HATE - Auric Gates Of Veles

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VÖ: 14.06.2019
Bandinfo: HATE
Genre: Black / Death Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Die Farbe Schwarz und ein Bild von Schatten in lichtlosen Katakomben. Bereits der erste optische Eindruck von HATEs "Auric Gates Of Veles" deutet an, dass im Proberaum der polnischen Extrem-Metaller entweder das Licht ausgefallen ist oder dass die Kreativarbeit zum elften Langspieler von Verdunklungsabsichten überschattet wurde. Spielen HATE nun Death Metal mit Black-Metal-Riffing oder doch eher Black Metal mit Death-Metal-Growls? Sind sie die judäische Volksfront oder doch die Volksfront von Judäa? Und vor allem - wen interessiert das überhaupt?

Die einführende und nicht ganz neue Frage erscheint im Angesicht des neuen Albums wieder angebracht - und dennoch ist sie in etwa so bedeutsam wie der berühmte Reissack, der irgendwo in Peking auf eine Maus gefallen ist und damit eine chinesische Katze unfreiwillig zum Vegetarismus bekehrt hat. Fernab dieser fiktiven, veterinärmedizinischen Tragödie birgt der kleine Kalauer indes ein Fünkchen Wahrheit und steht auf einem realen Nährboden. Denn wie die Hintergrundinfos zu "Auric Gates Of Veles" verraten, bewegen sich ATF Sinner und Co. bewusst ein Stück weiter hinein ins schwarzmetallische Dickicht. Sie treiben damit die auf dem Vorgänger "Tremendum" begonnene Entwicklung musikalisch und lyrisch weiter voran. Das neue Werk rückt die vorchristliche, slawische Mythologie, die bereits zuvor aufgegriffen wurde, weiter in den Fokus. Als zentrale Figur vieler Texte nennt die Band den slawischen Gott Veles, der "für das dunkle Element der Existenz steht" und je nach Quelle auch als "Herrscher über das Totenreich" oder "Beschützer des Viehs und der Ernte" beschrieben wird.

Wie angedeutet tragen die Polen den behandelten Themen auch musikalisch Rechnung. Dementsprechend staunte ich nicht schlecht, als ich den Opener "Seventh Manvantara" anspielte und dachte "Waren HATE wirklich immer so black-metallisch drauf"? Tatsächlich baut "Auric Gates Of Veles" gitarrentechnisch überwiegend auf schwarze Melodieführungen und Tremoloriffs. Bekannte Trademarks wie die saftigen Growls von ATF Sinner und das brettharte Drumming seines Kollegen Pavulon sind natürlich geblieben, so dass die neuen Hasshymnen unterm Strich doch vertraut bleiben. Der besagte Opener und das zweite Stück "Triskhelion" triggern mit ungestümen Blast- und Doublebassattacken den Adrenalinpegel in die Höhe, lassen aber gleichzeitig Dynamik und feine Hooks nicht vermissen. Das schwermütige "Sovereign Sanctity" und der schroffe Titelsong drosseln vermehrt das Tempo, bleiben aber auf andere Weise intensiv und fesselnd. Auch die übrigen Stücke auf "Auric Gates Of Veles" sind durch die Bank sauber komponiert und haben Klasse. Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich dabei jedoch nicht leugnen...auch nicht, dass die Spaßkurve im Verlauf der Scheibe ein wenig abflacht. Von "Durchhängern" oder "Rohrkrepierern" zu reden, wäre jedoch maßlos übertrieben.

Was bleibt zu sagen? Platte auftellern, Füße hochlegen und abHATEn! Fans der polnischen Dampfhammerkombo werden nach Art des Hauses bedient und auch die bisher hassfreien Headbanger dürften keinen Grund zur Beschwerde haben. In Bezug auf den quantitativen Teil meines Fazits bleibt der Grat sehr schmal. Einerseits gefällt mir die Platte zu gut für 3,5 Punkte, andererseits hätten ein kleines Bisschen mehr Varianz und Nonkonformität viel bewirken können. In Würdigung des durchgängigen Niveaus und des Wachstumspotenzials der Songs fällt die Entscheidung letztlich zu Gunsten der höheren Wertung.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (17.06.2019)

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