THE QUIREBOYS - Amazing Discgrace

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VÖ: 05.04.2019
Bandinfo: THE QUIREBOYS
Genre: Blues Rock
Label: Off Yer Rocka
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Nach der Feier des Comebacks mit der Neuauflage des Comeback-Albums „Homewreckers & Heartbreakers“ und dem sehr gelungenen Cover Album „White Trash Blues“ gibt es endlich mal wieder etwas Neues Marke Eigenbau von den Engländern. „Amazing Disgrace“ ist Album Nummer sechs in sieben Jahren (seit der Wiedervereinigung) und zeigt uns, dass die Band, die inzwischen das 35. Jubiläumsjahr feiert, es noch immer drauf hat.

Es wird die übliche Mischung geboten, wobei diesmal weniger Balladen im Mix sind, als zuletzt. Der Blues kommt immer noch erdig und mit rauchiger Whiskystimme, die Melodien mit dem typischen QUIREBOYS Vibe und der easy Spielfreude und Gelassenheit von langjähriger Erfahrung. Der klassische und bluesige Rock’n’Roll klingt, als wäre er frisch von der Live-Bühne und begeistert mit zahlreichen Refrains zum Mitsingen und eingängigen Hooks, die beleben. Die Band selbst war bei den Aufnahmen wie elektrisiert und überwältigend inspiriert – die Aufnahmen fanden nämlich in Rockfield statt, wo auch Freddie Mercury, Brian May und Co unterwegs waren, um zum Beispiel "Bohemian Rhapsody“ aufzunehmen. So etwas gibt natürlich den besonderen Kick und die Band sagt selbst “If you’re of a certain vintage it’s just mind-blowing. I was like a kid in a sweetshop. And if you can’t draw inspiration from recording in that environment then you’re probably in the wrong job!”

Das ganze hört sich folgendermaßen an:
Der Start ins Album heißt “Original Black Eyed Son”, es fallen natürlich sofort Piano und Orgel auf, die gleichberechtigt schöne Harmonien liefern. Der lässige Blues-Vibe mit den groovigen, souligen Backing Vocals gefällt sofort, ist er doch typisch für den Stil der QUIREBOYS. Der Song klingt auch ein wenig nach Bigband, ist fluffig und lebt – wie alle anderen auch – sehr stark von der rauchigen Whiskey Stimme. Zum Glück hat Spike diese noch immer und macht keine Experimente in andere Tonlagen. So können wir uns einfach dem Genuss dieses Gustostückerls hingeben.
In dezentem Moll dann der Vibe bei „Sinner’s Serenade“, aber nicht schlecht. Wieder klasses Bar-Blues-Piano und natürlich ganz lässige Gitarrensoli.

Hammer Song: „Seven Deadly Sins“! Hier passen Rhythmus, Instrumente, die Kombination von funky und melodischen Parts, aber vor allem die Chor-Einlagen, die immer wieder eingestreut werden. Einfach ein perfektes Songwriting, an dem es nichts zu verbessern gibt. Diese Nummer könnte ich mit ihrer Fröhlichkeit und der tollen Stimmung, die damit rüber kommt, den ganzen Tag anhören. Auf jeden Fall ein Anspieltipp, für alle, die es wissen wollen.

Dass es danach einen Break gibt, ist klar, das kann man fast nicht toppen. „Amazing Disgrace“ nimmt die Partystimmung raus und geht mehr Richtung „normal“ Rock mit einfachen Riffs und cleanem Rhythmus. Zwischendurch dann ein langsameres Teil bzw. eine lange Instrumental-Strecke, wo sich die beiden Gitarristen wieder mal austoben dürfen. Das ganze endet in einem beschwingten 80er Rhythmus, der fast schon Disco Anklänge hat.

„Eve Of The Summertime“ ist eine Akustiknummer, der man sofort die Lagerfeuer-Stimmung abkauft. Es hat einen Hauch Western-Romantik, zarte Melodien, einen gemütlichen Rhythmus, ein wenig Orgel und wird überwiegend von der extrem rauen Stimme von Spike dominiert. Irgendwie kommt eine Erinnerung an ROD STEWARD auf, aber den werden wohl die meisten der Leser wohl nicht (mehr) kennen. Einfach ein anderer Brite mit rauer Stimme. Unterm Strich eine schöne, angenehme Nummer, bei der man träumen kann.

Danach darf es mit dem „California Blues“ wieder etwas flotter weitergehen. Das Piano, das wir zuletzt vermisst haben, ist wieder da, Spike nicht ganz so rau, dafür erneut herausstechend die Chor-Mädels. Was dann ein wenig verwundet: zwischendurch der Teil, wo es indisch wird. Haben sie nun die Sitars ausgepackt? Der Stilwechsel hat Ähnlichkeiten mit den psychedelischen Songs der 60er, als viele Bands die fernöstlichen Seiten in ihre Musik einfließen ließen. Geendet wird aber wieder normal und mehr rockig als bluesig.

Bei den nächsten Songs geht es in dieser Gangart weiter. Unterbrechung findet die Linie dann bei "Dancing In Paris" das ist ein L'amour Hatscher ohnegleichen. Kuschelrock zum Tanzen! Der Song erinnert mich an die Love Songs von CHRIS NORMAN in den 70ern und 80ern. (Du liebe Güte, so kitschig und nostalgisch das Teil!)

Mit "Medusa My Girl" gibt es nach dem akustischen Schmusesong zum Glück noch was Flottes, weil so ein schmalztriefendes Ende wäre nicht gut gewesen. Wir dürfen also noch mal westernmäßig zu Fidel und Lagerfeuer rocken und damit "Amazing Disgrace" ausklingen lassen.

Zusammenfassung: Man hört bei THE QUIREBOYS bei jedem Album und bei jedem Song den "alten" Blues und Rock'n'Roll heraus. Das mag bei manchen Bands abgedroschen und als "ewig gestern" klingen, bei ihnen erwartet es man sich jedoch und wäre enttäuscht, wenn dem nicht so ist. Insofern haben sie auch mit dem neuen Album genau das geliefert, was man von ihnen erwartet und an ihnen mag. Frisch und fröhlich spielen und singen sie sich mit Whiskey-Mood in unsere Herzen. Absolut gelungen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (08.05.2019)

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