MAYFAIR - Frevel

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VÖ: 14.06.2019
Bandinfo: MAYFAIR
Genre: Avantgarde
Label: Pure Steel Records
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Lineup  |  Trackliste

Wer die letzten Veröffentlichungen der Vorarlberger MAYFAIR verschlafen hat und nur die Frühwerke der Band kennt, wird vermutlich höchst erstaunt sein, wenn er "Frevel" erstmals hört. Ist das wirklich noch dieselbe Band? Es hat sich viel getan seit dem ersten Album "Behind..." (1993). Damit meine ich nicht nur die 15-jährige zwischenzeitliche Auszeit, auch stilistisch hat die Band einen Entwicklungsbogen absolviert, der Seinesgleichen sucht. Der progressive Metal der Anfangstage hat sich über die Veröffentlichungen hinweg zum Avantgarde Rock entwickelt - wobei auch der "Rock" (vorläufig?) großteils nur mehr eine eher untergeordnete Rolle spielt. Doch Genre-Schubladen sind etwas, das MAYFAIR ohnehin nur vom Hörensagen kennen.

Man spricht deutsch. Texte in der Muttersprache waren auch in früheren Tagen keine Seltenheit bei MAYFAIR. Insofern ist es alles andere als Frevel, dass auf dem aktuellen Album ausschließlich deutsche Texte zum Vortrag kommen. Das unterstreicht die Extravaganz zusätzlich, und zwar mit einem fetten roten Edding: Wir machen was uns gefällt, und es gefällt uns verdammt gut, was wir tun! Unnötig zu betonen, dass die Lyrik insgesamt einen besonderen Stellenwert auf "Frevel" einnimmt. Das ist schon höhere Poesie, die von Sänger Mario mal zart, mal flüsternd, mal schreiend vorgetragen wird.

Das alles klingt fürchterlich kompliziert und kopflastig, wird aber mit einer ungeheuren Leichtigkeit vorgetragen, als wäre es die normalste Sache der Welt. Was umsomehr verwundert, wenn man hört, dass das gesamte Album in nur drei Tagen live eingespielt wurde. Dazu begab man sich in die Little Big Beat Studios in Liechtenstein, welches vom ehemaligen Schlagzeuger Manfred "Little" Konzett geleitet wird. Die Atmosphäre wird greifbar, die Energie bündelt sich in den Songs und bricht gelegentlich gewaltig aus, nur um gleich wieder - in fast schon entschuldigender Art - einer Zerbrechlichkeit zu weichen, die so filigran, verspielt und unschuldig wirkt, als wäre nie etwas passiert.

MAYFAIR bieten uns mit "Frevel" ein musikalisches Kunstwerk, das die außergewöhnliche Eigenschaft besitzt, Bilder im Kopf erzeugen zu können. "Frevel" ist kein einfaches Album, das man nebenbei hören kann. Vielmehr ist "Frevel" eine krasse Gegenbewegung zu allem, was die Mainstream-Musikindustrie in den vergangenen Jahr(zehnt)en unter Musik verstanden hat. "Frevel" ist zugänglich und kompliziert zugleich. "Frevel" ist wirklich außergewöhlich. Hört es euch an!

 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: adl (05.06.2019)

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