VARIOUS ARTISTS - Masters Of The Underground

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VÖ: 02.05.2019
Genre: Metal
Label: ACFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Support Your Local Underground!

Solche Phrasen sind jedem gemeinen Metaller an sich geläufig. Dennoch konsumieren wir das Meiste inzwischen über MP3 und Spotify. Budget für Live Events wird oft nur für teure Festivals oder international anerkannte Headliner aufgewendet. CDs werden entweder in teuren Limited Editions möglichst ungeöffnet ins Regal gestellt, oder günstig unter Wert bei (virtuellen) Flohmärkten geschossen. Sicher gibt es jetzt den einen oder anderen, der denkt: "Ich mache das nicht, ich besuche regelmäßig Underground-Konzerte und decke mich dort auch mit Merch ein". Schon klar. Aber gegen die Promo-Industrie der Major Labels setzt sich der Underground eben selten bis gar nicht durch. Doch hier und da gibt es Menschen, die ihren Worten und Floskeln auch Taten folgen lassen. In diesem Fall möchte ich die Aufmerksamkeit auf den nebenberuflichen Promoter/Konzertveranstaler und DRAGONSFIRE Drummer Jan Müller lenken. 

Müller ist in der Region Mittelrhein (Großraum Hunsrück, Mosel, Westerwald, Eifel, Koblenz) vielen als mitverantwortlicher Veranstalter für das JUZ Andernach bekannt. Neben Konzerten mit bekannten Headlinern (jüngst zum Beispiel GEOFF TATE, DARK TRANQUILLITY, GRAVE DIGGER, MILKING THE GOATMACHINE uvm.) organisiert er auch das jährliche "A Chance For Metal"-Festival, welches neben dem "Keep It True" oder dem "Headbangers Open Air" inzwischen zu den bekanntesten "kleinen" Festivals in Deutschland zählt und auch 2019 wie in den Vorjahren bereits seit kurz nach dem Vorverkaufsstart ausverkauft ist. Zusätzlich entwickelte er die Konzertreihe "Masters Of The Underground", in denen er unbekannteren Bands aus der Region die Chance gibt, vor einem großen Publikum auf großer Bühne aufzuspielen. Und dass es diese Bands genau so drauf haben wie die gesignten (und noch mehr), dass auch Underground Bands ein großes Publikum ziehen können, dass der Underground stärker ist als jemals zuvor, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen: Das und nichts anderes beweist dieses Stück Zeit- und Bilddokument.

Fangen wir mal mit den Fakten an: Viele Regiesseure einer Live DVD versuchen sich an einer Art Konzertfilm, um dem Ganzen für Zuhause eine zusätzliche visuelle Ebene zu bereiten und über das Werk der Künstler ein eigenes artistisch angelegtes Element zu legen. Am Arsch! Eine richtig gute Live DVD versucht einfach nur, das Konzerterlebnis einzufangen und für den Zuschauer daheim zu transferieren, ob dabeigewesen oder nicht. Je weniger Firlefanz, desto besser. Fokus auf die Show, Fokus auf die Protagonisten auf der Bühne. Genau so wird es hier gemacht. Mit einem leicht körnigen, aber authentischen Bild, welches dankenswerterweise auf rhythmische Schnitte (dem filmischen Äquivalent zum Mitschunkeln im Schlagerstadl) verzichtet. Der Sound ist druckvoll und gradlinig, knallt schön aus den Boxen wie das muss. Keine Verkünstelungen, kein Bullshit, nur puren Metal. Dafür schon einmal ein großes Lob!

Geklotzt und nicht gekleckert wurde dafür bei der Bühnenproduktion. Eine Show, welche für Zuhause nachbereitet wird, darf gerne auch optisch ansprechend inszeniert sein. Und in der Bühnenproduktion zeigt sich eben auch das Herzblut, welches in das Projekt "Masters Of The Underground" investiert wurde. Eine mordsmäßige Lightshow, tolles Bühnenbild, im Finale ein paar Pyros. Ein kleines bisschen 80er Stadion-Atmosphäre eben, transferiert auf die vorhandenen Gegebenheiten im JUZ Andernach. Kurz vor der Show wurde über die Kanäle der sozialen Medien noch durchgegeben, dass man wenn möglich die Smartphones daheim lassen soll, damit diese Atmosphäre noch verstärkt wird. Deswegen sieht man auch weniger leuchtende Displays im Auditorium als derzeit üblich. Andererseits ist Social Media "Buzz" heutzutage ein wichtiges Werbeinstrument, die Smartphones die dafür notwendigen Vehikel. Ob das also nötig war, sei mal dahingestellt. Das Endprodukt ist damit aber eine vor Authentizität triefende Huldigung an die geilste Zeit des Metals, da gibt es nichts zu kritisieren.

Natürlich soll an dieser Stelle auch ein Wörtchen zu den Protagonisten des Abends fallen, obwohl ich das bewusst klein halte. Ihr, die ihr die Bands kennt, wart vermutlich eh bei dem Spektakel anwesend. Die von euch, welche keine der Bands kennen, sollen sich einfach mal überraschen und anstecken lassen von der unfassbaren Intensität, welche da von der Bühne ins Publikum überspringt. Ich garantiere jedem: Keine Major-DVD-Produktion zeigt so gut aufgelegte Bands, und noch weniger ein so unfassbar agiles Publikum. SECUTOR eröffnen den Abend mit einer durchinszenierten Show voller melodischem und verflucht eingängigem Thrash Metal. Es sollte sich einige Wochen nach der Show herausstellen, dass dies die letzte Show mit dem langjährigen Frontmann Bobby Bald gewesen sein soll. Somit ist diese Show auch von biografischer Bedeutung her ein Meilenstein. Abgesehen davon regieren Riffs, Spielwitz, gute Laune und Durst. Die nähe zu TANKARD wird nicht nur wegen dem Song "Raise The Tankard" schnell deutlich. Leute, ich mach keine Witze: Stellt genug Pilsner kalt, bevor ihr auf Play drückt. Ihr bekommt nen Mords Brand! Danach sind DRAGONSFIRE dran, welche mit ihrem Melodic Power Metal europäischer Prägung mächtig Dampf machen. Die drei Gitarren sägen das Publikum in Grund und Boden, während Neu-Sänger Dennis Ohler mit einer gesanglichen Meisterleistung glänzt. Die Band hat leider viele Line-Up Wechsel durchmachen müssen und ein bisschen Patchwork-Feeling wird man wohl nie los. Dennoch begeistert die Show ab der ersten Sekunde. Außerdem stellt die Hommage an den verstorbenen Sänger Thassilo Herbert den emotionalen Kern der Show, und vor allem auch des ganzen Abends dar. Das ist Entenpelle pur! Was und wer bis hierhin noch steht, wird danach von STELLPREACHER komplett abgerissen. Die vier Jungs feuern eine Hymne nach der Anderen ins Publikum und jeder, wirklich JEDER, geht komplett steil. Musikalisch wird hier die volle Breitseite bedient. Hard Rock, Heavy Metal, Power Metal, egal. Hauptsache es kommt beim Publikum an, welches gemeinsam mit der Band den Abend auf ein gigantischen Finale zusteuert. Vom musikalischen Inhalt her passiert hier am meisten, was auch an Saitenhexer "Andi The Wicked" liegt. Manchmal muss man keine Worte für etwas finden, was keiner Worte bedarf. Schaut euch die Show an, lasst es wirken, und ihr versteht was ich meine.

Ich hoffe zu tiefst, dass diese DVD als Dokument, was der Underground alles bewirken kann, wahrgenommen wird. Dennoch hoffe ich auch, dass dieses Ding als Visitenkarte aller Protagonisten von ganz vielen Promotern, Agenten, ja auch von den Majors angenommen wird. Jeder, der hier auf der Bühne steht, verdient es, mit dauerhaftem Erfolg belohnt zu werden. Promoter: Bucht die Jungs hier und sichert euch ne verdammt geile Party.

Ich wiederhole mich zum Fazit noch einmal, weil es wichtig ist! Und weil es das ist, was die Metal Szene im Kleinen und Großen schon immer ausgemacht hat, vom Tapetrading über Festivals bis hin zum Streaming. Macht eure Band bekannt. Spielt niemals gegeneinander, nur miteinander, dann kann so etwas hier als Ergebnis bei herauskommen. And First and Foremost: Support Your Local Underground!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (02.05.2019)

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