MANOWAR - The Final Battle I

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VÖ: 29.03.2019
Bandinfo: MANOWAR
Genre: True Metal
Label: Magic Circle
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Eigentlich mag ich MANOWAR ganz gerne. Nach der Ankündigung ihrer Abschiedstour, ob es nun eine ist oder nicht, fasste ich mir ein Herz und ließ mir über 90 Affen für das Ticket gefallen – ohne Vorband, dafür aber mit unverschämten Merchpreisen, versteht sich. Einmal wollte ich diese Truppe live erlebt haben und tatsächlich hat mir die Show sehr gut gefallen...die alten Recken waren bestens in Form, glänzten mit einer sauberen Performance und demonstrierten die technische Beherrschung von schier unmenschlichen Lautstärken.

Auch dem eher verhalten gefeierten „The Lord Of Steel“ (2012) konnte ich, vielleicht mal abgesehen von dem gewöhnungsbedürftigen Sound, etwas abgewinnen. Dementsprechend bin ich völlig unvoreingenommen an die neue EP „The Final Battle I“ herangegangen. Die nicht überhörbaren Unkenrufe über den neuesten musikalischen Niveautauchgang der True Metaller versuchte ich, konsequent zu ignorieren und mir ein eigenes Bild von der Sache zu machen. Doch selbst das größtmögliche Maß an Unvoreingenommenheit beschönigt nicht diese Ton gewordene Tragödie, mit der eine der (ehemals?) größten Metalbands unserer Zeit in die letzte Schlacht zieht. Wie die „Kings Of Metal“ damit selbst ihre streitbarsten Veröffentlichungen unterbieten und sich selbst auf die Schippe nehmen, ist so unfassbar traurig, dass man es eigentlich nur noch mit Humor ertragen kann. Oder mit einer rosa Brille vom Format „Glasbaustein“.

„March Of The Heroes Into Valhalla“: die EP beginnt mit einem klassischen Intro mit symphonischer Instrumentierung, Chören und allem Brimborium. Das ist einerseits natürlich OK und typisch MANOWAR, andererseits aber auch keine Glanzleistung. Viel mehr verwirrt mich dabei, dass die Herrschaften einen von vier Songs für ein instrumentales Intro verbraten. Dieser Schachzug macht eigentlich nur in dem übergeordneten Kontext Sinn, dass weitere Teile von „The Final Battle“ folgen sollen und sich zu einer Art Album zusammenfügen. Dazu aber später mehr.

„Blood And Steel“: hinter dem Titel mit dem verheißungsvollen Namen versteckt sich ein typischer MANOWAR-Song - kein Überflieger, aber auch keine derbe Niete. Ich will einfach nicht glauben, dass diese Band, die den Heavy Metal maßgeblich geprägt hat, anscheinend nicht mehr vorzubringen hat als die endlose Wiederholung des Genre-Grundvokabulars. Mit „Blood And Steel“ belehren mich die Herren jedoch eines Besseren und geben abermals die gefühlt zweihundertfünfzigste Blood-Steel-Hail-Kill-Thunder-And-Lightning-Dichtung zum Besten. Auch musikalisch wirkt der beste Track der EP trotz seines fetzigen Rock’n’Roll-Flairs etwas amtsmüde. „Loki, God Of Fire“ oder „The Lord Of Steel“ würden diese Nummer ohne Mühe auf den zweiten Platz verweisen – und wir alle wissen, dass dies nicht die stärksten Pferde im MANOWAR-Stall sind.

„Sword Of The Highlands“: immerhin machen MANOWAR mal etwas Neues...könnte man sagen. Das balladeske „Sword Of The Highlands“ kombiniert schottische Folk-Musik (?) mit ein wenig Heavy Metal und einem Quäntchen Stadionrock. Wäre der Pathos-Spannungsbogen hier nicht bis zum Zerreißen überspannt, hätte man aus dieser Nummer vielleicht etwas Gescheites machen können. Aber von allen Phrasen, die irgendwie auf dem Wort „Pathos“ aufbauen, fällt mir für diesen musikalischen Käsekuchen nur „pathosüberladen“ ein. Da kann auch Eric Adams großartiger Gesang nicht mehr viel retten.

„You Shall Die Before I Die“: auch hier versuchen MANOWAR mal etwas Neues – und lassen die sehnsüchtigsten Wünsche nach der zweihunderteinundfünfzigsten Blood-Steel-Hail-Kill-Thunder-And-Lightning-Dichtung blühen und gedeihen. Was sich Joey DeMaio bei dieser MICKIE-KRAUSE-Parodie eines Metalsongs gedacht hat, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Die unorganisierte Klangsülze, die wohl vordergründig dazu dient, DeMaios Expertise auf vier Saiten zu demonstrieren, ist an sich schon schwer zu verarbeiten. Dass der Bandchef aber noch selbst zum Mikro greifen musste, demonstriert einen noch nie dagewesenen niveautechnischen Tiefgang. Ich sage dazu nur eins: der stellvertretende Chefassistent eines Ork-Bürgermeisters kann nach einer feucht-fröhlichen Wahlnacht nicht besser klingen! So verzerrt und entfremdet die Stimme DeMaios hier rüberkommt - die gesanglichen Defizite bleiben offenkundig. Dazu gesellt sich die endlose Wiederholung einer mehr als dümmlichen Titelzeile. Diese Nummer „toppt“ alles, was MANOWAR je vollbracht haben und kann beim besten Willen nicht mehr ernst genommen werden. Das einzige, was diese Komposition ist, ist unfreiwillig komisch.

Nachdem das Liedgut auf „The Final Battle I“ bereits der mutwilligen Zerstörung eines gewachsenen Kulturguts nahe kommt, setzt die unverschämte Preispolitik noch einen drauf. Nicht umsonst habe ich schon in der Einleitung erwähnt, dass das Dasein als „Manowarrior“ nichts für Sparer ist. Aber auch hier eröffnet „The Final Battle I“ neue Horizonte. Warum soll man ein Album namens „The Final Battle“ für rund 15€ anbieten, wenn man mit denselben Songs und drei EPs mehr als das Doppelte einsacken kann? EP hin oder her - das hier ist schlicht und einfach eine Frechheit. Im Gesamtbild ist dieses Werk ein Trauerspiel. Ein Trauerspiel, mit dem MANOWAR einen massiven Sargnagel in ihr eigenes Erbe und in den Allerwertesten des ganzen Genres rammen...da fehlen mir die Worte...



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (28.06.2019)

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