RYKER'S - The Beginning...Doesn't Know The End

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VÖ: 31.05.2019
Bandinfo: RYKER'S
Genre: Hardcore
Label: Beatdown Hardwear Records
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Lineup  |  Trackliste

Die RYKER'S zählen zu jenen Bands, die ich schon fast mein halbes Leben kenne. Sie waren eine dieser Insidertipps, die mir mein Trompete spielender Vetter neben der Sauferei und manch anderer Hardcore-Rabaukentruppe nahegebracht hatte. Und auch wenn das mein (imaginärer!) Sozialarbeiter vielleicht anders sieht, so bin ich hierfür doch sehr dankbar. Denn neben den besagten Annehmlichkeiten ebnete die frühjugendliche Hardcore-Beimpfung meinen Weg in die extremen Metal-Gefilde, in denen ich mich heute fühle wie der Teufel in Frankreich. 

Nach ihrer Auflösung verschwanden die RYKER'S über die Jahre hinweg aus meinem Blickfeld, bis sie schließlich 2013 zurückkehrten und "Hard To The Core" veröffentlichten. Weitere Veränderungen sollten folgen. So stieg Shouter Kid D. nach dem Release des Comeback-Ablums wieder aus und wurde durch Dennis alias Sergeant D. beerbt, der auf dem Nachfolger "Never Meant To Last" zu hören ist. Gitarrist Grobi warf zwischenzeitlich ebenfalls das Handtuch und wurde durch Steve Römhild ersetzt, der auf dem aktuellen Brecher "The Beginning...Doesn`t Know The End" seinen Einstand gibt.

Nichts ist so beständig wie die Veränderung - der Name RYKER'S aber bleibt und mit ihm auch der "NYHC-Straßenköter-Charme", wie es die Band mehr als treffend auf den Punkt bringt. Auch Album Nummer drei nach der Reunion (oder dem Ende der Pause...) offenbart die alten Recken der New Yorker Szene als Haupteinflussquelle. Der Geist der jungen SICK OF IT ALL, MADBALL, etc. ist allgegenwärtig und offenbart sich besonders deutlich in Songs wie "Losing Touch" oder "Cast In Stone". Es mag Zufall sein, aber Dennis' Geshoute erinnert passenderweise ein wenig an den großen Lou Koller (SICK OF IT ALL). Mit dem Opener "Let`s Ruin The Scene" und "No Matter What" sind - womöglich in Würdigung der musikalischen Wurzeln des Hardcore - ein paar fetzige Punkrocker mit an Bord. Das bereits erwähnte "Cast In Stone" und "Old Passion" emanzipieren den Thrash Metal und verleihen dem Ganzen zusätzlichen Dampf. Wie viele andere Vertreter ihrer Zunft bekennen sich auch die RYKER'S offenbar zum Unity-Gedanken der Szene und integrieren zahlreiche Gastauftritte, allen voran AGNOSTIC FRONTs Roger Miret in "Dead End Street". In gewisser Weise ist der Hardcore schon so eine Art musikalischer Swingerclub, in dem jeder mit jedem...ihr wisst schon! Bis dahin macht "The Beginning..." Spaß und liefert eine lange Latte kurzweiliger, moshpittauglicher Hardcore-Brocken und auch einige Perlen. Allenfalls die schnulzige, von Rebecca Haviland gesungene Lagerfeuerversion des 1997er Songs "Cold Lost Sick" hätten sich die Burschen sparen können (das Original stammt vom Album "A Lesson in Loyality"). Aber in Anbetracht der für eine Hardcore-Verhältnisse beachtlichen Laufzeit von 40 Minuten kann man das verschmerzen.

Die RYKER'S beweisen, dass die alte Schule im Hardcore sehr lebendig ist. Auch Szene-Flaggschiffe wie TERROR, MADBALL und SICK OF IT ALL zogen jüngst einige äußerst heiße Eisen aus dem Feuer. Da ist es keine Schande, dass "The Beginning..." bei der sich hierbei aufdrängenden Klötenschau vielleicht den Kürzeren zieht. Für den Connaisseur der besagten Vertreter gehören die Kasseler Jungs ohnehin zur Pflichtlektüre und leisten auch darüber hinaus eine sehr respektable Bedürfnisbefriedigung ab.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (28.05.2019)

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