ATLAS PAIN - Tales Of A Pathfinder

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VÖ: 19.04.2019
Bandinfo: ATLAS PAIN
Genre: Epic Metal
Label: Scarlet Records
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Lineup  |  Trackliste

Nach ihrem äußerst wohlwollend aufgenommenem Debüt „What The Oak Left“ stehen die Epic/Folk-Metaller von ATLAS PAIN nach zweijähriger Wartezeit mit ihrem Zweitwerk auf der Fußmatte. Um den Schwierigkeitsgrad ein wenig zu erhöhen, haben sich die Italiener für ihr neues Album an ein Konzeptwerk gewagt – aber nicht die drölfzigtausendste Verwurstung irgendwelcher heidnischer Sagen aus dem hohen Norden, nein, ATLAS PAIN legen uns kurzerhand mit Augenzwinkern eine Art Steampunk-Märchen vor. Das klingt im ersten Moment wirklich schräg, funktioniert aber dank der sympathischen Art der Band und ihrer Gabe, ohne Verbissenheit und mit einer gewissen Selbstironie an die Sache heranzugehen, tatsächlich ziemlich gut.

Entsprechend kitscht und klebt es auf „Tales Of A Pathfinder“ dann auch an allen Ecken und Enden – bereits das überbordend epische Intro „The Coldest Year“ gibt die Marschrichtung vor, die ganz eindeutig in die musikalische Frühphase des Pagan Metal schielt. Starke, melodische Songs mit gnadenlosen Hooklines und Ohrwurmrefrains wie „The Moving Epire“ oder „The Great Run“ lassen bisweilen ein wenig an EQUILIBRIUM in ihrer Frühphase denken, auch wenn man sich an manchen Stellen etwas weniger dominantes Keyboard und etwas knackiger herausgearbeitete Gitarren wünschen würde.

Dafür laufen Songs wie „Hagakure's Way“ oder „Kia Kahla“ gut rein und gehen sehr schnell ins Ohr, aber laufen dabei auch Gefahr, sich schnell abzunutzen. Stark sind ATLAS PAIN vor allem in ihrer enorm wirkungsvollen Verbindung aus herzhaftem Gebrüll und epischen Chören (zB in „Ódauðlegur“), die vorrangig für den hohen Ohrwurmfaktor des Albums sorgen. Dass es manchmal auch ein bisschen mehr sein darf, das wird auf „Homeland“ vorexerziert, das mit seinen über elf Minuten großen Raum einnimmt und nach den vielen stilistisch sehr ähnlichen Titeln mit etwas mehr Abwechslungsreichtum einher kommt. Jedoch wirkt der Titel durch seinen Bruch in der Mitte mehr wie zwei separate Songs, die man einfach aneinander gestückelt hat. Trotz hier sehr facettenreicher, und streckenweise sogar relativ derber Vocals, plätschert „Homeland“ durch seine Überlänge mehr dahin und kann auch mit unspektakulärem Ende das Ruder nicht mehr herumreißen. Das beruhigte Outro „The First Sight Of A Blind Man“ beschließt schließlich das Album mit vergleichsweise fragilen Tönen.

„Tales Of A Pathfinder“ ist ein zweischneidiges Schwert, da das Album durch seine stark melodische Ausrichtung und seine sehr schnell packenden Ohrwurmrefrains anfänglich große Begeisterung zu entfachen weiß, sich über einen längeren Zeitraum hinweg aber leider doch sehr stark abnutzt. Die größte Stärke von ATLAS PAIN, nämlich ihr Händchen für vielleicht seichte, aber extrem wirkungsvolle Melodien, erweist sich somit auch als größte Schwäche, da es dem Album eine recht kurze Halbwertszeit beschert und nach zunächst freudigem und äußerst intensivem Hören dann doch wieder schneller wieder in der Versenkung schwindet, als man zunächst gedacht hatte.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (22.04.2019)

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