PERIPHERY - Periphery IV: HAIL STAN

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VÖ: 05.04.2019
Bandinfo: Periphery
Genre: Progressive Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

In beinahe 14 Jahren haben PERIPHERY einen ganzen Geröllhaufen beeindruckender Meilensteine aufgetürmt. Mit der Erfolgskurve steigt jedoch auch die Anzahl und Extravaganz der Erwartungshaltungen. Zu diesem Zeitpunkt einer Karriere gibt es verschiedene Optionen. Man kann sich entspannt zurücklehnen und sich den Gefahren der Reproduktion aussetzen oder sich neu erfinden und vielleicht verlieren. PERIPHERY haben sich für den wahrscheinlich schwierigsten Weg entschieden: die Weiterentwicklung. Durch die Trennung von Sumerian Records haben sie an der symbolischen Kette genagt, die sie mit ihren vergangenen Erfolgen verband und sich damit den benötigten Freiraum verschafft, um noch akrobatischer ausholen zu können. Erstmals haben sich PERIPHERY mehr als ein Jahr nur einem Album gewidmet. Der Kreativität hat dies hörbar gutgetan. PERIPHERY ist es gelungen, die ihnen als Band eigenen Persönlichkeitsmerkmale weiterzuentwickeln, ohne die eigene Herkunft zu verleugnen und sich stilistisch grundlegend zu verändern. Auch die vierte Version von PERIPHERY erkennt man in einem Orkan musikalischer Haferflocken, im Subzyklon der ganz speziellen Knusperflöckchen, an ihrem einzigartigen Gesicht.

Der Einstieg ins Album erscheint mit dem beinahe 17-minütigen „Reptile“ eine die Geduld herausfordernde Vereinzelungsanlage für diejenigen zu sein, die sich eine schnelle Meinung bilden. PERIPHERY haben eine augenzwinkernde Botschaft an die ADHS-Kinder des heutigen Zeitgeistes: Setzt euch hin. Hört uns zu. Von diesem Album werdet ihr nicht einfach nur die Überschriften überfliegen um darüber in oberflächliches Geschnatter zu verfallen. „Reptile“ ist das Klettgeflecht aus filigranen Fäden der bisherigen musikalischen Geschichte, in dem der Hörer sich mit allem verfängt, was nach geradliniger Bewegung strebt – ein Geniestreich zum Einfangen flüchtiger Elemente – und dann ist die Aufmerksamkeit dort, wo PERIPHERY sie haben wollen. „Do you think you know who you are?“, spricht Mikee Goodman mit sonorer Stimme. PERIPHERY wissen genau, wer sie sind. Wer zuhört, ist sich bald nicht mehr so ganz sicher und verschwimmt sich ganz weit abseits alberner Reptiloidengeschichten in beeindruckenden Screams, vielseitigem Gesang, hypnotisierendem Gedjente, traumhaften Synthieflächen... und aus. Mit Sicherheit die kürzesten und erlebnisreichsten 17 Musikminuten, die ich seit langer Zeit verbracht habe.

Das vorab bereits als Single veröffentlichte „Blood Eagle“ ist eine massiv übergewichtige Gitarrenwalze, doch „CHVRCH BVRNER“ steigert den Aggressions-Output bis in den dunkelroten Bereich. Mit diesem Kuschelfrosch von Breakdown und dem verstörenden Störgeräusche Finale ist die mit Sicherheit vltraernst gemeinte Fackelhymne perfekt geeignet, um unbelebten Gegenständen Wärmeenergie zuzuführen. So könnte man zwar weiter zerpflücken, doch „Periphery IV: HAIL STAN“ ist in seiner Vielfalt vor allem als Gesamtwerk gemeint und entfaltet auch nur bei bestimmungsgemäß vollständiger Rezeption seine Funktion als Augenöffner. Man kann sich kaum vorstellen, dass PERIPHERY sich ausgehend von dieser Leistung noch steigern, aber davon bin ich trotzdem überzeugt. PERIPHERY haben Progression besser verstanden als alle Prototypen dieser Schublade zusammen.

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Daria Hoffmann (07.05.2019)

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