HARDLINE - Life

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VÖ: 26.04.2019
Bandinfo: Hardline
Genre: Melodic Hardrock
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

HARDLINE liefern mit "Life" ihr mittlerweile sechstes Studioalbum ab. Wenn man die rosarote Melodic-Brille einmal absetzt könnte man die Band auch durchaus auf ihr unerreichtes 1992er Debut in Originalbesetzung mit u.a. Neal Schon und Deen Castronovo reduzieren. Das Line-Up brach bekanntlich bereits kurz nach Veröffentlichung der Scheibe auseinander. Mit ständigen Besetzungswechseln wurde der Name mit Johnny Gioeli als einzigem Urmitglied (künstlich?) aufrechterhalten. Die Nachfolgescheiben hatten zwar ab und an ihre Momente aber an die Klasse des Erstlings konnte niemals mehr angeknüpft werden. Mittlerweile besteht die Truppe neben Johnny Gioeli aus Frontiers-Haus-und-Hofproduzent/Songwriter Alessandro Del Vecchio sowie weiteren italienischen Musikern und Musikerinnen. Die Liveauftritte beschränken sich weitgehend auf vereinzelte Festivalauftritte.

Wie steht nun "Life" in der HARDLINE-Discographie dar? Nicht unerwartet kann auch das neue Werk nicht an die Großtat der Vergangenheit anknüpfen. Nichtsdestotrotz sollte man die Platte nicht von vornherein abschreiben. Insbesondere vom Sound her stellt "Life" eine erhebliche Verbesserung zu manchen der Vorgänger dar, die doch an einem teilweise recht rumpeligen Sound litten, was im Melodicrock selten hilfreich ist. Da erwarte ich eine knallende Hochglanzproduktion und die ist beim neuen Silberling durchaus gegeben. Keine übersteuerte brickwall-lastige Beleidigung der Gehörgange - im Gegenteil.

Können die Songs nun mit der Produktion mithalten? Teils teils sag ich mal. Der krachende Opener "Place To Call Home" kann den besten HARDLINE-Songs durchaus das Wasser reichen, ein Parade-Eröffnungsstück, schnell und mit gutem Refrain ausgestattet. Auch das nachfolgende "Take a Chance" orientiert sich am Debut, eher im Midtempo angesiedelt, live bestimmt ein krachiger Titel. Johnny Gioelis Gesangsleistung ist (wie üblich) außergewöhnlich stark, er überzeugt sowohl bei Heavy-Titeln wie "Helio's Sun" (mit klasse Hammond-Orgel-Solo) als auch bei ruhigeren Titeln wie z.B. der Ballade "Page of Your Life", die jedoch eher an einem vorbeiläuft.

Mit "Running Out Of Time" macht man da schon wieder Boden gut, ein hymnischer Uptempotrack, der mit den Höhepunkt von "Life" darstellt. Der mit einem originellen Refrain ausgestattete Song "Hold On To Right" kann ebenfalls überzeugen.

Leider kann die zweite Hälfte da nicht mehr ganz mithalten, es schleichen sich doch immer mehr eher (maximal) durchschnittliche Songs wie der Stampfer "Chameleon" oder "Handful Of Sand" ein, die nicht sonderlich haften bleiben und man locker wegskippen kann. Auch die Ballade "This Love" ist eher langweilige Stangenware, mit "My Friend" gibt es als Rausschmeisser noch eine recht süßliche Akustikballade, die doch recht schmalzig daherkommt. Mit "Who Wants To Live Forever" ist zudem eine weitere ruhige Nummer enthalten. Hier handelt es sich um ein Cover des QUEEN-Klassikers von 1986. Sicherlich mutig, sich an so einen Meilenstein herranzuwagen, doch ob man die Fassung nun unbedingt von HARDLINE braucht wage ich einmal zu bezweifeln. Auch wenn der Song von Johnny Gioelli toll gesungen wird, erreicht er emotional in keinster Weise das Original, vor allem nicht aufgrund der langweiligen Instrumentierung als AOR-Ballade. Da war von QUEEN schon bedeutend mehr Tiefe drin.

Somit hat "Life" wie das wahre Leben Licht und Schatten. Die besten Songs befinden sich unter der ersten Hälfte, in der zweiten geht der Scheibe doch ziemlich flott die Luft aus und es regieren beliebig austauschbare HARDLINE-Tracks. Sicherlich keine schlechte CD aber auch nichts, an das man sich länger erinnern wird. Das belanglose Cover-Artwork reißt einen ebenso nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin.

                  

                  



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (02.05.2019)

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