VADER - Thy Messenger

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VÖ: 31.05.2019
Bandinfo: VADER
Genre: Death Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Was musste ich da kürzlich in einigen Medien/Foren lesen (und ertragen): VADER seien eine der letzten Bastionen, die das EP-Format im klassischen Stile (Albumsongs + Bonuskram) auch heute noch stolz vertreten? Okay, eigentlich haben sie dieses Konzept zwar erst wieder jeweils vor "Tibi Et Igni" und "The Empire" für sich entdeckt, aber Faktennähe ist ohnehin nur noch von sekundärer Priorität - wenn überhaupt. Geschenkt. Aber wer eine Mini-CD mit läppischen 13 Minuten Spielzeit (inkl. Neu-Einspielung des Klassikers "Litany" und Coverversion eines fremden, von JUDAS PRIEST geschriebenen Klassikers namens "Steeler") für 13 Euronen (die LP-Versionen kosten einerseits genauso viel und mit "limitierter" Farbprägung sogar noch mehr) ernsthaft mit dem Totschlagargument aller Totschlagargumente: „dU mUsSt eS jA NiChT kAuFeN!“ schönzureden versucht, hat offenbar jeglichen Sinn für die Realität verloren und blindlings verpasst, dass sich mittlerweile selbst der Zentralrat der Totschlagargumente von solchen cerebralen Flatulenzen distanziert.

Das ist im Übrigen nicht explizit als Kritik an Nuclear Blast Records zu verstehen, denn VADER sind aktuell die einzige mir bekannte Band im Line-Up der Donzdorfer, die sich zu solchen Praktiken hingezogen fühlen. Mir liegen gerade nicht die genauen Preisdaten zu EPICAs "The Solace System" (enthält sechs Non-Album-Tracks bei einer halben Stunde Spielzeit aus der "The Holographic Principle"-Session und muss damit genreunabhängig natürlich als Musterbeispiel und Maßstab gelten dürfen) aus dem Jahre 2017 vor, aber wenn man kurz den Gockel unter den Suchmaschinen bemüht, muss man sich schon wirklich anstrengen, um überhaupt in die Preisregion der "Thy Messenger"-EP vorzustoßen. Und ausserdem hinkt der Label-Vorwurf schon alleine unter dem Gesichtspunkt, dass selbst die großen, finanziell weitaus lukrativeren Zugpferde im aktuellen Roster mit solchen Releases quasi überhaupt nichts am Hut haben.

Nein, diese Vorhaltung, diese Kritik möchte ich hiermit ausschließlich an VADER überliefern. Hier wird unter dem Deckmantel des Fanservice Schindluder mit dem eigenen Fan und Sammler getrieben. Wenn es die neuen Songs wenigstens wert wären, sie weit vor der Albumveröffentlichung zu hören, aber nein: "Grand Deceiver", "Emptiness" und "Despair" haben nicht mal im Ansatz die Klasse eines beliebig gewählten "Tibi Et Igni"-Songs und sind genauso kurz geraten, wie das zuletzt schon auf dem nur noch soliden "The Empire" der Fall war. Nichts für ungut, aber diese EP ist für den Hörer in etwa so nutzbringend wie ein zweibeiniger, lahmender Gaul im Ackerbau. Die in manchen Szenekreisen kursierende These, dass VADER neue, fertiggestellte Alben bewusst zurückhalten würden, um noch eine Mini-CD dazwischenzuschieben, wird sich damit jedenfalls nicht aus der Welt schaffen lassen.



Ohne Bewertung
Autor: Pascal Staub (29.05.2019)

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