch ein weiteres Album unter dem ARCH/MATHEOS-Banner geben würde und so ließ man sich bis 2017 Zeit um mit dem Songwriting für "Winter Ethereal" zu beginnen.

Im Gegensatz zum 2011-Sternenkreuzer hat man hier einiges an Drummern und Bassisten mit an Bord gebracht. Eingespielt wurde das Album nicht gemeinsam, vielmehr wurde das internationale Netz bemüht um sich gegenseitig Soundfiles zu senden. Gut, nicht gemeinsam stimmt nur zum Teil. Die beiden namensgebenden Protagonisten nahmen tatsächlich einige Parts zusammen auf. Produziert hat Jim Matheos selbst und das ist einer der ganz, ganz großen Pluspunkte des Albums. Genauso sollte moderner Metal klingen. Organisch aber entstaubt, niemals klinisch und anständig heavy. Warum es einem Mann gelingt was tausend anderen Bands und Produzenten heutzutage nicht gelingen mag ist ein Geheimnis, welches wir wohl so schnell nicht lüften werden (gut, so schwierig ist es auch nicht: wenig Geld schafft die immer gleiche Produktion, sehr gut zu hören im extremeren Metal).

Was hat sich also in den beinahe acht Jahren getan seit uns die Beiden gezeigt haben, wie man Prog-Metal macht? Erstaunlich wenig. Kein Quantensprung, keine nicht erwartete Wendung, wo ARCH / MATHEOS draufsteht ist genau das drinnen. Bis auf "Straight And Narrow" sind die Songs typischer, extrem verschachtelter Prog-Metal der feinsten Sorte. Durch die verschiedenen Schlagzeuger bekommen die Songs eine spannende Note, die Riffs sind immer noch um Faktor Eins auf die Seite verschoben und John Arch tänzelt mit der ihm eigenen Stimme auf seinen eigenständig-eigenartigen Gesangslinien herum. Wie ich erst unlängst von einem Bekannten erfahren habe, und das ist jetzt nicht wirklich die große Enthüllung, ist genau diese Stimme für Einige das große Problem seit den frühesten FATES WARNING-Tagen. Dieser "wie viele Wörter passen in eine Zeile und wie hoch kann ich sie singen"-Ansatz ist natürlich DAS Alleinstellungsmerkmal der "Band", aber es versperrt eben euch einigen Proggern den Zugang zum Material. Andererseits kann man sich dann auch nicht wirklich erklären, warum DREAM THEATER mit ihrer Karikatur eines Sängers noch immer mehr als erfolgreich sind. Fragen über Fragen...

Wie schon erwähnt, befinden wir uns hier auf schwierigem Terrain. Forderndem Terrain. Die Spielzeit von einer Stunde und acht Minuten ist vollgestopft mit technischen Schmankerln, Solo-Abfahrten, Schlagzeugfiguren die man wohl nur mit einem Hochschulstudium nachvollziehen kann. Ach ja, ab und an, gibt es sogar so etwas wie Songs. Das ist hier das große Problem. Hier passiert alles auf höchstem Niveau, aber wo sich "Sympathetic Resonance" dann doch nach einiger Zeit durchaus auch als Begleitung zum Autofahren erwiesen hat, da zeigt sich "Winter Ethereal" deutlich garstiger. Fürchtet euch nicht, auch hier haben wir schöne Gesangsmelodien und wie im abschließenden "Kindred Spirits" grandiosen Prog-Metal der die sprichwörtliche Fist zum raisen bringt, wenn man aber hört, wie sich John Arch müht, zum Dauerschlagzeugsolo bei "Solitary Man", eine Gesangslinie zu finden dann wird es beinahe etwas zu viel. 

Jetzt kann es natürlich sein, dass sich die Platte, einem guten Malt Whisky ähnlich, mit der Zeit öffnet, atmet und Leben gewinnt. Und wie vorgenannte Cask Strength-Spirituose ist das Grundprodukt schon meilenweit vor allen anderen Konkurrenten zu sehen aber ob "Winther Ethereal" den Vorgänger einholen und/oder gar übertreffen wird vermag ich noch nicht zu sagen. "Time will tell", sagt der Ex-Europäer ("Out means Out!") und ich bin gespannt, wie sich das Album entwickeln wird.

Ein Monster an Prog-Metal, das uns hier vorgelegt wird! Es wirft mich nicht zum Boden wie der Vorgänger, wird aber wohl jeden Musiker zu glühenden Nadeln greifen lassen, um selbige durch ein Auge ins Stammhirn zu rammen.

 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (03.05.2019)

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