THY ART IS MURDER - Human Target

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VÖ: 26.07.2019
Bandinfo: THY ART IS MURDER
Genre: Deathcore
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Man kann wahrlich nicht behaupten, dass auf diesem Planeten aktuell nichts los ist - zahlreiche Krisenherde, Hysterien, politische Agitatoren sowie der allzu gern ignorierte und geleugnete Klimawandel sollten der Beispiele genug dafür sein, dass wir in einem brisanten Zeitalter leben. Für CJ McMahon und THY ART IS MURDER sind das unerschöpfliche, infernalische Energiequellen, die per Direkteinspritzung in die Songwritingprozesse der Australier, die dadurch mit jedem weiteren Werk an Reichweite und damit auch an Gewichtung gewinnen konnten, strömten und auch im Vorfeld zu "Human Target" nicht versiegten. Mit der Wucht eines nuklearen Erstschlags und tonnenschwerem Stahlgerät kehrt das Quintett fast genau zwei Jahre nach "Dear Desolation" zurück und transportiert seine Botschaften dabei noch giftiger, galliger und düsterer als zuvor - das Cover von Eliran Kantor ist hier Programm.

Ebenfalls Programm ist auch der Name THY ART IS MURDER, der tiefrot auf ebendiesem prangt und schon für allerlei Trademarks bürgt, bevor man überhaupt eine Note von "Human Target" gehört hat. Soll heißen: einer Revolution wird man hier vergebens nachgehen. Das stört aber auch weiterhin deshalb nicht, weil man als Hörer nach einem weiteren, zehn Songs andauernden Selbstfragmentierungsprozess abermals mit einem äußerst befriedigenden Gefühl zurückgelassen wird. Alleine die Breakdowns (in "New Gods", "Death Squad Anthem" und "Voyeurs Into Death" beispielsweise), die bei vielen anderen Interpreten höchstens die Teilnehmerurkunde für das langweiligste Zweckstilmittel einstreichen würden, sind mal wieder so pointiert eingestreut und zermalmend, dass man den Presslufthammer der nächstgelegenen Baustelle ohne Bedenken dadurch austauschen könnte. 

Dennoch muss man auch konstatieren, dass THY ART IS MURDER nach einigen Jahren und Alben immer souveräner mit melodischen und atmosphärischen Details umzugehen wissen, wodurch ihre aktuellen Alben nicht nur aufgeräumter und klar definierter klingen, sondern auch Blackened-Death-Core-Hybriden à la "Eternal Suffering", "Chemical Christ" und "Atonement" enorm an Sprengkraft gewinnen. Nebst gewohnten Groovehämmern wie "Welcome Oblivion" und "Human Target" sorgt das zumindest für ein Mindestmaß an Abwechslung, sodass man als Außenstehender einen guten Flow verspürt. Löblich ist überdies auch, dass CJ und Co. ihre Reichweite auch weiterhin nicht nur dafür nutzen, um Religionen zu tadeln und Missstände anzuprangern, sondern auch für mehr oder minder politische Statements ("Make America Hate Again"), die - zugegebenermaßen - einerseits recht simpel gehalten sein mögen, andererseits aber durch den musikalischen Unterbau trotzdem Vehemenz und Authentizität ausstrahlen.

Das Fazit fällt dieses Mal also sehr leicht aus, was u.A. auch dem Umstand zu verdanken ist, dass CARNIFEX mit "World War X" pünktlich zum Vergleich eintrafen. Während letztere nämlich nach einer interessanten Entwicklung auf ihren letzten beiden Alben dieses Mal leider zu viel wollten und sich damit in eine Sackgasse manövrierten (mehr dazu könnt ihr in der bald veröffentlichten Rezension lesen), wissen THY ART IS MURDER auf "Human Target" ganz genau was sie a) wollen und b) können. Das mag für einige Zuhörer zu gebetsmühlenartig vorgespielt sein, aber aus einem anderen Blickwinkel betrachtet bedeutet das, dass man sich innerhalb kürzester Zeit eine eigene Nische graben bzw. einen Namen wie eine Marke erspielen konnte. Das alles steht und fällt natürlich mit den ungezügelten Aggressionen, die THY ART IS MURDER mit ihrer Musik reflektieren, aber das hat gleichzeitig auch einen positiven Effekt, denn so können die Aussies auf diesem Gebiet höchstens von sich selbst geschlagen werden.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (24.07.2019)

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