FIRESPAWN - Abominate

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VÖ: 07.06.2019
Bandinfo: FIRESPAWN
Genre: Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Ich habe großen Respekt vor Lars-Göran Petrov und seinem Umgang mit den Widrigkeiten der Vergangenheit. Während seine Ex-Kollegen ENTOMBED sich lieber im Glanze ihrer eigenen Weinglas-Kollektion aalen, lauwarme Shows zu "Clandestine" spielen und sich ansonsten offenbar zu schade für weitere Interaktionen mit der Szene sind, ist er immer noch aktiver Teil dieser und schraubt mit ENTOMBED A.D. respektive FIRESPAWN einfach weiter munter die Köpfe seiner Zuhörerschaft ab. Letztere haben erst kürzlich mit "Abominate" den Nachfolger zu den guten "Shadow Realms" und "The Reprobate" vorgestellt und wenngleich sie damit wohl eher nicht als Revolutionäre in den Geschichtsbüchern des schwedischen Death Metal notiert werden, kann man sich doch einer Sache sicher sein: dass sie genau die Musik spielen, die sie selbst lieben, für die sie selbst brennen.

Dass diese Authentizität manchmal wichtiger als sensationelle Genre-Spagate o.Ä. ist, beweist "Abominate" in seinen knapp 42 Minuten mit Erfolg. Was mir dabei besonders gut gefallen hat: Der Nachdruck, mit dem FIRESPAWN ihr Drittwerk gegen die Köpfe des Publikums schmettern. Dieser Nachdruck spannt sich von der wuchtig-organischen, manchmal gar modern anmutenden Soundproduktion bis hin zum eigentlichen Songmaterial, das irgendwie auch von den Protagonisten und ihren Erfahrungen im Extreme Metal, von ihrer bloßen Präsenz lebt. Während manch eine andere Band wahrscheinlich mit dem groovigen Titeltrack oder dem temporeichen "Death And Damnation" (die arschtighten Drumpatterns haften sofort im Gedächtnis) einleiten würden, um diesen Effekt zu verstärken, verlassen sich FIRESPAWN mit dem Midtempo-Opener "The Gallows End" voll und ganz auf ihre einschüchternde Aura, die bereits mit dem Intro, das die letzten Momente vor einer Galgenhinrichtung zwei unterschiedlichen Perspektiven, also der gaffenden Meute und dem panisch atmenden Betroffenen, darstellt, passend zur Geltung gebracht wird.

Was ich hingegen noch nicht wirklich entschlüsseln konnte, sind die Momente, die man seitens der Band im Vorfeld wie folgt angekündigt hat: „Wir erforschen auf dem Album neue Ufer, die noch nicht viele Death-Metal-Bands vor uns betreten haben. Hört es euch an, dann wisst ihr, wovon ich rede.“ Sorry, aber ich weiß es immer noch nicht. Ist damit das kurze akustische Interlude "Cold Void" gemeint? Die zaghaften Melodien in "The Great One" oder "The Hunter"? Oder doch etwa besagte relativ moderne Abmischung, die sich viele oldschooligere Bands womöglich nicht trauen würden? Es bleibt mir ein Rätsel, was allerdings auch nicht heißen soll, dass dies "Abominate" in irgendeiner Form abwerten würde - im Gegenteil: In einer Flut aus richtig jungen und höchst brauchbaren Oldschool-Bands, die in den letzten Wochen und Monaten über uns hereingebrochen sind und auch im weiteren Jahresverlauf noch werden, wissen sich FIRESPAWN durchaus standhaft zu beweisen und liefern mit ihrem Drittling ein höchst unterhaltsames Kaliber ab, das meinem Empfinden nach sogar noch eine Nuance stärker als seine Vorgänger ausgefallen ist.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (27.06.2019)

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