TRISTWOOD - Nyx

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VÖ: 21.06.2019
Bandinfo: TRISTWOOD
Genre: Industrial Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Um das heimische Hyperblast-Abrisskommando TRISTWOOD war es jetzt bald zehn Jahre lang still. Und dann, aus heiterem Himmel, kommt... „Nyx“. Zugegeben, dieser Joke ist an Flachheit kaum zu überbieten und wird diesem Release vermutlich noch unzählige Male aufdividiert werden, doch es war einfach zu verlockend. Ihr versteht das sicher und TRISTWOOD werden sich angesichts der langen Wartezeit auf den nächsten Output auch schelmische Gedanken bei diesem Titel gemacht haben. Musikalisch bekommt man dafür, was man von den zwischenzeitlich in Oberösterreich stationierten Blastbeat-Fetischisten erwartet: Hochgeschwindigkeits-Getrümmer und übles Gehuste bis der Arzt kommt.

Bereits beim Opener „Lethe“ wird, nach epischem Gitarrenintro, das gar fälschlicherweise auf ein melodisches Album schließen lässt, mit schönem Getrümmer im Bereich schwarzmetallischer Saitenrasererei losgelegt, unterlegt von schwerem, deathigem Groove. Flächige Gitarrenwände, klapperndes Schlagzeug, das wie eine außer Kontrolle geratene Nähmaschine irgendwo am obersten Ende der menschenmöglichen Geschwindigkeitsskala rattert und übelstes Aggro-Gehuste kotzen dir bei „Typhaon“ dann den puren Hass direkt vor die Füße. „The Grey Wanderer“ lässt sich etwas Zeit um zu kommen, punktet zunächst mit schwerem Todeskrawall und nimmt dann über die gesamte Spielzeit, nach einer kurzen Ruhepause in der Bridge, kontinuierlich Fahrt auf.

Die vielfältig gelobten Industrial-Elemente finden sich dann im frisch-fröhlich dahinnagelnden „Back From The Void“, dessen helles Klirren dem Hörer zwar angenehm von innen an den Knochen kratzt, doch ansonsten eher ein wenig dumpf und verwaschen einher kommt. Richtig episch dafür „The Grey Panteon“, welches mit enorm starkem Spannungsbogen glänzt und dir gesanglich wieder einmal die übelsten Töne, zu deren menschliche Kehlen fähig sind, entgegenrotzt. Sonor hämmernde Gitarrenriffs und starke, fast ein wenig Trance-lastige Synth-Parts geben dem abwechslungsreichen Titel den richtigen Schliff.

Die anschließende Blastbeat-Orgie „Angstkriden“ mag dann irgendwie nicht so ganz zünden, denn zum einen hätten die zutiefst hasserfüllten Vocals streckenweise etwas lauter sein können und zum anderen leidet die Struktur des Songs vor allem in den Highspeed-Passagen etwas unter verwaschenem Mix. Zum Schluss machen sich TRISTWOOD noch ein Bier auf (entsprechendes eingespielte Geräusch solcherart klassifiziert), ehe zunächst gar filigrane, dann sukzessive dissonanter werdendes sphärisches Geklimper in den Abschluss-Hassbatzen „Obsidian Lounge“ überleitet, in dem man noch einmal gar garstigst angeknurrt wird. Hinten raus die Geschwindigkeit zügeln? Kommt gar nicht in Frage! Alle Regler auf Anschlag und ab geht die wilde Fahrt! Wobei man zugeben muss, dass TRISTWOOD hier die stampfenden Passagen in Verbindung mit dem abartigen Gegurgel direkt aus der Hölle fast noch besser stehen, als das rasende Markenzeichen-Gebolze.

Fazit: TRISTWOOD muss man mögen. Die heimischen Hyperblaster schrauben dir mit ihren Geschwindigkeitsexzessen gepflegt die Rübe von den Schultern. Nach einem anstrengenden Arbeitstag kann man sich eigentlich kaum etwas Schöneres wünschen, als im Rausch der infernalisch-apokalyptischen Klänge und in der Ekstase des allumfassenden Hasses seine Wohnzimmereinrichtung zu zerlegen. Dann weiß man gleich wieder, weshalb man sich den verhassten Knochenjob eigentlich antut – nämlich um sich nach getanem Zerstörungswerk wieder neu einrichten zu können. Mach ich jetzt auch. Gleich, nachdem ich mich von diesem Genuss wieder erholt habe - ich höre bis auf Fiepen und Piepsen gar nichts mehr, weil mein Ohren komplett vereitert sind...

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (27.06.2019)

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