SACRILEGE - The Court Of The Insane

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VÖ: 02.08.2019
Bandinfo: Sacrilege
Genre: Thrash Metal
Label: Pure Underground Records
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Lineup  |  Trackliste

Die unverwüstlichen NWobHM-Recken von SACRILEGE (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Thrash-Combo) hatten sich 2012 ja wieder überraschend reformiert. Nunmehr erscheint mit "The Court Of The Insane" das zweite Album seit dem Neuanfang. 

Kopf der Band war schon seit jeher Bill Beadle, der auch wieder hauptverantwortlich für die neuen zehn Songs zeichnet.

NWobHM ist das Stichwort und das wird auch abgeliefert. Wer auf JUDAS PRIEST steht, ist bei "In The Court Of The Insane" sehr gut aufgehoben. Auch die Produktion orientiert sich am letzten Werk "Firepower" der britischen Rocklegenden und muss sich da ganz und gar nicht verstecken. Ich finde den Sound sogar noch besser, besonders weil man den Andy-Sneap-Produzenten-Stempel  hier vergeblich sucht. Ansonsten ist die Produktion sehr organisch und alles andere als ein "Loudness War", somit eher eine Ausnahme, was Produktionen anno 2019 angeht. Fetter Pluspunkt also.

Die Songs können aber leider nicht alle mit der tollen Produktion mithalten. Das Problem, dass ich mit etlichen Stücken auf "The Court Of The Insane" habe, sieht man, wenn man sich einmal die Spielzeiten der einzelnen Songs ansieht: Mehr als die Hälfte der Lieder  sind über sechs Minuten lang, "No Bequeath" reisst sogar die Sieben-Minuten-Marke. Was für eine Progband eher kurz wäre, geht meiner Meinung nach bei SACRILEGE eher nach hinten los, denn die Songs müssen nun wirklich nicht so lange sein, gerade auch weil viele Stücke endlos gestreckt werden, z.B. durch x-fache Wiederholungen des Chorusses, was einem spätestens beim dritten Hören doch etwas auf den Senkel geht.

Klingt jetzt alles etwas arg negativ, aber es gibt natürlich auch Positives zu den Songs zu vermerken:

"Celestial City" gibt die Marschrichtung der Scheibe vor, Bill Beadle klingt wie Rob Halford mit ein wenig tieferer Stimmlage, der Song hat Atmosphäre, die Gitarren sind knackig. Es fehlt mir nur ein wuchtiger Chorus (eigentlich hat der Song gar keinen) und bereits hier ist das eingangs erwähnte unnötige  "Langziehen" der Songs (hier mit zu viele Versen) deutlich bemerkbar.

Bei "Lies" sieht das Ganze schon etwas anders aus, der Song kommt auf den Punkt, hat die richtige Länge und einen (wenn auch knappen) prägnanten Chorus. Würde auch auf einer JUDAS PRIEST-Scheibe sicherlich nicht negativ auffallen. 

Das Gleiche kann man von dem getrageneren Titelsong sagen, britischer Heavy Metal in Hochglanz. Prima Song, der eine Minute kürzer noch besser rüberkommen würde, der (gute) Chorus wird unnötig überstrapaziert.

"Bring Out Your Dead" ist bezogen auf die Songlänge etwas abwechslungsreicher, es gibt etliche Tempowechsel und im getragenen Chorus sind leichte Doom-Anleihen angesagt, für die die Band in der Vergangenheit ja auch bekannt war.

"Depression" stürzt einen nicht in dieselbe, sondern erinnert mich ein wenig an "Love Bites" vom legendären "Defenders Of The Faith"-Album der Priester.

"No Bequeath" beginnt äußerst langsam und kommt erst nach gut zwei Minuten etwas (zu?) spät in Fahrt, der Song wäre auch mit der Hälfte der Länge noch im grünen Bereich, wenngleich der Chorus mir hier etwas zu spartanisch rüberkommt. Am Ende scheint das Stück nicht aufhören zu wollen, was es dann zum Glück doch tut.

Nach einem eineinhalbminütigen Akustik-Intro geht auch "The Prophet" ziemlich spät in die Vollen. Spätestens hier machen sich dann doch erste Abnutzungserscheinungen bemerkbar, da die Songs sich doch etwas  gleichen. Ganz nett aber sicher nicht zu den besten Songs der CD zählend.

Das keyboardlastige Intro untermalt mit zweistimmigen Gitarren den Track "Unhinged Mind", ehe es wieder Powerchords satt gibt. Auf einen gediegenen Chorus wartet man dann aber leider vergeblich. Leider eher ein Skip-Song

"I Can hear the Silence" ist da schon wieder besser, der schnellste Song der Scheiblette. Der Chorus wird mir aber auch hier zu oft wiederholt, was  unheimlich ermüdet. Irgendwann wünscht man sich dann wirklich mal "Silence".

Beim abschliessenden "Ride Free" wird sich dann noch einmal ziemlich dreist bei JUDAS PRIEST bedient, das Pre-Chorus-Riff ist beinahe eins zu eins von "Heavy Metal" vom 1988er-Werk Ram It Down" übernommen. Zugegeben kein echter PRIEST-Klassiker, aber dennoch auffällig. Auch die SACRILEGE-Nummer ist nicht gerade der Überknaller.

"The Court of The Insane" hat Licht und Schatten. Wo die Produktion das Licht anknippst, löschen es viele unnötig in die Länge gezogene Tracks und einige nicht so ganz gelungene Stücke auch wieder. Unter dem Strich ergibt das drei Punkte für den Langdreher. PRIEST-Freunde werden dennoch ihren Spass daran haben.

                

 

 

 

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (30.08.2019)

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