EMIL BULLS - Mixtape

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VÖ: 24.05.2019
Bandinfo: EMIL BULLS
Genre: Alternative Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Wer warum welche Musik hört ist stets subjektiv. Genauso liegt die finale Beurteilung eines Werkes der Klangkunst stets im Ohr des Zuhörers. Persönlich und tendenziell stelle ich dennoch fest, dass man in der kommerziellen Populärmusik nur ganz selten auch qualitativ nachhaltige Werke findet. Daher der Schritt in Richtung Rock und Metal. Dahin, wo trotz aller Attitüde noch der Song als solches gewürdigt wird und nicht nur als fahrbarer Untersatz für artifizielle und doch stinklangweilige Einzelcharaktere genutzt wird. In einer Welt voller RIHANNAs, ARIANA GRANDEs, TIM BENZKOs und VINCENT WEIßes (Was weiß er denn?) würde ich nicht glücklich werden. Dass es unter uns Metallern auch Anhänger der Popmusik gibt: Sei's drum. Wenn aber musikalisch versierte, talentierte Menschen sich bewusst dazu entschließen, aus der lauwarmen Suppe an Popsongs einige Schöpfkellen an die eigene Gefolgschaft zu verteilen, dann fragt man sich schon intensiver nach dem Grund.


Covern können die EMIL BULLS ja. Das A-HA Cover "Take On Me" aus dem Jahre 2001 hat mit Sicherheit jeder schon einmal bewusst oder unbewusst bei einer Metal- oder Rockparty gehört. Das Umarrangieren von Songs liegt den Münchenern ebenfalls im Blut, wie auf dem Best-Of "XX" zu hören war. Hier wurden die eigenen Bandklassiker in akustisches Gewand gepackt. Ein Coveralbum macht da irgendwie Sinn. Dennoch, um den Bogen zur Einleitung zu schließen: Ein schlechter Song wird durch ein simples umarrangieren nicht besser, oder doch?


Tatsächlich ist "Survivor" von den unsäglichen DESTINY'S CHILD einer der absolut schlimmsten Songs, an die sich der Verfasser dieser Zeilen erinnern kann. Vornehmlich das Gesumme in den Strophen, welches sich wie ein nerviges Brummen eines Bienenschwarmes anhört, ist eine dieser kreativen Entscheidungen, die man nicht nachvollziehen muss. Lässt man diesen Hummelflug weg und schleudert auf Basis der (stets gleich bleibenden) Akkordfolge des Originals ein paar abwechslungsreiche Riffs aus dem Ärmel, so kann aus einem wirklich miesen, üblen, auswürfig schlechten Song tatsächlich eine ganz passable Nummer werden. Respekt dafür! Oder BRUNO MARS simpler Diskogröhler "Grenade", der mit ansprechender Instrumentierung tatsächlich einen packenden Sog erzielen kann. Obwohl die Nummer dadurch irgendwie an KISS und "Say Yeah!" vom "Sonic Boom"-Album erinnert. Interessant auch das PLACEBO Cover "Every You, Every Me", welches in den Strophen in ein Gothic-Rock Klangbild wie bei HIM gepackt wurde, bevor im Refrain die Metalcore-Breakdowns drübergelegt werden. So macht das Ganze dann doch irgendwie Spaß.


Wären da nicht aber auch die gegenteiligen Beispiele. Man nehme einen Klassiker wie "Rebel Yell" von BILLY IDOL und verhunsmiserabelt ihn mit einem Hip-Hop und R'N'B Elektro-Dancefloor-Beat, dass man reflexartig den Lautsprecher zerstören will. Da hat selbst das SCOOTER Cover von 1996 mehr Charme. Den Vogel schießt allerdings das EMILIANA TORRINI Cover "Jungle Drum". Kein Arrangementkonzept dieser Welt kann aus diesem Nervsong etwas erträgliches zaubern, unmöglich. Und die EMIL BULLS ersparen uns noch nicht mal das "rungedungdung...", welches eine Bongo imitieren soll. Grausam!
Fazit: Die EMIL BULLS beweisen mit "Mixtape" Dreierlei: 1.) Manchmal können ein paar Arrangement-Kniffe einen schlechten bis mittelmäßigen Song auf ein ordentliches Niveau anheben. 2.) In anderer Richtung funktioniert das allerdings auch. 3.) Ist der Song so richtig beschissen, kann man daran auch nix mehr ändern. Der Hörspaß für euch da draußen liegt also in erster Linie an der Toleranz, die ihr der Songauswahl entgegenbringt. 

 



Ohne Bewertung
Autor: Christian Wilsberg (20.06.2019)

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