KAT - Without Looking Back

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VÖ: 14.06.2019
Bandinfo: KAT
Genre: Heavy Metal
Label: Pure Steel Records
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Lineup  |  Trackliste

Die einst als polnische Heavy Metal-Vorreiter gefeierten KAT erleben momentan ihren zweiten Frühling. Der britische Metal Hammer hat vor kurzem ihr 1986er Album "Metal And Hell" als eines der besten 40 Black Metal-Alben der Geschichte auserkoren und ihr Song ´Flying Fire´ findet sich im Film "SQUADRON 303" wieder. Weltpremiere war im November 2018. Jetzt erscheint über Pure Steel
Records ihr neuestes Werk "WIthout Looking Back". Mit diesem Werk fügen sie ihrer seit 1981 andauernden Karriere ein weiteres Album  hinzu, man denke allein an die Klassiker ´666´ aus 1986 oder ´Bastard´ aus 1992 (hier spätestens sollte der begeistertste Ibiza-Urlauber bemerken, dass ich bis jetzt, ja, den Promotext verwendet haben, denn, ja, liebe Irmenhild, ich habe, ja, ich gebe es zu, einen Dummenjungenstreich gemacht, weil, ja, ich kannte die Band bisher nicht - der Balearenrezensent). Musikalisch waren KAT schon immer ein unberechenbares Metal-Monster, das sich im Speed und Heavy Metal, im Black Metal als auch später im Thrash Metal auslebte.

Die vorliegende zehnte Veröffentlichung der Polen hat aber mit allen vorgenannten Genres nichts mehr zu tun, viel mehr fühlt man sich hier im klassischen Metal mit bisweilen etwas zügigeren Songs wohl wie der sprichwörtliche Pudel. Und der Metal ist wirklich heavy, angenehm organisch produziert und mit einer kratzig-bissigen Stimme garniert. Die Songs zielen gerne in Richtung ACCEPT oder RAGE, gehen mir aber deutlich weniger auf die Nerven als die letzten Veröffentlichungen der beiden Teutonenriegen. Das mag semantisch jetzt wenig solide dargebracht worden sein, aber, ja, samma sich ehrlich, viel Gutes ist von Deutschlands Vorzeigeschlachtschiffen im traditionelleren Metal seit Jahrzehnten nicht mehr gekommen. KAT machen ihre Sache ganz gut, klar, eine Stunde Spielzeit ist ambitioniert und deutlich zu lange, aber ein paar starke Songs sind durchaus am Start. Das Eröffnungsdoppel aus stampfendem "Black Night In My Chair" und dem zeitweise flinkeren, mit einem geilen Solo versehenen "Poker" sind qualitativ weit oben anzusiedeln. Da kommen richtig gut Emotionen rüber.

"Medieval Fire" verneigt sich ein wenig vor IRON MAIDEN, leider aber vor der beliebigeren, aktuellen Variante. Hier reißt maximal der wirklich starke Gesang von Qbek Weigel (den Namen kann man nicht erfinden...) etwas raus. Erste längen schleichen sich hier ein, genauso wie es beiden Eastendern seit Jahren auch schon der Fall ist.

"The Race For Life" klingt als ob sich ACCEPT in den späten 80ern in Los Angeles verlaufen und im Whiskey-a-go-go einen Song aufgenommen hätten. Eigenartig simpel, aber erneut mit einem knusprigen Gitarrensolo vom einzig verbliebenen Originalmitglied Piotr Luczyk versehen.

"Flying Fire" ist beinahe thrashig aber leider eher belanglos. Das Gerät zieht spurlos am Hörer vorüber. Hier wäre Einsparungspotential vorhanden.

"Wild" ist das nämlich nicht, wild also, und mit seinen achtdreiviertel Minuten Spielzeit viel zu lang.

Die Tendenz ist klar ersichtlich, das Album schwächelt leider in der zweiten Hälfte, unglücklicherweise ist die auch noch deutlich länger als Halbzeit Nummer Eins.

Prinzipiell kein schlechtes Album. Im Gegensatz zum heftig angesagten Nerd-Metal haben wir es hier mit eher klassisch ausgerichtetem Spätachtzigergespachtel zu tun. Und das gelingt durchaus des Öfteren. Das Problem ist hier das Fehlen der Editierschere und so wird viel Durchschnitt mit auf das Album genommen. Ein Song wie "Walls Of Whispers" ist jetzt wirklich nur eine Aneinanderreihung von Songideen, aber eben kein in sich schlüssiger Song. Bei "Let There Be Fire" vermeine ich dann auch noch eine Hammond-Orgel zu hören, das Instrument des Leibhaftigen. 

"More" versucht dann auch noch im Prog-Metal-Wald zu wildern. Tja, eh, aber nicht mehr.

Insgesamt aufgrund der starken Songs zu Beginn und dem rasanten Niedergang im zweiten Durchgang ein leider nur durchschnittliches Album. Die Zutaten wären da, allein es hapert am Songwriting.

Das Album erscheint auf CD und auf 300 Stück limitiert als Doppel-LP bei den Erzgebirglern von Pure Steel.

 

 

 



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (07.06.2019)

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