ALMOST HUMAN - XS2XTC

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VÖ: 01.02.2019
Bandinfo: ALMOST HUMAN
Genre: Metal
Label: Fastball Music
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Lineup  |  Trackliste

Obwohl sich ALMOST HUMAN an dem nordischen "o" vergriffen haben, kommen die fünf "Humanimals" aus der Schweiz. Und sie zünden mit ihrem ersten Longplayer "XS2XTC" (wer errät, wie das ausgesprochen heißen soll, hat so viele imaginäre Waschmaschinen gewonnen, wie er allein und ohne Hilfe tragen kann) direkt den Turbo. Denn ALMOST HUMAN geben sich nicht mit "Erstlingswerk-Fehlerchen und -abstrichen" zufrieden. 

Zumal die Herrschaften schon einige Jahre auf dem gemeinsamen Band-Buckel haben, schlägt "XS2XTC" nach einer EP als Debüt-Longplayer mit ausdauernden 15 Songs zu Buche. Und vereint musikalisch metallisch-direkten Druck mit dem hinterlegenden Melodie-Machwerk, das man gut und gerne aus core-lastigen Scheiben kennt und dem Album die passende Dramatik und Aggression gibt - nebst raubeinigen, aber vollends an der Stimmung definierte Vocals. Das gesamte Rezept wird zwischenzeitlich durch interessante und abwechslungsreiche Passagen verfeinert, die so gut im Songwriting verflochten sind und so natürlich ankommen, dass man die hohe musikalische Qualität wie auf zweiter Ebene beim Genau-Hinhören wahrnimmt, während allein die "erste Ebene" für sich schon komplett und vollständig zufriedenstellend ausreichend ist. 

Aggressiv und dramatisch startet die Scheibe mit "System Of Beliefs", das hart und direkt zur Sache kommt und zweifelsfrei ankündigt, dass die Band gedenkt, sich bei der Abwicklung der treibenden Songs Zeit zu nehmen. Dicht gefolgt bringt "Warpigs" noch mehr Speed und Arschtritt-Mentalität mit, verzichtet auf so ungefähr alles, was überflüssig ist (und gehört somit auch zu meinen persönlichen Highlights der Scheibe). Die prinzipielle Gangart wäre hiermit schon gelegt, gekonnt packen ALMOST HUMAN aber immer wieder Songs auf das vollgestopfte Scheibchen, die das punktierte, treibende Tempo auf zumindest kraftvolles Mid-Tempo bremsen. So gibt es da "Chemical Breakfast", das fast schon mit sphärischen Klängen viel Raum für eine eher wabernde Verschnaufpause lässt. Mit "BabyGlued" wird dann die Tempo-Bremse nur noch zeitweise durchgehalten, findet der Song nach bedächtigem Start aber ausreichend Zeit und Steigerung, um sich zu entwickeln. Recht "Nu-Metallisch" wird es bei "Clowned", auch wenn dieses Stück mehr Intermezzo denn vollwertiger Song - zumindest den klassischen Standards nach - ist. Großartig in der Songentwicklung auch "Beloved Pet", das die Balance zwischen direktem Druck und Melodie wunderbar hält. Mit stampfendem Rhythmus, ohne dabei speedig zu werden, und dem passenden Abwechslungsreichtum und Auslebung der einzelnen Facetten und Teile des Songs, funktioniert dann auch "Welcome 2 Neverland" würdig als eigentlicher Rausschmeißer der Scheibe, hätten sich die Schweizer nicht als Draufgabe noch einen hübschen "Ghost Song" gegönnt, der mehr oder weniger aus nichts anderem besteht als aus einer Art Klangschalen-Meditation. Oder so. 

ALMOST HUMAN experimentieren nicht in fremden Feldern, sondern schieben in ihrem eigenen Metier alle Regler auf Anschlag und lassen sich genügend Zeit, um ihren Sound wirken zu lassen. Das gefällt! So soll ein gutes Metal-Album klingen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (03.05.2019)

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