FORTUNE - II

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VÖ: 26.04.2019
Bandinfo: FORTUNE
Genre: Rock
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

Wir schreiben das Jahr 1982, als sich die beiden Fortune Brüder Mick und Richard mit Ex-LIVERPOOL EXPRESS Keyboarder Roger Scott Craig und Sänger Larry Greene zusammen tun und schließlich 1985 mit Ihrem eigentlichen Debüt ein AOR Meisterwerk herausbringen. Dieses ging damals auf Grund der Pleite der Plattenfirma und somit mangelnder Marketing-Unterstützung leider völlig unter, gilt aber bis heute zurecht als absoluter Geheimtipp unter AOR Anhängern. Ursprünglich haben FORTUNE ihr Debüt bereits Ende der 70er Jahre veröffentlicht (damals noch mit einer Sängerin), welches im Pop-Rock Bereich angesiedelt war und völlig in Vergessenheit geriet. Erst durch das geniale Songwriting von Roger Scott Craig, welcher danach zusammen mit Larry Greene unter dem Banner HARLAN CAGE für weitere Klassiker verantwortlich ist, wurde "FORTUNE I" zu einem Album, welches mit Hits wie "Thrill Of It All", "98 In The Shade" und "Dearborn Station" noch heute zu begeistern weiß. Wer das Album noch nicht kennt, sollte unbedingt ein Ohr riskieren. Im Zuge dessen kann gleich die komplette HARLAN CAGE Diskographie mit angehört werden. Diese gehört zum Besten, was zwischen 1996 und 2002 im Bereich des Melodic Rock auf den Markt kam. Kein Wunder, durfte doch Sänger Larry Greene zuvor bereits bei den Soundtracks von z.B. Top Gun oder Over The Top mitwirken und weiß, wie er seine samtweiche Stimme songdienlich einsetzen kann.

Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an das zweite FORTUNE Album, welches nun mehr als 30 Jahre später erscheint. Den ersten Wermutstropfen mussten Fans bereits vor der Veröffentlichung verdauen, schließlich ist Roger Scott Craig nicht mit von der Partie. Anscheinend hat er sich nun komplett aus dem Musikbusiness zurück gezogen, nachdem eine von ihm initiierte Musikplattform In den 2000er Jahren nicht über eine Projektphase hinaus kam. Trotzdem startet der Opener "Don't Say You Love Me" mit ordentlich Bombast-Keyboards, gespielt von Produzent Mark Nilan, und als Larrys Stimme aus den Boxen tönt, meint man sich wirklich wieder mitten in die 80er Jahre versetzt, als Michael J. Fox und Tom Cruise ihre ersten schauspielerischen Gehversuche unternahmen. Leider nimmt "Shelter Of The Night" dann schon arg das Tempo raus, bleibt im Midtempo hängen und klingt wie ein HARLAN CAGE Überbleibsel aus den "Temple Of Tears" Sessions, welches es damals nicht auf das Album geschafft hat. Flotter geht es dann mit "Freedom Road" weiter und ein Lächeln breitet sich aus. Dies dauert dann auch etwas an, denn "A Little Drop Of Poison" zählt eher zu den stärkeren Balladen im Larry Greene Universum und seine weiche Stimme macht den Song zu etwas besonderem - vorausgesetzt man kann mit so viel Schmalz auch umgehen.

Da HARLAN CAGE traditionell auch immer einen FORTUNE Song auf Ihren Alben gecovert haben, macht es FORTUNE nun umgekehrt und mit "What A Fool I've Been" gibt es einen raren HARLAN CAGE Track zu hören, der zuvor nur auf einer MTM Music Compilation veröffentlicht wurde. Und obwohl der Song der härteste auf dem FORTUNE Album ist, bleibt mir persönlich der Original Track besser in den Ohren. Was nun folgt, treibt mir die Tränen in die Augen, leider nicht vor Rührung, sondern vor Enttäuschung. Denn "Overload" ist ein weiteres "verstecktes" HARLAN CAGE Cover, bei dem einfach nur Bridge und Refrain textlich verändert wurden, der Rest ist 1:1 als "Halfway Home" auf dem "Double Medication Tuesday" Album zu finden. Keine Ahnung, warum FORTUNE solch faule Tricks nötig haben. Wahrscheinlich, um zu verschleiern, dass nach über 30 Jahren nur acht neue Songs entstanden sind.  Von denen mit "Heart Of Stone" eine etwas schwächere Ballade zu Buche steht, "The Night" ebenfalls nur als Standardware zu bezeichnen ist und nur die beiden abschließenden "New Orleans" und "All The Right Moves" nochmals die Magie des Debüts entfachen.

Somit muss man abschließend zusammen fassen, dass der etwas späte Versuch eine leider untergegangene AOR Band wieder neu zu beleben nur teilweise geglückt ist. Denn während vier bis fünf Songs tatsächlich den genialen Spirit atmen, ist der Rest definitiv durchgefallen. Und insgesamt über 30 Jahre auf nur acht neue Songs warten zu müssen, zeugt zum einen von schleppenden Songwriting Sessions und lässt zweitens auch nicht froh in die Zukunft blicken. Denn alle Bandmitglieder sind nicht mehr die Jüngsten.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Markus Gruber (06.06.2019)

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