GAAHLS WYRD - GastiR - Ghosts Invited

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VÖ: 31.05.2019
Bandinfo: GAAHLS WYRD
Genre: Extreme Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Kristian Eivind Espedal alias Gaahl zählt zu den bekanntesten Personalien der norwegischen (Black) Metalszene. Neben seinen älteren Bands TRELLDOM und GAAHLSKAGG machte er sich insbesondere als Frontmann von GORGOROTH einen Namen. Nach dem Split mit des Teufels Minister auf Erden (Infernus) und einem Streit um den Bandnamen "GORGOROTH", der zu Gunsten Infernus' entschieden wurde, gründete er gemeinsam mit seinem Mitstreiter King ov Hell (Tom Cato Visnes, ebenfalls ex-GORGOROTH) das Black-Metal-Projekt GOD SEED. Zudem wurde er für eine Weile Mitglied der Folk-/Ambient-Truppe WARDRUNA. Seine jüngste Band GAAHLS WYRD, die er vorrangig mit ehemaligen Kollegen aus GOD-SEED-Zeiten ins Leben rief, präsentiert nun nach anfänglichen Besetzungswechseln ihr Debut "GastiR - Ghosts Invited".

Von Chancen der Diversität...

Direkt nach dem ersten Hören des Werks reift die Erkenntnis, dass die Wahl eines neuen Vehikels eine fundamental richtige, wenn nicht gar notwendige Entscheidung war. Schließlich unterscheidet sich die Musik von GAAHLS WYRD deutlich von dem, was bisher gemeinhin von Herrn Gaahl bekannt und populär wurde. So verleugnet der facettenreiche Extremmusiker zwar seine schwarzen Wurzeln nicht gänzlich, rückt sie aber gleichwohl deutlich in den Hintergrund. Die Stimmung auf "GastiR - Ghosts Invited" ist viel mehr mystisch und esoterisch statt kalt und beklemmend. Das Tempo bewegt sich überwiegend im mittleren bis unteren Bereich, auch vereinzelte Doom-Tauchgänge gehören zum Repertoire. Gesanglich bietet der Protagonist Gaahl eine erfrischende Vielfalt, die vermehrt auf cleane Vocals in verschiedenen Tonlagen baut, aber auch knurrige Gesänge bis hin zum Black-Metal-Gekeife integriert. In der musikalischen und stimmlichen Diversität steckt eine der großen Stärken des Albums.

...Fallstricken im Arrangement...

Und das führt mich geradewegs zum wesentlichen Schwachpunkt des Albums: dem Songwriting. Denn auch, wenn die musikalischen Einflüsse und stimmlichen Horizonte des Künstlers Gaahl noch so interessant sind, so erscheint das Liedgut zuweilen recht zähflüssig arrangiert. Das Ganze beginnt mit dem Opener "Ek Erilar", der zunächst über vier Minuten recht höhepunktsarm vor sich hinrödelt und erst zum Ende hin etwas Dynamik aufkeimen lässt. Auch "From The Spear" oder "Carving The Voices" haben ihre guten Momente, bleiben aber weitgehend repititiv und ein Opfer der Schwerkraft. Der erste Eindruck zu GAAHLS WYRDs Einstand war daher ernüchternd und es blieb auch nach mehreren Durchgängen nicht viel hängen. Glücklicherweise gibt es aber auch Positivbeispiele wie den Titelsong "Ghosts Invited". Die Nummer zeigt eine etwas feinere Komposition und setzt immer dann Impulse, wenn die Repitition zum mentalen Abschweifen animieren würde. Ebenfalls gut zur Geltung kommt hier Gaahls tiefstimmiger und mystisch anmutender Gesang. "Carving The Voices" erinnert instrumental dezent an EMPERORs "The Wanderer". In "Veiztu Hve" und "Through And Past And Past" blitzt der grantige Norweger-Black-Metal, mit dem der Frontmann einst bekannt wurde, am stärksten durch. Der letztgenannte Song kommt sehr thrashig rüber und gibt im Kontext des restlichen Albums amtlich auf die Mütze. So entpuppen sich am Ende doch noch einige Stücke als Grower, auch wenn davon nur wenige das Zeug für 3,5 Punkte oder mehr haben. Gaahl ist unbestritten ein großer und völlig zurecht geachteter Musiker, aber gerade deswegen hätte ich mir von einer Band unter seinem maßgeblichen Einfluss etwas mehr erhofft.

...und der Sache mit den Geistern.

An "GastiR - Ghosts Invited" könnten sich die Geister scheiden, pflegen GAAHLS WYRD doch in Puncto schwarzmetallischer Nestbeschmutzung genreübergreifender Kreativarbeit eine ähnliche Herangehensweise wie SATYRICON, deren jüngere Veröffentlichungen ich beinahe so sehr schätze wie die Frühwerke. Denn auch, wenn "Nemesis Divina" für mich das SATYRICON-Album bleibt, kann ich doch die gelegentlichen Langeweile-Vorwürfe in Bezug auf "Satyricon" und Co. nicht unterschreiben. Bei "GastiR - Ghosts Invited" tue ich es mir da trotz einer gewissen Schnittmenge ungleich schwerer. Ist Meister Gaahl nun von allen guten Geistern verlassen oder sind sie mit ihm? Hört rein und entscheidet selbst...



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (27.05.2019)

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