MUSTAN KUUN LAPSET - Valo

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VÖ: 08.03.2019
Bandinfo: MUSTAN KUUN LAPSET
Genre: Dark Metal
Label: Inverse Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Der nächste potenzielle Skandal im metallischen Zirkus stammt womöglich aus Finnland: Blumen auf einem Black-Metal-Cover? Was kommt als Nächstes? Nutten im Vatikan? Lord Ahriman bei der Beichte? Diese und ähnlich entartete Phantasien beflügelt der neueste kreative Output MUSTAN KUUN LAPSETs, die mit "Valo" bereits ihr sechstes Album präsentieren. Und auch diese Finnen stellen mal wieder unter Beweis, dass ihr Land nicht nur die höchste Dichte an Metalbands aufweist, sondern auch einige äußerst kreative Köpfe hervorbringt.

MUSTAN KUUN LAPSET ("Kinder des schwarzen Mondes") existieren (mit Unterbrechungen) seit 1993 und haben ihre Wurzeln ganz traditionell im Black Metal. Mit der Zeit hat sich das Quartett in Richtung des Dark Metal weiterentwickelt, ohne dabei ihre Wurzeln allzu sehr zu verleugnen. So bewegt sich das sechste Album "Valo" immer noch nah am Black Metal und baut nach wie vor auf den typischen Krächzgesang. Instrumental werden die charakteristischen BM-Verhaltensmuster inzwischen eher spärlich und pointiert eingesetzt. Stattdessen spielen die Jungs um Fronter Pete Lehtinen überwiegend verträumte und zuweilen sogar harmonische Melodien.

Das Intro "Kuninkaan Uni" setzt auf ENSIFERUM-ähnliche Folkklänge und baut Stück um Stück Spannung auf. Mit dem eigentlichen Opener "Eksyneet" zeigen sich MUSTAN KUUN LAPSET in ihrer ganzen Pracht und verzücken mit einem Gemenge aus lockeren Rockbeats, eingängiger Leadgitarrenarbeit und dezenter Tremolo-Rhythmik mit Keyboardbegleitung im Hintergrund. In "Ikaros" gesellen sich akustische Klänge und cleane Guestvocals von Julia Mattila (THE PASSION OF OUR SOULS) dazu. Die zahlreichen, BM-fremden Einflüsse machen die Musik der Finnen trotz Rabenstimme sehr eingängig und zugänglich. Das Ganze ist dabei durchaus nett anzuhören - zumindest, solange ein gewisses Mindestmaß an metallischem Anstand gewahrt bleibt. Denn mit "Soidin" wird der Bogen in dieser Hinsicht überspannt. Die überwiegend instrumentale Nummer ist derart zuckersüß, dass selbst Niklas Kvarforth Blumen pflückend durch frühsommerliche Wiesen hüpft und sich die Nägel in Infernus' Armband freiwillig auf die Seite legen. Mit anderen Worten ist das Stück schon sehr nahe am Kitsch angesiedelt und beißt sich mit den meisten anderen Songs auf "Valo". Mit "Nostalgia" folgt hingegen ein fett groovender und derbe abrockender Stampfer, der zum Ende hin sogar Doublebass und Blastbeats auspackt. Wären nicht auch hier die etwas zu süß geratenen Harmonien, die eher störend als interessant wirken, hätten wir hier einen Song nahe der kompositorischen Exzellenz. Nach dem abermals sehr gelungenen "Tropaeum" folgt mit dem abschließenden Titelsong "Valo" ein weiteres Instrumentalstück, das den Zuckergehalt gegenüber "Soidin" sehr dankenswert verringert und das Album schwermütig und sehnsüchtig ausklingen lässt. Für geduldige Hörer folgt als Hidden Track eine sehr hörenswerte Version von "Suruntuoja", dem Titelsong des Debutalbums von 2002.

Zugegeben, die Spielweise MUSTAN KUUN LAPSETs ist von Euronymous' Vision von Black Metal so weit entfernt wie der Nordpol vom Südpol. Aber wie bei den beiden Erdpolen ist ein gewisser Verwandtschaftsgrad nicht abzustreiten. Dort, wo die Grenzen des gemeinsamen Ursprungsgenres verlassen werden, dürfte noch an der richtigen Balance gefeilt werden, sonst aber gilt: Daumen hoch!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (25.04.2019)

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